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So kommt die St.Galler FDP zu ihren Kandidaten für die nationalen Wahlen

Nachfolge-Knatsch, prominente Namen und eine Premiere: Ein Jahr vor den nationalen Wahlen provoziert der St.Galler Freisinn Schlagzeilen im Wochentakt. Ein Teil davon ist Zufall, vieles aber Kalkül.
Andri Rostetter
Begehrte Plätze: Blick in den Nationalratssaal. (Bild: KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Begehrte Plätze: Blick in den Nationalratssaal. (Bild: KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Für die SVP wäre es ein Coup gewesen: 2015 machte das Gerücht die Runde, Sonja Nef wolle für die Partei in den Nationalrat. Der Ex-Skistar hegte durchaus Sympathien für die SVP. Doch zu einer Kandidatur konnte Nef sich letztlich nicht durchringen, aus der Liaison zwischen der Sportlerin und der Partei wurde nichts. Die FDP hatte nun mehr Glück. Gestern kündigte die freisinnige Flumser Ortspartei die Nomination von Karin Weigelt an.

Karin Weigelt (Bild: Benjamin Manser)

Karin Weigelt (Bild: Benjamin Manser)

Mit zwei Schweizer-Meister-Titeln, drei Cupsiegen und 128 Einsätzen für die Nationalmannschaft zählt Weigelt zu den erfolgreichsten Schweizer Handballerinnen der letzten Jahrzehnte. Handball hat in der Schweiz zwar nicht den gleichen Stellenwert wie Skifahren, doch für die FDP ist die Nachricht von Weigelts Nomination eine Erfolgsmeldung; in der Ostschweiz darf sich die Ex-Spitzensportlerin zur überschaubaren Gruppe der Sportprominenz zählen, von dessen Strahlkraft sich die Partei zumindest einen bescheidenen Abglanz erhoffen darf.

Bei der 34-Jährigen kommt hinzu: Vater Peter sass von 1995 bis 2006 für die Partei im Nationalrat, Onkel Kurt präsidierte bis vor wenigen Tagen die Industrie- und Handelskammer St.Gallen-Appenzell. Der Name Weigelt ist gewissermassen eine eigene Marke innerhalb des St.Galler Freisinns.

Willkommene Publizität

Karin Weigelts Nomination wirft ein weiteres Schlaglicht auf die freisinnigen Umtriebe ein Jahr vor den eidgenössischen Wahlen. Vor Wochenfrist brachte Nationalrat Walter Müller Bewegung in die Partei, als er in einem Interview mit unserer Zeitung seinen Rücktritt auf das Ende der Legislatur ankündigte. Wenige Stunden später nahm sich Kantonsrat Walter Locher vorzeitig aus dem Rennen und gab seinen Verzicht auf eine Nationalratskandidatur bekannt. Locher war bei den Nationalratswahlen 2015 auf dem ersten Ersatzplatz gelandet.

Mit Müllers Ankündigung haben sich Lochers Chancen auf einen kampflosen Einzug ins Bundeshaus über Nacht verflüchtigt. Der Partei ist diese öffentliche Ausmarchung durchaus willkommen; sie bringt Publizität, ohne dass Geld für Plakate- und Inseratekampagnen oder Wahlveranstaltungen fliesst.

Dass der Wahlkampf schon jetzt in Fahrt kommt, hat die Partei aber nicht nur Müllers überraschender Ankündigung zu verdanken. Schon vor knapp einem Jahr startete der Parteileitungsausschuss mit Sondierungsgesprächen, um Kandidatinnen und Kandidaten für die nationalen Wahlen zu rekrutieren.

Kriterien: Region, Geschlecht, Alter, Beruf, Verbände

Christoph Graf, Geschäftsführer der St.Galler FDP-Kantonalpartei, spricht von einem «dialogischen Prozess»: Die Regionalparteien melden ihre Wunschkandidaten dem Ausschuss, der berät sich und meldet seinerseits den Regionalparteien allfällige Personalwünsche zurück. Diese müssten dann dafür sorgen, dass die Person zuhanden der Kantonalpartei nominiert werde. «Mit dieser Vorgehensweise will die Parteileitung sicherstellen, dass die Listen ausgewogen besetzt sind – nach Geschlecht, Alter, Berufsgruppen, Verbänden.»

Oberstes Kriterium bei dieser Vorarbeit sei die regionale Zugehörigkeit. «Zuerst achten wir darauf, dass alle Wahlkreise ihrer Grösse entsprechend vertreten sind. Dann erst kommen die anderen Kriterien ins Spiel.» Konkret heisst das: Drei Sitze für den Wahlkreis St.Gallen, zwei für Wil, zwei für See-Gaster und je einen für Rorschach, Rheintal, Toggenburg, Sarganserland und Werdenberg. Im Blick haben muss die Partei auch die Verbände, die traditionellerweise auf der FDP-Liste vertreten sind: IHK, Gewerbe-, Bauern- und Hauseigentümerverband.

Vier freisinnige Listen für 2019

Dem Kanton St.Gallen stehen im Nationalrat zwölf Plätze zu. Somit darf jede Partei eine Liste mit zwölf Namen präsentieren. Der weitverzweigte St.Galler Freisinn wird 2019 gleich mit vier Listen vertreten sein. Neben der Hauptliste treten erstmals in der Geschichte die St.Galler FDP-Frauen mit einer eigenen Liste an. Auch die Jungfreisinnigen und die Umweltfreisinnigen stellen je eigene Listen in Aussicht.

Welche zwölf Namen in welcher Reihenfolge definitiv auf der Hauptliste landen, entscheiden die rund 500 FDP-Delegierten am 17. Januar – und nicht etwa die zahlenmässig weitaus grössere Mitgliederversammlung. Damit soll ­sichergestellt werden, dass Kandidaten nicht mit Cars voller Fans anreisen. Nützen würde dies ohnehin in den wenigsten Fällen: Für die 200 Sitze im Nationalrat kandidierten 2015 schweizweit 3802 Personen – 95 Prozent wurden nicht gewählt.

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