Kolumne

VW-Kadaver

ResTZucker:  Über einen VW-Käfer, aus dem ein VW-Kadaver geworden ist. 

David Angst
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«Geh einmal in Deinem Leben zu weit. Dort siehst Du, wie es weiter geht.» Mit diesem Slogan warb der Kanton Thurgau im Jahr 1998 an der Olma. Natürlich gab es schon vor 1998 ab und zu Leute, die zu weit gingen.

David Angst. (Bild: Ralph Ribi)

David Angst. (Bild: Ralph Ribi)

Zwei Brüder aus Schiers im Prättigau gingen in den 60er-Jahren buchstäblich bis dorthin, wo es nicht mehr weiter ging. Genauer gesagt, sie fuhren. In ihrem VW Käfer, Baujahr 1951, krochen sie den hochalpinen Wald hinauf, bis er auf knapp 1300 Metern nicht mehr weiter kam. Dort liessen sie ihn einfach stehen. Der Karren war am Boden. Er war kein VW Käfer mehr, sondern ein VW-Kadaver. Oder anders ausgedrückt, er war an einem Ort, den es im Kemmental als Flurnamen gibt.

Jetzt steht er in Ermatingen. Auch nicht gerade der Nabel der Welt. Ein Unternehmer hat ihn ausgegraben und in ein Glashaus gestellt. Genauso, wie ihn die Natur zugerichtet hat. Eine Restauration lohne sich kaum, sagt der Mann.

Bleibt noch die Frage nach dem Sinn. Was bringt es, mit einem Auto in den Wald zu fahren und es dort stehen zu lassen? Und was bringt es, dieses fünfzig Jahre später auszugraben und auszustellen? Nun ja, diese Frage könnte man bei anderen Dingen auch stellen. Zum Beispiel, warum so viele Städte unbedingt das historische Museum haben wollen.