Vorwürfe waren «haltlos»

Der oberste Veterinär des Bundes verteidigt die Delphinhaltung, die Thurgauer Staatsanwaltschaft stellt ein Verfahren ein – und das Connyland droht mit Klage.

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Für den obersten Veterinär des Bundes Hans Wyss ist ein Importverbot für Delphine kein Thema. Auch nicht, nachdem vergangenen Dienstag ein achtjähriges Tier im Freizeitpark Connyland in Lipperswil gestorben ist (Ausgabe vom 10. November). Wyss sieht «keine neuen Erkenntnisse», die für ein solches Verbot sprechen würden. Selbstverständlich seien Bundesrat und Parlament frei, anders zu entscheiden, sagt Wyss in Anspielung auf einen Vorstoss der Bündner BDP-Nationalrätin Brigitta Gadient, die ein Importverbot für Delphine fordert.

Auch sieht der Direktor des Bundesamtes für Veterinärwesen im Interview mit der «NZZ am Sonntag» keine Veranlassung, im Connyland zu intervenieren. Die Auflagen für ein Delphinarium seien hoch, «und sie wurden erst vor drei Jahren mit der neuen Tierschutzverordnung noch einmal verschärft». Gemäss dem zuständigen Thurgauer Kantonstierarzt erfülle das Connyland die Auflagen in jeder Beziehung, erklärt Wyss.

Immer wieder in der Kritik

Das Connyland ist in den vergangenen Jahren immer wieder in der Kritik gestanden. Zuletzt, als am Dienstag das achtjährige Delphinmännchen Shadow verendete. Für Tierschützer steht sein Tod im Zusammenhang mit einer Technoparty, die Ende Oktober im Connyland durchgeführt worden war. Für den Freizeitpark selbst kam Shadows Tod völlig unerwartet. Das tote Tier wurde vom Tierspital der Universitätsklinik Zürich seziert, die Todesursache konnte aber noch nicht bestimmt werden. Erste Resultate werden in zwei bis drei Wochen erwartet.

Vorwurf der Tierquälerei

Die Post der Thurgauer Staatsanwaltschaft dürfte die Verantwortlichen des Freizeitparks denn auch gefreut haben. Die Tierschutzorganisation Ocean Care und die Stiftung Tier im Recht hatten vergangenes Jahr Strafanzeige gegen das Connyland eingereicht. Die beiden Organisationen warfen dem Freizeitpark qualvolle Tötung von Tieren durch Unterlassung, mehrfacher unangemessener Behandlung kranker Tiere, Tierquälerei und andere Missachtungen der Vorschriften über die Tierhaltung vor. Mehrere Delphine und Seelöwen seien in den vergangenen Jahren gestorben, weil die Anlage ungenügend gesichert, die hygienischen Zustände mangelhaft und die medizinische Versorgung nicht fachgerecht sei, so die Vorwürfe.

«Rufschädigende Aussagen»

Die Staatsanwaltschaft Kreuzlingen hat das Verfahren gegen den Freizeitpark jedoch eingestellt. Sämtliche Vorwürfe seien widerlegt worden, teilte das Connyland am Wochenende mit. In der Einstellungsverfügung vom 11. November schreibt die Staatsanwaltschaft, dass sich sämtliche Anschuldigungen «als haltlos erwiesen» hätten.

Ein Gutachter kommt zudem zum Schluss, dass die Delphinhaltung im Connyland einem hohen Standard entspreche.

Mit ihren Vorwürfen habe sich die Organisation Ocean Care «unglaubwürdig» gemacht, ebenso wie die Bündner BDP-Nationalrätin Brigitta Gadient, heisst es in der Medienmitteilung des Freizeitparks weiter. Die Aussagen von Brigitta Gadient seien ehrverletzend und rufschädigend, kontert das Connyland. Es kündigt denn auch eine Klage gegen die Bündner Politikerin an. (sda/jhe)