Vorwürfe
Mutmasslicher Rassismus-Vorfall: Sion-Goalie Fayulu hat Anzeige gegen Unbekannt eingereicht +++ FCSG-Präsident Hüppi: «Wir wollen solche Leute nicht im Stadion»

Nach den mutmasslichen rassistischen Beleidigungen gegen Sion-Torhüter: Auch die Staatsanwaltschaft St.Gallen lässt den Vorfall untersuchen. Sion-Goalie Timothy Fayulu hat Anzeige gegen Unbekannt eingereicht.

David Grob
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Sion-Goalie Timothy Fayulu nach den mutmasslichen Beleidigungen am vergangenen Samstagabend.

Sion-Goalie Timothy Fayulu nach den mutmasslichen Beleidigungen am vergangenen Samstagabend.

Bild: Gian Ehrenzeller, Keystone

Fast redete sich Matthias Hüppi ein wenig in Rage an der Pressekonferenz am frühen Freitagnachmittag. Gleich zu Beginn ergriff der FCSG-Präsident das Wort, der bei Anlässen vor Spielen normalerweise nicht vor die Medienschaffenden tritt. Thema: der mutmassliche Rassismusvorfall vom vergangenen Samstag, als Sion-Goalie Fayulu nach Spielende aus der FCSG-Kurve rassistisch beleidigt worden sein soll. Von Affenlauten war zu lesen, von einer Beleidigung als «Monkey», Affe, vom N-Wort.

«Wir wollen solche Leute nicht im Stadion. Es ist ein Thema, das mich persönlich die ganze Woche beschäftigt hat. Es ist ein Thema, das mir persönlich wichtig ist.»

Auch eine Woche nach dem mutmasslichen Vorfall ist noch unklar, was überhaupt passiert ist. Der FCSG werde den Verband bei der Untersuchung unterstützen, wo er könne, sagte Hüppi.

Die Staatsanwaltschaft untersucht den Vorfall

Mittlerweile ist so viel klar: Auch die Staatsanwaltschaft des Kantons St.Gallen untersucht den Vorfall, wie sie auf Anfrage bestätigt. Noch Anfang Woche hiess es, man warte die Untersuchung des Verbandes ab. Mittlerweile ist aber eine Anzeige gegen Unbekannt eingegangen. Die Staatsanwaltschaft St.Gallen bestätigt auf Anfrage einen Artikel von «Tribune de Genève», dass die Anzeige von Sion-Goalie Fayulu, dem Opfer des mutmasslichen rassistischen Übergriffs, eingereicht worden ist.

Im Artikel der Westschweizer Zeitung heisst es weiter, Fayulus Anwälte hätten verlangt, die Kameras im Kybunpark auszuwerten, um den oder die Täter zu fassen. Gemäss eigenen Aussagen sei Fayulu erst mit Bier und Feuerzeugen beworfen worden, dann rassistisch als «Monkey» beschimpft worden. Fayulu lässt sich wie folgt zitieren:

«Im Grunde nannten sie mich einen Affen. Ich wurde noch nie erschossen, aber es ist, als würde man erschossen.»

Gemäss Tribune de Genève ist es indes nicht bei Beleidigungen im Stadion geblieben: Ein Anwalt Fayulus informierte weiter, dass der Sion-Goalie auch über die soziale Medien rassistische Nachrichten erhalten habe. Zu dieser Behauptung kann die Staatsanwaltschaft St.Gallen keine Angaben machen.

An der Pressekonferenz zeigte sich Hüppi bestürzt über die Reaktionen nach den Geschehnissen und sprach «von rassistischen Nachdoppelungen aus anderen Regionen der Schweiz». Hüppi trat als Blitzableiter vor die Medien: «Keine Einzelfigur kann sich über das Team stellen. Deshalb werde ich nicht zulassen, dass diese Geschichte die Mannschaft negativ beeinflusst», sagte der FCSG-Präsident. Dementsprechend wurde der mutmassliche Vorfall auch mannschaftsintern nicht offiziell besprochen, wie Cheftrainer Peter Zeidler auf eine Frage der Medienschaffenden sagte.

Bereits aufgearbeitet wurden beim FC St. Gallen die Ereignisse nach Spielschluss, als sich Akteure und Betreuer beider Teams ein wildes Handgemenge lieferten. «Klar ist, dass so etwas nicht geht. Sportchef Alain Sutter hat mit jedem einzelnen die Vorkommnisse besprochen», so Hüppi.

Der FCSG blickt positiv auf das Spiel gegen den FCZ

Sportliche Belange rückten bei der Pressekonferenz in den Hintergrund, das Spiel gegen den FCZ wurde erst im zweiten Teil der Medieninformation Thema. Mit Konzentration und mentaler Stärke könne man das Spiel gewinnen, sagte Peter Zeidler. Grosse Änderungen im System oder im Spielkonzept seien hingegen nicht notwendig. «Es ist umso spannender, auf den Tabellenführer in einem Heimspiel zu treffen.» Ein klares Sturmduo wie bei anderen Vereinen habe sich noch nicht herausgebildet. «Aber dies kann ja auch eine Stärke sein.»

Der Liveticker von der Medienkonferenz zum Nachlesen:

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