VORTRIEB: Sprengen ist die Königsdisziplin

Die Durchmesserlinie ist das grösste Bauprojekt in der Geschichte der Appenzeller Bahnen. Ein Augenschein auf der Baustelle mitten in einem Wohnquartier der Stadt St.Gallen.

Nathalie Grand/sda
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Ein Arbeiter im Südportal des Ruckhaldentunnels der Appenzeller Bahnen. (Bild: Gian Ehrenzeller/ KEY)

Ein Arbeiter im Südportal des Ruckhaldentunnels der Appenzeller Bahnen. (Bild: Gian Ehrenzeller/ KEY)

Nathalie Grand/SDA

ostschweiz@tagblatt.ch

Nach den Sprengungen am Nordhang des Ruckhaldetunnels kann man die Uhr stellen: Jeden Morgen um 7 Uhr und am Nachmittag um 14 Uhr detonieren im Tunnel je 130 Kilogramm Sprengstoff. Wenige Minuten später schlängelt sich die Appenzeller Bahn den Ruckhaldenhang hinauf. Dort wird heute noch ein Zahnrad benötigt, um die Steigung zu überwinden. Sprengen ist die Königsdisziplin im Tunnel. Der Sprengmeister macht den letzten Kontrollgang, dann wird gezündet. Die Sicherheitsmassnahmen sind streng. Helm und Schutzwesten sind Pflicht. Niemand kommt unbemerkt auf die Baustelle.

Die Anwohner des Quartiers haben sich an den Knall und die Erschütterungen gewöhnt. Reklamationen gibt es kaum, sagt Alexander Liniger, Sprecher der Appenzeller Bahnen. Während der Bauzeit seien Lärm, Staub und Vibrationen nicht zu vermeiden. Die Erschütterungen lägen unter den zulässigen Richtwerten.

Gearbeitet wird von 6 Uhr morgens bis um 22 Uhr abends in zwei Schichten. Pro Arbeitstag würden im festen Fels im Norden rund vier Meter Molassegestein ausgebrochen, sagt Bauleiter Thomas Looser, der bereits bei der Umfahrung Bütschwil die Tunnelbauten leitete. Im Lockergestein am Südportal kommen die Baggerarbeiten pro Tag rund einen Meter voran.

Durchstich Mitte 2017

Der Tunnelbau verlaufe planmässig und ohne Zwischenfälle, so Looser. Der Grundwasser­spiegel wurde abgesenkt und das Wasser in sieben Brunnen umgeleitet. Im Norden ist der Trupp bereits über 280 Meter vorgestossen, im Süden, wo später begonnen wurde, rund 15 Meter. Mitte 2017 sollte der Durchstich erfolgen.

Über Tag arbeiten rund zehn Leute, unter Tag sind es nochmals 25. Die Arbeiter stammen aus Österreich, Deutschland oder Italien und sind allesamt Spezialisten auf ihrem Gebiet. «Die Männer leben während der Bauzeit in Wohngemeinschaften in der Stadt», sagt Liniger. Gearbeitet wird sechs Tage am Stück.

Die Arbeiten für die Durchmesserlinie zwischen Appenzell über die Stadt St. Gallen bis nach Trogen haben vor einem Jahr ­begonnen. Das insgesamt 90 Millionen Franken teure Projekt soll den Viertelstundentakt bringen und den Einsatz neuer Züge ermöglichen.

Zentraler Bestandteil der geplanten Durchmesserlinie ist in der Stadt St. Gallen der Ruckhaldetunnel zwischen dem Güterbahnhofareal und dem Quartier Riethüsli. Der Tunnel soll 63 Millionen Franken kosten. Das gesamte Ausbruchvolumen beträgt 33 000 Kubikmeter Fels und Lockergestein. Das entspricht rund 500 Schiffscontainern.

Ende 2018 sollte der Betrieb durch den Ruckhaldetunnel aufgenommen werden, sagt Appenzeller-Bahnen-Sprecher Alexander Liniger.