Vorschuss für Forscher

Nach einigen Startschwierigkeiten nimmt das Forschungszentrum Rhysearch in Buchs Fahrt auf: Der Bund hat grünes Licht gegeben für Förderbeiträge. Die Erwartungen sind allerdings hoch.

Adrian Vögele
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Hightechgerät im Rhysearch-Labor: Das Forschungszentrum hat sich unter anderem auf die Prüfung optischer Beschichtungen spezialisiert. (Bild: Jakob Birkhölzer/PD)

Hightechgerät im Rhysearch-Labor: Das Forschungszentrum hat sich unter anderem auf die Prüfung optischer Beschichtungen spezialisiert. (Bild: Jakob Birkhölzer/PD)

Adrian Vögele

Es ist ein Aufstieg in eine höhere Liga: Das Forschungszentrum Rhysearch in Buchs darf neu mit Fördergeld des Bundes rechnen. Die eidgenössische Kommission für Technologie und Innovation (KTI) hat Rhysearch als beitragsberechtigte Forschungsstätte anerkannt. Das Start-up mit acht Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern steht damit auf Augenhöhe mit renommierten Institutionen wie der ETH oder der Empa.

So gross der Schritt auch ist: Die Träger des Forschungszentrums, der Kanton St. Gallen und das Fürstentum Liechtenstein, hatten ihn viel früher erwartet. In der Abstimmungsvorlage von 2012 rechnete der Kanton damit, dass Rhy­search die KTI-Anerkennung innert kürzester Zeit erreichen und bis zum Jahr 2018 von vier auf 40 Mitarbeiter anwachsen werde. Nationale oder internationale Forschungsgelder sollten ab dann ein Drittel der benötigten Mittel – 2,5 Millionen Franken – decken, ein weiteres Drittel sollte die Wirtschaft beisteuern, das letzte Drittel wollten der Kanton und das Fürstentum als Träger übernehmen. Das Ziel war, eine Anlaufstelle für Forschung im Hightech-Bereich zu schaffen, die der regionalen Industrie Impulse für die Entwicklung neuer Produkte geben würde. Das St. Galler Stimmvolk zeigte sich geradezu begeistert: 77 Prozent sagten Ja.

«Der Aufwand wurde unterschätzt»

Inzwischen ist klar: Der Zeitplan war zu ambitioniert. Das räumt auch das Volkswirtschaftsdepartement ein. «Der Aufwand, der mit dem Aufbau einer solchen Forschungsstätte verbunden ist, wurde unterschätzt», sagt Generalsekretär Gildo Da Ros, der zugleich Mitglied des Rhysearch-Verwaltungsrats ist. Administrative Fragen mussten geklärt werden, etwa zu den Anstellungsverhältnissen der Mitarbeiter. «Zudem war man sich nicht einig über die strategische Ausrichtung», sagt Da Ros. Sollte Rhysearch nun angewandte Forschung betreiben, oder sich doch eher auf Grundlagenforschung konzentrieren? Wie sollten die Forschungspartner – etwa die Empa und die Universität Liechtenstein – in die Arbeit eingebunden werden? Die Gespräche scheiterten; der ursprüngliche Verwaltungsrat von Rhysearch trat im März 2014 geschlossen zurück, das Gremium wurde neu gewählt.

Seither hat sich die Lage beruhigt. Das Zentrum hat sich auf anwendungsorientierte Forschung in einzelnen Gebieten spezialisiert, für die in der regionalen Wirtschaft ein Bedarf besteht. Am weitesten fortgeschritten ist der Aufbau im Bereich optische Beschichtungen. So verfügt Rhysearch beispielsweise über eine schweizweit einzigartige Laboranlage, an der sich die Widerstandsfähigkeit optischer Beschichtungen mittels Laser messen lässt. Ein zweiter Schwerpunkt ist die Präzisionsfertigung. Er soll nun, da die KTI-Anerkennung vorliegt, ebenfalls forciert werden.

Zu Beginn war Rhysearch vor allem eine Netzwerkplattform: Firmen, die Forschungspartner suchten, fanden hier Kontakte und wurden an die richtige Stelle vermittelt. «Inzwischen hat sich das Gewicht verlagert: Wir beschäftigen uns hauptsächlich mit Forschungsprojekten in Zusammenarbeit mit Firmen. Die Netzwerk-Tätigkeit nimmt weniger Raum ein als am Anfang», sagt Richard Quaderer, Geschäftsführer von Rhysearch. Dennoch bleibe auch dieses Angebot wichtig, beispielsweise würden Arbeitskreise mit Firmen durchgeführt.

Knapp 30 Mitarbeiter bis zum Jahr 2023

Jedoch: Das Forschungszentrum habe die «kritische Grösse» noch nicht, sagt Quaderer – und meint damit sowohl den Personalbestand als auch die Infrastruktur. Darum sei die KTI-Anerkennung ein wichtiger und notwendiger Schritt: Nur mit finanzieller Förderung durch den Bund könne Rhysearch das vereinbarte Ziel erreichen und sich als Hightech-Forschungsstätte etablieren. Bis 2023 soll das Team auf knapp 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anwachsen – und der Anteil von Kanton und Fürstentum am finanziellen Aufwand soll sinken: von heute 90 Prozent auf einen Drittel.

Dass es länger als geplant dauerte, die Anerkennung des Bundes zu erlangen, hat auch mit einer uralten Frage zu tun: Was war zuerst – das Huhn oder das Ei? «Im Grunde benötigen wir Bundesbeiträge, um unseren Forschungsauftrag überhaupt erfüllen zu können», sagt Quaderer. «Aber wenn man sich für die Anerkennung der KTI bewirbt, muss man bereits erste Forschungsresultate vorweisen können.» Die KTI verlange von Rhysearch Forschung auf einem Niveau, das mit den anderen Institutionen, die der Bund fördert, mithalten könne. «Das ist eine grosse Herausforderung», sagt Quaderer. Die KTI-Anerkennung sei eine Art Vorleistung. «Nun müssen wir beweisen, dass wir sie tatsächlich verdienen.»

Das bedeutet auch, dass Rhysearch in seine Laborausrüstung investieren muss. Bereits bei der Gründung des Zentrums teilten der Kanton St. Gallen und das Fürstentum Liechtenstein mit, dass dafür früher oder später ein Kredit nötig würde. Die Rede war von rund 16 Millionen Franken. Nun wird es etwas günstiger. Der Sonderkredit beträgt 11,1 Millionen Franken; St. Gallen zahlt 7,4 Millionen Franken, Liechtenstein 3,7 Millionen Franken. Die vorberatende Kommission des St. Galler Kantonsrats hat die Vorlage einstimmig befürwortet; im April kommt das Geschäft voraussichtlich ins Parlament.

Die regionale Wirtschaft ist eng in die Vorgänge bei Rhysearch eingebunden. Sie hat einen Unterstützungsverein ins Leben gerufen, der die Forschungsbedürfnisse der Firmen bündelt und weitergibt. Eugen Voit, Präsident des Vereins, sagt: «Die Anerkennung von Rhysearch durch die KTI ist hocherfreulich – doch sie ist als Vorschuss zu verstehen.» Jetzt müsse es vorwärtsgehen, vor allem im Bereich Präzisionsfertigung, den das Forschungszentrum neu aufbaue. Aufgrund der Startschwierigkeiten liege Rhysearch etwa drei Jahre hinter dem ursprünglichen Businessplan. «Dennoch hat sich das Projekt insgesamt sehr positiv entwickelt.» Voit hält es nach wie vor für realistisch, dass das Zentrum dereinst Aufträge aus der Industrie im Umfang von 2,5 Millionen Franken pro Jahr erhält – so wie das anfangs geplant war.