Vorbote einer Hochwassersaison?

Das Wasser im Bodensee stieg im Februar auf Rekordhöhe. Es bleibt sicher bis zum Frühling dem Höchststand nahe. Das zeigt Risiko für Hochwasser im Sommer an – statistisch. Die Niederschläge weichen aber oft vom Durchschnitt ab.

Fritz Bichsel
Drucken
Teilen
Zweimal Februar: Das Seeufer zwischen der Goldachmündung und Horn im grau-nassen Winter 2013 und im sonnig-trockenen Winter 2009. (Bild: Fritz Bichsel/Otmar Elsener)

Zweimal Februar: Das Seeufer zwischen der Goldachmündung und Horn im grau-nassen Winter 2013 und im sonnig-trockenen Winter 2009. (Bild: Fritz Bichsel/Otmar Elsener)

Auch Anfang des vergangenen Jahres stand das Wasser unüblich hoch. Bei zuerst geringen und dann übermässigen Niederschlägen stieg der Pegel bis im Juni um eineinhalb Meter an bis knapp unter die Hochwassermarke.

Bei gleicher Entwicklung gäbe es dieses Jahr ein kleines Hochwasser. Denn: Seit der jüngsten Schneeschmelze Anfang Februar steht das Wasser noch höher als im Vorjahr, um rund 30 Zentimeter. Am 7. Februar übertraf es mit 395,66 Metern über Meer sogar den bis dahin höchsten je gemessenen Stand zu dieser Jahreszeit um einige Zentimeter.

Weiterer Anstieg absehbar

Weil die Niederschläge seither bis in die Niederungen als Schnee liegen blieben, sank das Wasser wieder leicht unter das Maximum. Es steht aber noch immer 1,1 Meter über dem tiefsten Februarwert und fast 60 Zentimeter höher als im langjährigen Durchschnitt. Hinzu kommt die seit einer Woche an Land liegende Reserve, die beim nächsten Tauwetter in den See fliessen wird. Zudem liegt in höheren Lagen weiterer Nachschub: Obwohl diesen Winter mehrmals grössere Mengen bereits tauten – was den Seepegel anhob – liegt im Einzugsgebiet des Bodensees verbreitet noch doppelt soviel Schnee wie üblich. Deshalb wird das Seewasser mindestens bis in den Frühling hinein rekordverdächtig hoch bleiben, selbst wenn bis dahin wenige Niederschläge hinzukommen.

Noch Meter oder nur Zentimeter

Gemäss den Statistiken des Bundesamtes für Umwelt sinkt das Bodenseewasser im Durchschnitt Mitte Februar auf den tiefsten Stand im Jahreslauf. Danach steigt es bis im Juli um eineinhalb Meter. Wenn sich das Wetter an den Durchschnitt hält, erreicht das Seewasser dieses Jahr genau die Hochwassergrenze. Es kann aber deutlich weniger oder mehr hinzukommen.

1999 war das zweithöchste je registrierte Hochwasser nach einem Anstieg um zweieinhalb Meter bereits im Mai erreicht, obwohl das Wasser im Februar gut einen halben Meter tiefer war als heute. Bei einem so rasanten Anstieg über die gestern abend gemessenen 395,55 Meter käme es 2013 zu einem massiven Rekord-Hochwasser. Dass sich derart aussergewöhnliche Wetterlagen wiederholen, ist eher unwahrscheinlich. Denkbar ist auch das Gegenteil – wie 2003: Damals stand das Wasser im Februar fast so hoch wie jetzt, dann kamen aber nur noch 40 Zentimeter bis zum Jahreshöchststand hinzu. Damit blieb der Pegel 1,3 Meter unter der Hochwassermarke.

Laufend neue Rekorde

Der Wasserstand im Bodensee wird seit langer Zeit laufend gemessen, am Schweizer Ufer seit 132 Jahren. Die Rekorde sind aber nicht über die ganze Periode verteilt, sondern häufen sich seit einigen Jahrzehnten markant. Vor dem neuen Höchststand 2013 war der Rekord Anfang Februar 1970 gemessen worden. Die meisten Extremwerte traten erst im Verlauf der vergangenen 15 Jahre ein: tiefster Stand im Winter und im Sommer, geringster und schnellster Anstieg oder mit einer Ausnahme auch die grössten Hochwasser. Das spiegelt, dass sich das Wetter ändert. Seit mehreren Jahren treten extreme Nässe und Trockenheit auf. Daraus, wie auch aus den steigenden Temperaturen und den deutlich grösseren Schwankungen bei den Niederschlägen, sehen Umweltfachleute bestätigt, dass ein Klimawandel im Gang ist.

Schifffahrt kann starten

Wie es 2013 beim Wasserstand weitergeht, lässt sich nicht prognostizieren. Etwas ist aber vorhersehbar: Es wird am geplanten Termin für den Start der Bodenseeschifffahrt in die Saison genügend Wasser haben.