Vorbildliche Arbeit im Tobel

Internationaler Preis für Ostschweizer Forstleute: Das Mattenbachprojekt im Grenzgebiet der Kantone St.Gallen und Appenzell Ausserrhoden ist mit dem Alpinen Schutzwaldpreis Helvetia 2015 ausgezeichnet worden.

Marcel Elsener
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Forstleute und weitere Helfer (Zivilschutz, Arbeitsintegrationsprojekte) im Frühling 2014 an der Arbeit im Mattenbachtobel. (Bild: pd)

Forstleute und weitere Helfer (Zivilschutz, Arbeitsintegrationsprojekte) im Frühling 2014 an der Arbeit im Mattenbachtobel. (Bild: pd)

Schöner Erfolg für St.Galler und Ausserrhoder Forstbehörden: In Toblach in Südtirol hat ihr Projekt Mattenbach einen von jährlich drei Schutzwaldpreisen im alpinen Raum erhalten. Die internationale Fachjury zeigte sich laut Mitteilung «beeindruckt von der Vielzahl an involvierten Partnern und Waldeigentümern sowie von der zügigen Umsetzung des Schutzwaldprojektes».

Anlass für das Projekt war das Unwetter 2013: Intensive Niederschläge hatten im Mattenbachtobel auf dem Gebiet der Gemeinden Eggersriet, Grub AR, Heiden und Lutzenberg Rutschungen ausgelöst und grössere Mengen Holz in den Bach transportiert. Folglich galt es, das Tobel zu säubern, um künftige Hochwasser zu verhindern.

Unter Federführung der Forstdienste und Wasserbaufachstellen beider Kantone wurde ein interdisziplinäres Schutzwaldprojekt über fünf Gemeinden initiiert. Um die Sicherheit beim Durchlass der Appenzeller Bahnen und im unteren Siedlungsgebiet zu gewährleisten, schafften Forstfachleute, Zivilschützer und weitere Arbeitskräfte gut 2500 Kubikmeter Fall- und Schwemmholz aus dem schlecht zugänglichen Tobel weg, gut 2000 Kubikmeter davon mit dem Helikopter. Forstbetriebe aus der Region hatten zuvor die wurfgefährdeten Bäume gefällt und das Holz zum Transport vorbereitet.

Ersten Härtetest bestanden

Eine saubere Arbeit auf 4,5 Kilometern, wie sich mit den Unwettern im Juni 2015 zeigen sollte: Das Bachtobel bestand die Nagelprobe. «Es gab keine Verklausungen, das Gerinne schluckte die Wassermassen problemlos», wie sich die Veranwortlichen freuten. Der in Grub entspringende Mattenbach führt im unteren Thal auf das Gebiet der Gemeinde Thal und dort als Steinlibach durch dicht bebautes Terrain in den Alten Rhein. «Wir sind dankbar für alle Aktivitäten, die im oberen Teil der Bäche gemacht werden», sagte Hubert Müggler, Thaler Gemeinderat und Präsident der Bachkommission. «Die Wassermassen waren extrem, teilweise wurde fast die Dammkrone erreicht.» Doch seien die mitgeführten Holzteile «dank der Ausholzaktion eher kurz gewesen». Die Schäden hielten sich in engen Grenzen.

Erleichtert zeigte sich auch Raphael Lüchinger, Regionalförster und Leiter der Waldregion 1 St.Gallen: «Auch aus forstlicher Sicht hat sich das Projekt ausgezahlt. Die intensiven Regenfälle der letzten Wochen haben gezeigt, dass die Massnahmen die richtigen waren.»

Komplexe Arbeit in kurzer Zeit

Massnahmen, die nun preisgekrönt worden sind. «Der Preis kam überraschend, umso grösser ist die Freude», meint Raphael Lüchinger. Die Fachjury dürfte laut dem St.Galler Förster die unkomplizierte Zusammenarbeit über zwei Kantone, fünf Gemeinden sowie zwei Fachstellen hinweg überzeugt haben. «Und der Zeitfaktor: Für ein Projekt dieser Grössenordnung ist wenig Zeit verstrichen vom Ereignis – Hochwasser Juni 2013 – bis zum Abschluss der Arbeiten im Mai 2014, also nicht einmal ein Jahr.» Das Projektgebiet im Oberlauf umfasste eine Fläche von 42 Hektaren Schutzwald mit 46 Waldeigentümern und 131 Einzelparzellen. Für die 200 beteiligten Personen sei der Preis «eine Anerkennung für die geleistete Arbeit unter erschwerten Bedingungen im steilen Bachtobel, sagt Lüchinger. «Wir fanden für eine komplexe Herausforderung innert kurzer Zeit eine pragmatische Lösung.»

Die Arbeitsgemeinschaft der Forstvereine Bayern, Graubünden, Kärnten, Liechtenstein, St.Gallen, Südtirol, Tirol und Vorarlberg und die Helvetia Versicherungen vergaben den Schutzwaldpreis zum zehnten- mal. Mit dem Mattenbach wurde zum drittenmal ein St.Galler Projekt mit einem Preis geehrt.

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