Vorarlberg baut moslemischen Friedhof

Zwischen Hohenems und Götzis wird am ersten moslemischen Friedhof in Vorarlberg gearbeitet. In Blickrichtung Mekka entstehen 342 Grabstellen und ein Gebäude für rituelle Handlungen. Im Herbst soll der Friedhof eröffnet werden.

Gernot Grabher
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In Seitenlage nach rechts mit Blickrichtung Mekka – in etwa rheintalaufwärts: So sollen hier Moslems ihre letzte Ruhe finden. (Bild: Gernot Grabher)

In Seitenlage nach rechts mit Blickrichtung Mekka – in etwa rheintalaufwärts: So sollen hier Moslems ihre letzte Ruhe finden. (Bild: Gernot Grabher)

Die Standortsuche des Vorarlberger Gemeindeverbandes für einen moslemischen Friedhof hatte sich einige Jahre hingezogen. Letztlich erklärte sich Altach bereit, ein Grundstück in der Grösse von 8400 Quadratmetern zu verkaufen und als Sondergebiet umzunutzen. Die Planung nahm zwei Jahre in Anspruch. Als alle behördlichen Genehmigungen vorlagen, wurde 2010 mit der Überschüttung des Geländes begonnen. Aus dem schlechten Torfgrund am felsigen Ostabhang des Rheintals musste vor den ersten Baumassnahmen das Wasser ausgepresst werden, um eine bessere Bodenfestigkeit zu erreichen; seit Frühjahr laufen nun die Bauarbeiten.

30 600 Moslems in Vorarlberg

«Die Altacher Bevölkerung legte eine hohe Akzeptanz an den Tag», erklärt Bürgermeister Gottfried Brändle. Es habe in keiner Phase des Projekts Bedenken oder Gegenströmungen gegeben – «im Gegenteil, der Friedhof stiess auf breite Zustimmung». Dies mag auch darauf zurückzuführen sein, dass das Gräberfeld weitab vom Gemeindezentrum angelegt wird. Unweit übrigens vom jüdischen Friedhof am südlichen Rand des Hohenemser Siedlungsgebiets. Eine Ursache für das Ja der Bevölkerung sieht Bürgermeister Brändle auch darin, dass «Tod und Bestattung Themen sind, die Menschen über Konfessionen hinaus verbinden».

Zeit für einen eigenen Moslemfriedhof war es längst geworden. In Vorarlberg leben derzeit 30 600 Menschen, die der moslemischen Religion angehören. Sie wanderten als Gastarbeiter aus der Türkei, aber auch aus den Balkanländern ein. Zum Teil leben sie bereits in der dritten Generation in Vorarlberg und sind gut integriert. Immer mehr erhalten auch die österreichische Staatsbürgerschaft, die meisten wollen nicht zurück in ihre Herkunftsländer.

Bedarf an 1600 Grabstätten

Im Jahresschnitt sterben in Vorarlberg 60 bis 80 Moslems, die nur in Einzelfällen auf den Friedhöfen von Vorarlberger Gemeinden begraben werden wollen. Nur wenige lassen sich kremieren, weil der Islam dies untersagt. Der grosse Rest der Toten wird in ihre Heimatländer, meist die Türkei, geflogen. Bis zum Jahre 2020 wird in Vorarlberg mit einem Bedarf an 1600 moslemischen Grabstätten gerechnet.

Rund 80 Prozent der Moslems in Vorarlberg verstehen sich als Sunniten, etwa 20 Prozent sind Aleviten mit einem mehr an westlicher Lebensweise orientierten Religionsverständnis. Auf dem Friedhof in Altach sollen keine Unterschiede nach Variationen des Bekenntnisses gemacht werden. «Nur sind die Grabstellen in Vorarlberg lebenden Moslems vorbehalten. Tiroler, Liechtensteiner oder andere ausländische Moslems müssen sich weiter dort um Gräber kümmern oder wie bisher Überführungen in ihre Heimatländer in die Wege leiten», sagt Attila Dincer, der in Vorarlberg um die Integration und die Kontakte der moslemischen Gemeinschaften bemüht ist.

Teure Rückführungen

Die Vorarlberger Gemeinden, die für die erste Bauetappe 1,9 Millionen Euro bereitstellen, wollen auch in Altach nicht den Moslemfriedhof der Bodenseeregion anbieten. Einen Teil der Kosten werden die 31 in Vorarlberg bestehenden moslemischen Gemeinden über Spenden aufbringen. Überführungen, um die Toten in der Heimaterde bestatten zu können, sind für die Hinterbliebenen oft kaum zu bezahlen.

Für eine letzte Flugreise fallen zwischen 4000 und 5000 Euro an. «Aber die Leiche fliegt ja nicht allein», gibt Attila Dincer zu bedenken. «Vielfach reist nicht nur die Familie mit dem Leichnam, sondern es kommen auch Verwandte mit, es können da 30, 40 Leute zusammenkommen. Und dann entstehen für die Trauergemeinschaft Kosten jenseits von 10 000 Euro, zumal ja auch in der Türkei zeremonielle Feierlichkeiten mit Speis und Trank abzuhalten sind.»