Vor dem Cupfinal
«Fussball als die schönste Ersatzreligion»: So äussert sich die Kirche zum FCSG-Schriftzug beim Kloster – auch der Bischof outet sich als Fan

Der Cupfinal des FC St.Gallen gegen den FC Lugano in Bern rückt näher, die Ostschweiz ist unübersehbar im Fussballfieber. Am Freitagmorgen besprühen rund ein Dutzend Personen in FCSG-Trikots die Klosterplatzwiese mit Rasenfarbe. Der Kanton begründet, weshalb das Gesuch des Vereins bewilligt wurde – und auch die Kirche meldet sich zu Wort.

Oliver Kerrison, Stefan Marolf 1 Kommentar
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Vier Buchstaben, eine klare Ansage: Grünweiss will am Sonntag in Bern nach dem Pokal greifen. Es wäre dies nach 1969 der zweite Cupsieg in der Vereinsgeschichte.

Vier Buchstaben, eine klare Ansage: Grünweiss will am Sonntag in Bern nach dem Pokal greifen. Es wäre dies nach 1969 der zweite Cupsieg in der Vereinsgeschichte.

Bild: Michel Canonica

Ein «Hopp Sangallä» kann man sich am Freitagmorgen auf dem Klosterplatz in der St.Galler Innenstadt kaum verkneifen. So zumindest ergeht es einigen Passantinnen und Passanten, die an den unübersehbaren FCSG-Lettern vorbeikommen.

Wie Videos zeigen, besprühen rund ein Dutzend Personen in FCSG-Trikots am frühen Freitagmorgen die grüne Wiese mit weisser Rasenfarbe. Bei der Stadtpolizei St.Gallen seien diesbezüglich keine Meldungen aus der Bevölkerung eingegangen, so Sprecher Dionys Widmer. Vor Ort scheinen die Rasenmalenden niemanden zu stören, um 8 Uhr haben sie sich bereits wieder aus dem Staub gemacht. Unklar bleibt: Wer steckt hinter der Aktion? Wurde diese bewilligt?

Video: Leserreporter

Video: Leserreporter

Der Verein dürfte den Finaleinzug geahnt haben

Dass es sich um eine bewilligte Aktion handelt, teilt der Kanton St.Gallen auf Anfrage von Tagblatt Online mit. Die Staatskanzlei habe ein Gesuch gemäss der Verordnung über den Klosterplatz gutgeheissen. Dazu seien die Stellungnahmen bei den beteiligten Behörden eingeholt worden. Eine zentrale Vorgabe sei gewesen, dass die Farbe wieder abwaschbar sein müsse. Ausserdem dürfe der Aufbau der St.Galler Festspiele, der ab Montag anstehe, nicht gestört werden.

Hinter der Anfrage steht der FC St.Gallen, der dies bestätigt, sich zu Einzelheiten aber nicht äusserte. Die Espen veröffentlichten am Freitagnachmittag dafür ein Video zur Aktion:

Gemäss des Kantons habe sich die FC St.Gallen Event AG an den üblichen Prozess gehalten. Ahnte der Verein also bereits vor dem 2:0-Halbfinalsieg in Yverdon vor drei Wochen den Cupfinal-Einzug? Darauf deutet der Bewilligungsprozess hin, welcher gemäss der Verordnung über den Klosterplatz in der Regel sechs bis acht Wochen dauert.

Der Bischof outet sich als FCSG-Fan

Farbe bekennt am Freitagmorgen auch Bischof Markus Büchel, der sich über die Instagram-Präsenz des Bistums St.Gallen zur Aktion äussert. «Ob sich die Espen durch die Nähe zur Kathedrale und zur St.Laurenzenkirche einen zusätzlichen Segen ‹von Oben› erhoffen?», heisst es im Beitrag. Ein zusätzlicher Segen könne nicht schaden, zumal St.Gallen und Lugano in der Tabelle nahe beieinander liegen. War der Katholische Konfessionsteil des Kantons St.Gallen also von Beginn an von der Aktion überzeugt?

Intern habe diese keine Diskussionen ausgelöst, so der Kommunikationsverantwortliche Roger Fuchs auf Anfrage:

«Man spricht immer vom Fussball als die schönste Ersatzreligion. Jetzt holt sich der FC St.Gallen mit dem Schriftzug auf dem Klosterplatz vielleicht sogar den göttlichen Segen für den Cupfinal ab.»

Der FCSG und der Stiftsbezirk seien zwei traditionelle Institutionen, beide Kulturgut des Kantons St.Gallen, so Fuchs. Diese einmal zusammenzuführen, das passe irgendwie.

Bischof Büchel will über Instagram schliesslich geklärt wissen, für wen er als prominenter Fürsprecher fane: Es liege dies auf der Hand – oder stehe eben auf der Klosterwiese.

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