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Von Zapfenziehern und Schafen

Maria Keller

Predigtpreis Nacht. Traum. Ein Zapfenzieher mit rotem Griff und leuchtender Metallspirale schwatzt: «Nichts geht einfach so, einfach so grundlos verloren.» Mit diesen Worten beginnt die Predigt des katholischen Theologen Erich Häring aus Kesswil, für die er mit dem Predigtpreis 2017 ausgezeichnet wurde. In diesem Jahr schrieb der Schweizerische Evangelische Kirchenbund (SEK) den Preis erstmals für beide ­konfessionellen Richtungen aus. «Das rührt mich, und es zeigt, dass wir Katholiken eben doch auch etwas drauf haben», sagt Häring.

Zuletzt arbeitete Erich Häring als leitender Priester im Pastoralraum Region Altnau. Der 71-Jährige war hier auch im Seelsorgeteam tätig. Ende Juli wurde Häring im Gottesdienst in Güttingen offiziell verabschiedet. Würdig, nun auch noch mit dem Predigtpreis im Gepäck. Die ausgezeichnete Predigt widmete Häring dem Gleichnis des verlorenen Schafes. Als «knapp, witzig und tiefsinnig» wird sie in der Mitteilung des SEK beschrieben.

Der Zapfenzieher als Ankersymbol

Der Titel und auch die Botschaft der Rede lautet: «Nichts geht einfach so verloren». Kein Zapfenzieher und kein Schaf. Für Häring gibt es einige Kriterien, die eine gute Predigt ausmachen. Er ­achte stets darauf, ein Ankerbild zu vermitteln. Ein Symbol, das den Leuten im Gedächtnis bleibe. Wie der Zapfenzieher in seiner ausgezeichneten Kanzelrede. In der neunminütigen Predigt taucht dieses Symbol immer wieder auf und soll den Zuhörern das Gleichnis des verlorenen Schafes näher bringen. Denn alle biblischen Bilder müssen laut Häring für die Zuhörenden «übersetzt» und die Symbole auf das heutige Lebensgefühl übertragen werden. Und somit das Publikum eigens zum Denken anregen. Denn: «Eine Predigt ist kein Lehrvortrag und auch keine Lektion in Moral», sagt Häring.

173 Predigten wurden nach der Einsendung anonymisiert und von einer Jury aus Fachleuten bewertet. Etwa dreissig Predigten seien von katholischer Seite gekommen. «Dass der Preisträger katholisch ist, wurde erst im Nachhinein mit Freude festgestellt», heisst es seitens der Jury. «Diese konfessionelle Zusammenführung macht mich glücklich», sagt Häring. Dass seit ­neustem auch katholische Seelsorgende mit dem Predigtpreis ausgezeichnet werden können, stimmt den pensionierten Pfarrer zuversichtlich. Denn seiner Meinung nach können die Katholiken einiges von den Reformierten lernen, wenn es um deren Predigten geht.

Die katholische Kirche lebe noch zu stark von Dogmen, sagt Häring. «Ein Bibelzitat kann schnell einmal wie eine rote Kirsche auf eine abstrakte Predigt draufgesetzt werden, ohne dies aber zu erläutern.» Biblische Bilder sollten wie in einem Krimi in eine spannende Geschichte mit hineingezogen werden.

Mit seiner Predigt hat Häring dies offenbar erreicht. «Das ist ein schönes Zeichen dafür, dass es um die katholischen Predigten doch nicht so schlecht steht», sagt Häring.

Maria Keller

maria.keller@thurgauerzeitung.ch

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