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Von Wahlen bis zum Zirkusjubiläum: Was die St.Gallerinnen und St.Galler 2019 erwartet

Das Jahr 2019 bildet den Auftakt zu einem Wahl- und Abstimmungsmarathon - durch die Wahl von Karin Keller-Sutter wird ein Ständeratssitz des Kantons St.Gallen frei. Der Nationalzirkus Knie feiert einen runden Geburtstag. Er wurde nicht nur vor hundert Jahren gegründet, genauso alt ist er auch als St.Galler Institution. Die wichtigsten Ostschweizer Themen im nächsten Jahr.
Adrian Vögele, Regula Weik, Christoph Zweili, Roman Hertler, Marcel Elsener
Die Regierung hat dem Bauprojekt für das Spital Altstätten eine "Denkpause" verordnet. (Bild: Benjamin Manser)

Die Regierung hat dem Bauprojekt für das Spital Altstätten eine "Denkpause" verordnet. (Bild: Benjamin Manser)

Todkranke Spitäler

Noch wenige Tage und dann wird es richtig frostig: Spitalverwaltungsrat und Regierung tun gut daran, sich warm anzuziehen, wenn sie Ende Januar ins Rheintal reisen, um sich mit der Bevölkerung über die Zukunft der Spitäler im Kanton auszutauschen. Die dortigen Spitalspezialisten, auch die selbst ernannten, sind in Aufruhr. Sie werden die Gäste aus St.Gallen in die Mangel nehmen. Denn: In Altstätten wird heute und morgen nicht gebaut. Der Spitalverwaltungsrat hat dem dortigen Bauprojekt eine «Denkpause» verordnet. Der «Baustopp» für das Spital Altstätten hat denselben Hintergrund wie jener für Wattwil: Es sollen keine Investitionen getätigt werden, die nicht in die künftige Spitalstrategie passen. Wie diese konkret aussehen wird, ist noch offen. Erste Zwischenergebnisse sollen im Frühling vorliegen. Der Spitalverwaltungsrat hat im Sommer Klartext gesprochen: Fünf Landspitälern droht die Schliessung.

Den Bergbahnen im Obertoggenburg droht die Bruchlandung. (Bild: Benjamin Manser).

Den Bergbahnen im Obertoggenburg droht die Bruchlandung. (Bild: Benjamin Manser).

Bergbahnen am Abgrund

Die einen streiten noch immer, die andern haben sich aufgerappelt. Dabei könnten die einen von den andern lernen – so sie es denn wollten. Die Ohrfeige hatte gesessen. Damals im März 2016, als das Parlament das Klanghaus in letzter Minute sang- und klanglos versenkte. Das Tal suhlte sich nicht lange in Selbstmitleid. Es rappelte sich auf und raufte sich zusammen, um dem restlichen Kanton zu beweisen: Das Toggenburg will das Klanghaus. Und es klappte: Das Parlament steht heute hinter dem Projekt. In wenigen Monaten äussert sich das Volk dazu. Aus der harschen Kritik bislang kaum etwas gelernt haben die zerstrittenen Bergbahnen. Zwei private Unternehmen, der Politik sind die Hände gebunden – und selbst wenn dem nicht so wäre: Es ist fraglich, ob ein gehöriges Durchschütteln die Protagonisten hüben wie drüben wachrütteln würde. Lieber stürzen sie sich sehenden Auges ins Elend, als miteinander zu reden. Eine harte Bruchlandung ist unausweichlich – und tut womöglich not.

Am 10. Februar stimmen die St.Galler über die Informatikoffensive ab. (Bild: EPA/Focke Strangmann)

Am 10. Februar stimmen die St.Galler über die Informatikoffensive ab. (Bild: EPA/Focke Strangmann)

Vorwärts mit Informatik

Der Kanton St. Gallen hat eine halbe Million Einwohner, aber nur eine Viertelmillion Arbeitsplätze. Um mehr Firmen anzulocken und den Fachkräftemangel zu lindern, setzt die Regierung auch bei der Bildung an: Lange war die Rede von der grossen Informatik-Bildungsoffensive, nun kommt für das 75-Millionen-Projekt die Stunde der Wahrheit. Am 10. Februar stimmen die St. Gallerinnen und St. Galler darüber ab. Alles andere als ein deutliches Ja wäre überraschend – im Parlament war das Vorhaben zuletzt unumstritten. Dies auch deshalb, weil das Bildungsdepartement nach breiter Kritik die Massnahmen zu Gunsten der Lehrlinge deutlich erweitert hat. Die Informatik-Offensive umfasst nun sämtliche Bildungsstufen bis hin zur Universität. Die 75 Millionen werden über acht Jahre hinweg investiert. An der HSG beispielsweise ist eine «School of Information and Computing Science» geplant. Die ersten Informatiklehrgänge sollen dort im Herbst 2020 starten.

2019 feiert der Zirkus Knie seinen 100. Geburtstag. (Bild: KEY/Christian Beutler)

2019 feiert der Zirkus Knie seinen 100. Geburtstag. (Bild: KEY/Christian Beutler)

Clowns und Fürst im Jubel

Gute Laune ist im Zirkuszelt der Normalzustand. Besondere Hochstimmung herrscht nächstes Jahr aber beim Circus Knie: Der Nationalzirkus feiert einen runden Geburtstag. Er wurde nicht nur vor hundert Jahren gegründet, genauso alt ist er auch als St. Galler Institution. Seit 1919 haben die Knies in Rapperswil ihr Winterquartier. Der Zirkus geht nun mit dem Komikerduo Giacobbo/Müller auf Tournee und plant diverse Anlässe. Vielleicht klappt es im Feiertaumel ja auch endlich mit dem Nachwuchs bei den Elefanten. Bislang war der Elefantenbulle nämlich zu schüchtern. Apropos hohe Tiere: Auch das Liechtensteiner Fürstenhaus lässt nächstes Jahr die Korken knallen – zum 300-Jahr-Staatsjubiläum. Das Fussvolk darf selbstverständlich auch mitmachen. Los geht es am 23. Januar mit einer Jubiläumswanderung. Ob auch die eingeladenen Staatsoberhäupter aus dem Ausland auftauchen, ist noch unklar.

Ab Februar 2019 ist Mandana Roozpeikar die Managerin des Stiftsbezirks. (Bild: Ralph Ribi)

Ab Februar 2019 ist Mandana Roozpeikar die Managerin des Stiftsbezirks. (Bild: Ralph Ribi)

Neuer Wind im Stiftsbezirk

Im 1300 Jahre alten St. Galler Stiftsbezirk weht bald ein anderer Wind. Im Februar erhält das Weltkulturerbe mit Mandana Roozpeikar eine Managerin – sie soll den Tourismusbetrieb neu beleben. Die Chancen stehen gut: Roozpeikar hat mehrmals bewiesen, dass sie auch vor leicht verrückten Einfällen nicht zurückschreckt. So hat sie für ein Abenteuerspiel im Weltmuseum Wien den ehemaligen Museumsdirektor als Leiche inszeniert. Frisch-morbiden Charme könnte das Klosterviertel auch dank der Gallus- und Otmar-Reliquien bekommen, die momentan in Prag liegen. Im Stiftsbezirk geistert die Idee herum, die Schädelteile nach St. Gallen zu holen. Auf jeden Fall erscheinen wird Bundesrat Alain Berset: Der Kulturminister kommt Mitte April zur Eröffnung des neuen Ausstellungssaals im Zeughausflügel. In der neuen Dauerausstellung wird dem Volk gar der sagenumwobene St. Galler Klosterplan präsentiert – im Original.

In der Ostschweiz stösst die Windenergie auf Widerstand (Bild: PD)

In der Ostschweiz stösst die Windenergie auf Widerstand (Bild: PD)

Klimawandel spürbar

Ein Klima wie am Mittelmeer, Wassermangel, Vegetationsstress, zu warme Flüsse, ein Obstjahr, das in die Geschichte eingeht: Der Klimawandel ist nach dem Hitzesommer spürbarer als je zuvor. Die Schweiz will zwar den Ausstoss von Treibhausgasen weiter reduzieren, aber nicht zwingend mit Massnahmen im Inland. Auch der Kanton St. Gallen sieht sich in der Pflicht – trotz des technischen Fortschritts sind die Gebäude im Kanton noch immer für rund 40 Prozent des Kohlendioxid-Ausstosses verantwortlich. Das neue Energiegesetz, das 2019 dem Kantonsrat vorgelegt wird, will daher den CO₂-Ausstoss reduzieren. Dafür gibt es Sanierungspflichten vor: Wer neu eine Öl- oder Gasheizung einbaut, muss zehn Prozent erneuerbare Energie verwenden. Bereits absehbar – mit Fotovoltaik und der Wasserkraft ist der Atomausstieg nicht zu stemmen. Eine Alternative wären Windstromanlagen: Die gibt es allerdings in der Ostschweiz noch nicht; wo es Pläne gibt, regt sich Widerstand.

Das Ostportal des Rosenbergtunnels. (Bild: Urs Bucher)

Das Ostportal des Rosenbergtunnels. (Bild: Urs Bucher)

Neuland für die Olma

Die engste Zahnradkurve der Welt ist verschwunden: Ein neuer Tunnel verbindet Appenzell Ausserrhoden besser mit dem nationalen Bahnnetz und mit sich selbst – mitten durch das Stadtzentrum St. Gallen. Seit dem Fahrplanwechsel ist die Durchmesserlinie ohne Umsteigen in Betrieb. Im März 2019 wird der Takt während der Hauptverkehrszeiten auf 15 Minuten verdichtet. Einen Schritt weiter ist das Projekt Olma-Neuland, nachdem es keine Einsprachen gegen die Überdeckung der Stadtautobahn A1 beim Ostportal des Rosenbergtunnels gab. Die Kosten des «Olma-Deckels» und der grössten stützenfreie Event-und Messehalle der Schweiz belaufen sich auf 163 Millionen Franken. Umstritten ist der A1-Anschluss Witen auf Goldacher Boden, der sogenannte «Autobahnanschluss Plus». Bis Herbst 2019 will der Kanton das Vorprojekt für die neue Kantonsstrasse zum See erarbeiten. 2019 werden die Kostenbeteiligungen für Goldach, Rorschach und Rorschacherberg bekannt.

Die HSG plant einen Campus am Platztor. (Bild: Urs Bucher)

Die HSG plant einen Campus am Platztor. (Bild: Urs Bucher)

Volksverdikt zur HSG

Der Platzmangel an der Kaderschmiede des Landes, der Universität St.Gallen, ist ausgewiesen. Die HSG will einen neuen Campus am Platztor einrichten. Zusammen mit der geplanten Kantonsbibliothek am Union soll eine neue Achse der höheren Bildung quer durch die Stadt entstehen. Der Kantonsrat hat den 160-Millionen-Kredit für den HSG-Ausbau diskussionslos durchgewunken, im Juni wird das Stimmvolk aller Wahrscheinlichkeit nach nachziehen. Infrastrukturvorhaben, ganz besonders wenn es um den «Leuchtturm HSG» geht, haben es in der Regel leicht an der Urne. Daran ändern auch die Skandale nichts, welche die HSG im vergangenen Jahr in die Schlagzeilen brachten: Fall Rüegg-Stürm, Spesenskandal Sester, fragwürdige Nebentätigkeiten des Rektors. Während einige Uni-Exponenten noch Wunden lecken und die Medien für den Imageschaden verantwortlich machen, haben andere begonnen, die Reglemente anzupassen. Was wohl der Wählergunst zuträglicher ist?

Rhesi-Visualisierung Kriessern Mäder. (Bild: PD)

Rhesi-Visualisierung Kriessern Mäder. (Bild: PD)

Reife Pläne für Aufweitungen

Nach sieben Jahren der Planung liegt für das Hochwasserschutz-Projekt Rhesi seit Herbst 2018 die definitive Bauvariante vor. Nun handeln die Schweiz und Österreich einen Staatsvertrag aus und bereiten bis 2021 die öffentliche Auflage vor. Das rund eine Milliarde Franken teure Flussbauprojekt auf den unteren 26 Rhein-Kilometern vor dem Bodensee hat noch einige Hürden zu überwinden. Unzufrieden sind nicht nur die Umweltverbände, sondern auch Landwirtschaftsvertreter. Wo die einen zu wenige Aufweitungen beklagen, ist den andern die eine schon zu viel: Vorarlberger Rhesi-Gegner haben im Dezember eine Bürgerinitiative gegen die Aufweitung in Koblach gegründet. Derweil plant das Rheinunternehmen im oberen Rheintal, den Fluss auf drei Kilometern von heute 85 auf 174 Meter zu verbreitern. Die Variante für Aufweitungen in Maienfeld und Bad Ragaz soll im Herbst 2019 vorliegen.

Wahlfeier für Bundesrätin Karin Keller-Sutter in Wil. (Bild: Urs Bucher)

Wahlfeier für Bundesrätin Karin Keller-Sutter in Wil. (Bild: Urs Bucher)

Wählen am Laufmeter

Die Wahl von Karin Keller-Sutter in den Bundesrat bringt Bewegung in die St. Galler Politik: Für den freigewordenen Ständeratssitz der FDP liegen bereits Bewerbungen der CVP, der FDP und der Grünen vor, die SVP nominiert im Januar. Die Ersatzwahl am 10. März wird spannend und bedingt allenfalls einen zweiten Wahlgang am 19. Mai. CVP-Regierungsrat Benedikt Würth geht als Favorit ins Rennen; dass der Mai-Termin bereits für die Ersatzwahl in die Regierung anvisiert werden könnte, ist allerdings ein gar optimistisches Bonmot aus CVP-Kreisen. Die nächsten regulären Wahlen sind die National- und Ständeratswahlen am 20. Oktober, ein erneuter bürgerlicher Angriff auf den SP-Stän­deratssitz von Paul Rechsteiner nicht ausgeschlossen. Ein allfälliger zweiter Wahlgang findet am 17. November statt. Der Wahlmarathon geht im Jahr 2020 mit den Kantonsrats- und Regierungswahlen weiter. Und wer heute für den Ständerat kandidiert, liebäugelt womöglich mit einem Regierungssitz.

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