Von Südafrika ins Sittertobel

ST. GALLEN. Um am OpenAir St. Gallen dabei sein zu können, legt Phil Craig aus Südafrika eine Distanz von über 12 000 Kilometern zurück. Ins Sittertobel zieht den 28-Jährigen aber nicht nur seine Lieblingsband, sondern auch sein St. Galler Schwarm.

Christoph Fust
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Zehntausende Musikfans strömen jedes Jahr ins Sittertobel ans OpenAir St. Gallen. Für viele ist der Besuch des Traditionsfestivals zur Gewohnheit geworden. Anders für Phil Craig: Der in Südafrika wohnhafte Simbabwer setzt mit seinem Besuch in St. Gallen sprichwörtlich alles auf eine Karte. In der Ostschweiz wartet auf den 28-Jährigen nicht nur seine Lieblingsband, sondern auch die St. Gallerin Fabienne Ziegler, in die er sich verliebt hat.

Um mit ihr ans OpenAir St. Gallen gehen zu können, nahm der Fotograf monatelange Verzögerungen beim Ausstellen seiner Ausreisepapiere hin und legte für die Bewilligungen Tausende Kilometer zurück. «Ein Visum für die Schweiz zu erhalten ist hier sehr schwierig», sagt er. Vergangenen Montag hatte er das entscheidende Interview in Kapstadt. «Am 8. Juni weiss ich definitiv, ob ich in die Schweiz reisen kann», sagt er und ist guter Dinge. «Ich kann es kaum erwarten, wieder bei ihr zu sein.»

Mehr als sich selbst gefunden

Als sich Phil Craig und Fabienne Ziegler vergangenen Sommer in Südafrika kennenlernten, deutete noch nichts auf die grosse Liebe hin. «Ich habe mir den Wunsch eines längeren Auslandaufenthaltes erfüllt und arbeitete als Volontärin in einem Kindergarten in den Townships von Jeffreys Bay», sagt die 26jährige Immobilienbewirtschafterin. Doch aus dem Selbstfindungstrip wurde mehr. «Kaum war ich wieder in der Schweiz, habe ich ihn vermisst», sagt die St. Gallerin. Craig ging es ebenso.

Über Facebook und WhatsApp hielten sie den Kontakt aufrecht. «Wir hören jeden Tag voneinander», sagt sie. An Weihnachten machte die St. Gallerin einen Überraschungs-

besuch in Jeffreys Bay. Sie vereinbarten, dass er sie bald in der Schweiz besuchen würde. Doch die südafrikanische Bürokratie verzögerte das Wiedersehen immer wieder. Dass er trotz der Steine, die ihm in den Weg gelegt wurden, nicht locker liess, beeindruckte sie. «Er steht komplett hinter dem, was er will.» Und er will sie. Läuft alles rund, werden sich die beiden nun am 21. Juni wiedersehen.

Wichtige Beziehung zur Musik

Das OpenAir St. Gallen markiert den Auftakt. «Ich habe Phil ein Ticket gekauft, weil <Rise Against> am Freitagabend spielen», sagt Ziegler, die seit Jahren ans OpenAir St. Gallen geht. Die amerikanische Musikgruppe hat für den aus Simbabwe ausgewanderten Fotografen einen hohen emotionalen Wert. Phil Craig und seine Familie waren direkt betroffen von den Enteignungen von weissen Farmern durch die simbabwische Regierung. Die Musik habe ihm durch diese schwierige Zeit geholfen, sagt er.

Die Zeit nach dem OpenAir

Nach dem Festival bleiben den beiden noch rund drei Monate gemeinsame Zeit. Wie es danach weitergeht, ist offen. Fabienne Ziegler ist guten Mutes: «Ich kann mich einfach nicht gegen die Gefühle wehren. Ich würde es mein Leben lang bereuen, wenn wir es nicht versuchten.» Und er: «Es kann vieles schiefgehen. Aber das Leben ist zu kurz, warum also nicht?»