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Dank der Kostenzusage aus Bayern wird die Bodensee-S-Bahn konkret: Thurbo verhandelt bereits mit den ÖBB

Die Bodensee-S-Bahn, wie sie auf Schweizer Seite gefordert wird, ist nicht länger eine Utopie. Laut deutschen Medien ist der Freistaat Bayern bereit, die Kosten der Verlängerung der S-Bahn-Linie Weinfelden-Romanshorn-Rorschach über Bregenz bis nach Lindau zu übernehmen. Thurbo zeigt Ambitionen, die Strecke mit den ÖBB zu fahren.
Christoph Zweili
Schon im Jahr 2021 sollen Direktzüge von Weinfelden-Romanshorn-Rorschach nach Lindau fahren - im Bild die S7 in Weinfelden. (Bild: Noah Salvetti)

Schon im Jahr 2021 sollen Direktzüge von Weinfelden-Romanshorn-Rorschach nach Lindau fahren - im Bild die S7 in Weinfelden. (Bild: Noah Salvetti)

Seit Jahren führen die Bodensee-Anrainer Gespräche über eine Bodensee-S-Bahn. Nun wittert die in Kreuzlingen beheimatete «Initiative Bodensee-S-Bahn» Morgenluft. Ihr in der Schweiz entstandenes Anliegen wird im Nachbarland Deutschland aufgenommen: Eine S-Bahn von Romanshorn bis nach Lindau, Fahrzeit 44 Minuten. Der Freistaat Bayern hat signalisiert, die Kosten der nötigen Verlängerung der S7 Weinfelden Romanshorn über Bregenz bis zum Hauptbahnhof von Lindau zu übernehmen.

Laut der Schwäbischen Zeitung wollte Bayerns Verkehrsminister Hans Reichhart bei seinem Besuch in Lindau den genauen Betrag zwar nicht nennen, er sprach aber von einer sechsstelligen Summe, die jedes Jahr fällig werde. Immerhin handle es sich um jährlich 50 000 Zugkilometer allein auf bayerischem Boden. «Wir könnten 2021 mit der Linie anfangen», sagte Reichhart. Nun fehle noch die Zustimmung der Vorarlberger, die aber in die Gespräche eingebunden würden. Die Schweiz hat bereits signalisiert, dass sie die Hälfte der Kosten tragen würde.

Die S-Bahn am östlichen Bodenseeufer über zwei Landesgrenzen hinaus ist ein Anfang, interessant nicht nur für Pendler, sondern auch für Touristen, die den Bodenseeraum erkunden wollen, «zum Beispiel mit dem Bodensee-Ticket, das die geplante Linie voll und grenzüberschreitend einbeziehen würde», wie die Initiative schreibt.

Der Traum vom Halbstundentakt

Ab Dezember 2020 wird es zwischen Zürich und München einen Zweistundentakt mit sechs Kurspaaren geben, ab St.Gallen von 8.32 bis 20.32 Uhr. Die S7 soll daher im Wechsel mit dem Eurocity (Zürich-)St.Gallen-Lindau-München fahren. Die Initiative Bodensee-S-Bahn träumt allerdings bereits vom Halbstundentakt. Dafür wäre ein Ausbau der Bahnstrecken zwischen Lindau und Romanshorn auf zwei Spuren nötig. Heute ist der grösste Teil der Linie einspurig angelegt. Mit der Verlängerung der geplanten S-Bahn von Lindau über Bregenz und Romanshorn bis Konstanz wäre auch ein Zusammenhängen mit dem «Seehas» zwischen Konstanz und Engen denkbar.

Die Initiative weist darauf hin, dass am nördliche Bodenseeufer derart «weitblickende Konzepte» wie die Verlängerung der S7 nicht möglich sind. Hier seien die Voraussetzungen noch nicht gegeben, weil die Grundvoraussetzungen für einen leistungsstarken Bahnbetrieb - Elektrifizierung und Doppelspur - nicht bestünden. Tatsächlich steht heute nur ein Viertel der Bahnstrecken in Süddeutschland unter Strom.

Jubiläumszug der Thurbo gescheitert

Eine umsteigefreie Bahnstrecke rund um den See bleibt bis heute ein Wunschtraum. Der Jubiläumszug der Thurbo, der im Mai aus Anlass der 150-Jahr-Feier der Seelinie von Romanshorn und Rorschach über das vorarlbergische Bregenz ins bayrische Lindau rollen sollte, scheiterte an fehlenden Sicherheitsbescheinigungen.

Heute gibt es wenig grenzüberschreitende Verbindungen, die Fahrpläne sind nicht aufeinander abgestimmt, nicht zu reden von den unbefriedigenden grenzüberschreitenden Tarifen, hiess es an einer Fachtagung im Mai.

Werner Fritschi, Thurbo.

Werner Fritschi, Thurbo.

Wer fährt Lindau-Romanshorn?

Während der Fernverkehr auf der Linie Lindau-Memmingen-München ein Produkt der Schweizerischen (SBB) und Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) sowie der Deutschen Bahn (DB) ist, wird das britische Bahnunternehmen Go-Ahead ab Ende 2021 den Nahverkehr auf der Linie Lindau-Memmingen-München betreiben. Die Bayrische Eisenbahngesellschaft hat dem britischen Tochterunternehmen dafür den Zuschlag gegeben, wie es in deutschen Medien heisst. Der Vertrag läuft über 12 Jahre und endet Ende 2033. Zunächst sollte das Unternehmen den Betrieb bereits ab Dezember 2020 übernehmen, allerdings war es zu Verzögerungen bei der Vergabe gekommen.

Das Verkehrsunternehmen Go-Ahead hatte den Thurgauer Zughersteller im September 2018 mit der Lieferung von insgesamt 22 elektrischen Triebzügen des Typs Flirt beauftragt, die auf diesem sogenannten «E-Netz Allgäu» nach München zum Einsatz kommen sollen.

Stellt sich die Frage, ob 2021 ein Thurbo-GTW nach Lindau oder ein Go-Ahead-Flirt nach Romanshorn fahren wird. Thurbo hat Interesse, wie Werner Fritschi, Geschäftsleitung Thurbo, sagt. «Wir werden das Geschäft nicht Go-Ahead überlassen.» Das Thurgauer Bahnunternehmen stehe bereits «in intensiven Kooperationsgesprächen mit ÖBB Vorarlberg». Künftig würden beide Unternehmen grenzüberschreitend verkehren. Man wolle nun allgemein die Fahrbarkeit prüfen, dann die in der Schweiz und in Bayern bereits gesicherte Finanzierung regeln und im Oktober dann genau definieren, wie die künftige Kooperation aussehen soll.

Der früheste Zeitpunkt für das neue Produkt sei der Dezember 2021: «Zuvor muss auf österreichischer Seite noch die Strecke Lustenau-Bregenz ertüchtigt werden. Es fehlt eine Doppelspurinsel», sagt Fritschi.

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