Von Rechten und Werten

Wer definiert Werte? Die Gesellschaft, das Individuum, die Elite, die Religion, die Politik? Immer dann, wenn es an irgendeiner Ecke brenne, wenn ein neues Problem auftauche, erwarte das Volk, dass die Politik Spielregeln definiert – «am liebsten solche, die justiziabel sind», sagt die St.

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Wer definiert Werte? Die Gesellschaft, das Individuum, die Elite, die Religion, die Politik? Immer dann, wenn es an irgendeiner Ecke brenne, wenn ein neues Problem auftauche, erwarte das Volk, dass die Politik Spielregeln definiert – «am liebsten solche, die justiziabel sind», sagt die St. Galler Regierungsrätin Kathrin Hilber, «das gibt dann auch Arbeit für die Juristen.» Lacher im Pfalzkeller.

Auf den Sitzen haben Gäste der Rechtsanwälte Schoch, Auer & Partner Platz genommen; die Anwaltsfirma wird 40.

«Gesetze sind immer die schlechteste Lösung», entgegnet Raymond J. Bär, Verwaltungsratspräsident der Julius Bär Gruppe AG. Auch Carl-Heinz Heuer, Rechtsanwalt aus Frankfurt, widerspricht: «Gesetze schaffen keine Werte, sie schaffen den Handlungsrahmen.» Auch die Krise schaffe keine Werte – «sie schafft die Sehnsucht nach Werten.»

Werte und Wertewandel

Die Anwaltsfirma «schochauer» nahm den Abend zum Anlass, gemeinsam mit Referent Ludwig Hasler, Journalist und Hochschuldozent, sowie den Podiumsteilnehmerinnen und -teilnehmern über Krise, Werte und Werte in der Krise nachzudenken. «Werte sind immer einem Wandel unterworfen», sagt Kathrin Hilber. Entscheidend sei daher die Selbstreflexion: «Für welche Werte stehe ich ein?» Welche sind ihr wichtig? «Ehrlichkeit und Offenheit.» «Humanität, Barmherzigkeit gab und gibt es immer», sagt Heuer. Persönlich fügt er an: «Solidarität.»

Aushalten statt Aktionismus

Bär ortet die Krise weniger bei den Werten als vielmehr bei der Ich-Gesellschaft und der Kurzfristigkeit – «ohne Bedacht der langfristigen Konsequenzen». Und er bedauert: «Wir sind eine risikoscheue Gesellschaft geworden.»

Beat Kappeler, Sozialwissenschafter und Publizist, fügt an: «Wir haben den Mut verloren, etwas durchzustehen – wir sind leidensunfähig, können nichts mehr aussitzen.

» Dasselbe gelte für neue Probleme; er nennt das Littering: «Da muss der Staat her, das ganze regeln, neue Gesetze schaffen – nur ja nicht selber die Hände schmutzig machen.» Was Kappeler vermisst: «Das Hinstehen und Durchstehen.»

Otto Schoch und Eugen Auer dürften in ihrer langen Tätigkeit als Rechtsanwälte öfter hin- und ein Problem durchgestanden haben.

Ihr Partner Urban Slongo definierte an diesem Abend von sich aus ein neues Recht – «ein lebenslanges, unübertragbares, unvererbbares». Die Bürogründer Schoch und Auer sind auf Lebzeiten zu den Partnerreisen eingeladen.

Regula Weik