Von Ost nach West

Es sind die letzten grossen Momente in der Geschichte des Espenmoos, die an diesem Abend einige Jahre später und wenige Kilometer weiter im Westen zur Eröffnung der AFG Arena nachgezeichnet werden. Der unvergessene Höhenflug mit den Chilenen in den späten 1980er- und frühen 1990er-Jahren.

Patricia Loher
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Am Ball noch immer stark: Iván Zamorano gegen Jii Koubsky. (Bild: Michel Canonica)

Am Ball noch immer stark: Iván Zamorano gegen Jii Koubsky. (Bild: Michel Canonica)

Es sind die letzten grossen Momente in der Geschichte des Espenmoos, die an diesem Abend einige Jahre später und wenige Kilometer weiter im Westen zur Eröffnung der AFG Arena nachgezeichnet werden. Der unvergessene Höhenflug mit den Chilenen in den späten 1980er- und frühen 1990er-Jahren. Und 2000 der erste Meistertitel des FC St. Gallen nach 96 Jahren.

Im All-Stars-Team ist ein beträchtliches Stück schönster St. Galler Fussballgeschichte vereint. Meisterspieler wie Marco Zwyssig, Thomas Alder, Giorgio Contini, Patrick Winkler oder Pascal Thüler mit den Chilenen Iván Zamorano und Patricio Mardones, ihren früheren Teamkollegen Ertan Irizik, Beat Rietmann oder Thomas Hengartner.

Passend, aber überraschend ist auch der jüngste St. Galler zugegen, der Karriere macht: Tranquillo Barnetta, Nationalspieler und Teamstütze von Leverkusen in der Bundesliga. Er nimmt den Ankick vor, wenn der FC St. Gallen gegen die All-Stars in seiner neuen Heimat das erste Spiel austrägt. Diesen Moment, sagt der aus den Ferien in New York angereiste Barnetta, wolle er sich nicht entgehen lassen.

Vergangenheit gegen Zukunft

Die All-Stars laufen in nostalgischen Anzügen und mit Zylinder ein. Im Mittelkreis ist der überdimensional grosse Fussball von Kindern umgeben. Zamorano scherzt, alle wollen sie ihm die Hand schütteln, obwohl die meisten von ihnen noch nicht auf der Welt waren, als in St. Gallen seine grosse Karriere begann. Es zeigt sich wie bereits vor vier Jahren am Jubiläumsspiel zum 125jährigen Bestehen des Vereins: Zamorano ist bei St. Gallens Anhängern aller Altersklassen noch immer hoch im Kurs, ein Phänomen, eine Legende.

Im Eröffnungsspiel trifft die Vergangenheit auf die Zukunft, und als Zamorano hinterher ins Mikrophon von Moderator Matthias Hüppi sagt, er werde St. Gallen immer in seinem Herzen tragen, sind die Zuschauer gerührt. Der Südamerikaner war 21jährig, als er 1988 in die Ostschweiz kam. Zusammen mit seinen Landsleuten Patricio Mardones und Hugo Rubio, der wegen gesundheitlicher Probleme auf die Reise nach St. Gallen verzichten musste, lancierte der kopfballstarke Stürmer eine der spektakulärsten Zeiten im Espenmoos.

Mardones' erste Rückkehr

«Im ersten Moment war ich traurig, weil ich nicht im Espenmoos spielen durfte und weil es dieses Stadion, wo ich so viele schöne Momente erleben durfte, nicht mehr gibt. Aber als ich dann die neue Arena sah, dachte ich: Wunderbar, dass ich auch hier noch einmal spielen darf», sagt Zamorano. Seit Mardones' Abschied sind 16 Jahre vergangen, für das Eröffnungsspiel kehrt der frühere Mittelfeldspieler erstmals wieder nach St. Gallen zurück. Es heisst, Mardones habe sich berührt gezeigt, als er vor dem Spiel verschiedene Orte aus seiner Vergangenheit besuchte.

Ein Tor für Zamorano

Die Partie dauert zweimal 30 Minuten. Mardones steht eine Halbzeit auf dem Platz, Zamorano darf das ganze Spiel bestreiten. Er muss lange auf seine erste Chance warten, obwohl die All-Stars aufzeigen, dass sie das Fussballspielen nicht verlernt haben, nur weil sie älter geworden sind. Oft gibt der 41jährige Chilene seinen Teamkollegen Zeichen, wie er gerne angespielt werden möchte. Die 14 300 Zuschauer verfolgen das Spiel lange fast andächtig mit. Am Ende gesteht der Gegner Zamorano doch noch ein umjubeltes Tor zum 1:5 zu. Und so kommt erst gegen Ende Stimmung auf - fast so, als ob das Publikum die Zukunft im Westen willkommen heisst.