Von Langeweile keine Spur: Die Polizei in der Ostschweiz hat auch in der Coronakrise genug zu tun

Die Ostschweizer Polizeikorps haben weiterhin alle Hände voll zu tun. Nur die Art der Einsätze hat sich verändert. Es sind jetzt zum Beispiel mehr Patrouillen unterwegs.

Ines Biedenkapp
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Aufgrund der Coronapandemie ist zwar weniger Verkehr unterwegs, dennoch führen die Polizeikorps Kontrollen durch.

Aufgrund der Coronapandemie ist zwar weniger Verkehr unterwegs, dennoch führen die Polizeikorps Kontrollen durch.

Bild: Severin Bigler / AGR

Weniger Verkehr, weniger Unfälle und weniger Einbrüche – alles aufgrund der derzeitig anhaltenden Coronapandemie. Haben die Polizeikorps bald nichts mehr zu tun? «Nein», sagt Matthias Graf, Mediensprecher der Kantonspolizei Thurgau, amüsiert.

«Am Grundauftrag der Kantonspolizei hat sich auch im Coronazeitalter nichts geändert.»

So sei es nach wie vor ihre Aufgabe, die öffentliche Ordnung und Sicherheit aufrecht zu erhalten, erklärt er.

Seit dem 20. März gingen mehrere hundert Anrufe aus der Bevölkerung im Zusammenhang mit dem Coronavirus bei uns ein. So stehen zum Teil tatsächlich mehr Patrouillen im ganzen Kanton im Einsatz, überprüfen die Situation vor Ort und intervenieren falls notwendig, sagt Graf. Zum Überstunden Abbauen käme man daher nicht.

Doch auch die Polizei ist vor dem Virus nicht gefeit. Wie gehen die Polizistinnen und Polizisten mit der Situation um? «Wie andere Firmen und Amtsstellen hat die Kantonspolizei Thurgau verschiedene Massnahmen in die Wege geleitet, um das Risiko einer Ansteckung zu minimieren», sagt Graf. So hätte man überall dort Homeoffice eingeführt, wo es möglich wäre. Auch habe man die Büros neu aufgeteilt, um die Social-Distancing-Vorgaben erfüllen zu können.

Jederzeit einsatzbereit

Auch die Kantonspolizei St.Gallen hat sich umgestellt. So sei die Zahl der Einsätze zwar gleich geblieben, nur die Art hätte sich verändert. Florian Schneider, Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen, sagt:

«Die Corona-Kontrollen hielten uns anfänglich im Bann.»

Dafür würden viel weniger Menschen in die Polizeistationen kommen. Auch bei ihnen gilt: Wer kann, arbeitet von zu Hause aus. «Wir sind top aufgestellt», sagt Schneider. «Egal von wo, wir sind jederzeit einsatzbereit.»

Bei der Stadtpolizei St.Gallen wurde einiges umgestellt und desinfiziert. «Das fängt schon beim Pausenraum an», sagt Sprecher Dionys Widmer. Auch bei ihnen wird auf die Abstände und Hygiene geachtet. Zudem haben sie eine Art Reserve-Team gebildet. «Dieses arbeitet nicht auf dem Hauptposten, sondern ist in einem anderen Gebäude untergebracht. Würde bei uns eine grössere Krankheitswelle ausbrechen, soll das Element die Einsatzfähigkeit sicherstellen», sagt Widmer. Zudem wurden die Patrouillen an den Wochenenden von der Polizeidienstkompanie des Zivilschutzes unterstützt. Von Langeweile also auch hier keine Spur.

Dienstpläne wurden umgeschrieben

In Appenzell Ausserrhoden wurden einige Weiterbildungen abgesagt. «In diesem Zusammenhang versucht man tatsächlich Überstunden abzubauen», bestätigt Marcel Wehrlin, Mediensprecher der Ausserrhoder Kantonspolizei.

Allerdings würde man die Zeit eher nutzen, um das bis dato liegen gebliebene zu erledigen. Aufgrund von Corona hat man daher auch in Appenzell Ausserrhoden nicht unbedingt mehr Zeit. Dienstpläne wurden umgeschrieben, die Gruppen neu aufgeteilt, während einige, wo die Möglichkeit besteht, ins Homeoffice gewechselt haben. Gleichzeitig wurden die Kontrollen auf den Strassen intensiviert. «Wir haben eine ziemliche Mischversion», sagt Wehrlin. In Appenzell Innerrhoden ist die Kantonspolizei vorsichtig: «Wir haben viele organisatorische Massnahmen aufgrund des Coronavirus getroffen», sagt Roland Koster, Sprecher der Innerrhoder Kantonspolizei.

So wurden auch bei ihnen die Büros neu aufgeteilt und vieles desinfiziert. «Wenn wir unseren einzigen Polizeiposten schliessen müssten, wäre das schwierig», sagt Koster. Denn sie würden zu den kleineren Polizeikorps der Schweiz gehören. Derzeit sei man aber gut aufgestellt. Nur kompensieren würde man nicht.