Von der Ideenküche bis zur Politik

ST. GALLEN. An der 20. Ostschweizer Frauennetzwerktagung wird heute über die Zukunft von Frauennetzwerken diskutiert. Auch Politikerinnen referieren an dem Jubiläumstreffen in der Fachhochschule St. Gallen. Und werben für die Wahlen im Herbst.

Nina Rudnicki
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Die Frauenvernetzungswerkstatt in der HSG im Jahr 2013. (Bild: Ralph Ribi)

Die Frauenvernetzungswerkstatt in der HSG im Jahr 2013. (Bild: Ralph Ribi)

Macht, Einfluss und Kultur. Das sind Worte, die im Gespräch mit Erika Bigler immer wieder fallen. Die St. Gallerin organisiert zusammen mit einem Team aus verschiedenen Frauenorganisationen die Ostschweizer Frauennetzwerktagung an der Fachhochschule St. Gallen. Diese findet als Jubiläumsfeier und Standortbestimmung nach 20 Jahren St. Galler Frauennetzwerke statt. «Wir Frauen stehen noch immer ganz am Anfang. Die Gleichstellung ist ein Prozess, in den wir eingebunden sind und den wir vorantreiben müssen», sagt sie. In drei Blöcke ist die Tagung daher gegliedert. In einen ersten, in dem ein Blick in die Vergangenheit geworfen wird und darauf, was die Frauen bereits alles erreicht haben. In einen zweiten Block, der Diskussionsstoff zu aktuellen Themen liefert wie Lohngleichheit, Familie und Beruf. Und in einen dritten Teil, in dem die Teilnehmerinnen der Tagung darüber diskutieren, wie die Frauenorganisationen sich noch besser vermarkten und vernetzen können.

Junge Frauen mobilisieren

«Männer schliessen sich seit jeher zu Lobbies und Verbänden zusammen», sagt Bigler. Den Frauen sei hingegen erst seit wenigen Jahren bewusst, dass sie sich auf dem öffentlichen Parkett vernetzen müssen, um etwas zu erreichen und Einfluss zu haben. Gerade junge Frauen würden oftmals davon ausgehen, dass die Gleichstellung längst erreicht und der Feminismus überholt sei. «Das ändert sich aber schlagartig, wenn sie Mütter werden und auf einmal Familie und Beruf unter einen Hut bringen müssen», sagt sie. Umso mehr freut sich Bigler daher darüber, wenn junge Frauen bei den Netzwerken mitmachen. Universa, eine Organisation für Studentinnen der Universität St. Gallen, ist ein Beispiel dafür. Oder auch die Leaderinnen Ostschweiz, ein Verein für junge Berufsfrauen. Beide Organisationen haben sich dem Frauennetzwerk aus Eigeninitiative angeschlossen. Dieses Engagement sei dringend nötigt, sagt Bigler. Denn es gebe Bereiche, etwa die Politik, in denen die Frauenquote wieder rückläufig sei.

Ostschweizer Kandidatinnen

An der Tagung wird daher auch über die eidgenössischen Wahlen im Herbst diskutiert. Rund 25 Ostschweizer Kandidatinnen sind eingeladen. Sie stellen sich vor und beantworten Fragen aus dem Publikum. «Wichtig ist, dass die Kandidatinnen überzeugen und wir möglichst vielen von ihnen unsere Stimme geben», sagt sie. Als einen der Höhepunkte der Tagung nennt Bigler das Jubiläumsreferat der Baselbieter Nationalrätin Maya Graf, Co-Präsidentin von Alliance F.

Auf der Suche nach Sponsoren

Nebst der Politik soll auch die Zukunft der Frauenvernetzungswerkstatt zum Thema werden. Während der vergangenen zehn Jahre hat sich die Teilnehmerinnenzahl mit 400 Personen fast halbiert. Da keine Sponsoren gefunden werden konnten und die personellen Ressourcen fehlten, fällt die Werkstatt in diesem Jahr aus. «Wir werden daher darüber diskutieren, wo wir stehen und wie wir die Werkstatt mit dem sozialen Unterbau von 80 Frauenorganisationen weiterentwickeln können. Das Ganze ist als Ideenküche angedacht, in die sich jede Frau einbringen kann», sagt Bigler, die zuversichtlich ist, dass die Werkstatt nächstes Jahr wieder stattfinden wird.

Erika Bigler Mitorganisatorin der Ostschweizer Frauennetzwerktagung (Bild: Coralie Wenger)

Erika Bigler Mitorganisatorin der Ostschweizer Frauennetzwerktagung (Bild: Coralie Wenger)