Vom Riethüsli-Tunnel zur Ruckhalde

Die eisenbahntechnische Rarität einer Zahnstangen-Kehrschleife bei den Appenzeller Bahnen ist Geschichte: Ein Blick auf die wichtigsten Versuche, den im Süden der Stadt St.Gallen gelegenen Geländeriegel mit einer Eisenbahn zu überwinden und die Ansätze für eine Tunnellösung.

Christoph Zweili
Drucken
Teilen

Die erste Fahrt
Am 30. September 1889 fuhr die erste «Gaiserbahn» von St.Gallen nach Gais. Die engste Zahnradkurve der Welt, der 940 Meter lange Zahnstangenabschnitt zwischen dem St.Galler Güterbahnhof und dem Riethüsli, begeisterte die Fachwelt. Mit ihr werden 80 Höhenmeter entlang einer Kurve von 30 Metern Radius bei einer Steigung von 90 Promille überwunden. Später zeigte sogar auch der Direktor der Kaiserlichen Japanischen Staatsbahnen Interesse. Tatsächlich wurde am 1. April 1893 auch eine Zahnradbahn in Japan in Betrieb genommen.

Das erste Tunnelprojekt
Bereits 1970 hat der Bund die Kantone und die damalige Appenzeller Bahn beauftragt, sich Gedanken über die Zukunft der Bahnlinie St.Gallen–Gais–Appenzell (SGA) zumachen. Eine Studie kam zum Schluss, dass das Festhalten an der Bahn deutliche Vorteile im Vergleich zu einer Umstellung auf einen Busbetrieb hat. Es wurden immer wieder Tunnelprojekte ausgearbeitet, aus Kostengründen aber wieder schubladisiert. 2006 wurde mit der heutigen Planung begonnen, im Herbst 2011 wurden die Pläne beim Bundesamt für Verkehr eingereicht.

Der politische Prozess
Mit der Leistungsvereinbarung zum Agglo-Programm St.Gallen–Arbon–Rorschach startete 2010 der politische Prozess für die Durchmesserlinie Appenzell–St.Gallen–Trogen. Im November wurden die Finanzierungsanteile durch die Parlamente der Kantone St.Gallen (16 Millionen Franken) und Appenzell Ausserrhoden (26) genehmigt, im April 2013 auch durch die Landsgemeinde von Appenzell Innerrhoden (7); der Bund steuert 41 Millionen bei. Das ergibt Kosten von 90 Millionen, weitere 84 investieren die AB in neues Rollmaterial, 18 in den Stellwerkersatz.

Der Ruckhalde-Tunnel
Um den Angebotsausbau auf einen Viertelstundentakt in den Hauptverkehrszeiten realisieren zu können, ist auf der einspurigen Strecke der Appenzeller Bahnen (AB) eine Fahrzeitverkürzung nötig. Sie war nur möglich durch die Aufhebung des Zahnstangenabschnitts – als Bestva­riante stellte sich der 700 Meter lange Ruckhaldetunnel (Kosten: 63 Millionen) heraus, bautechnisch grösstes Projekt der Modernisierung der AB. Vortriebsbeginn im Tunnel Nord war der Juli, im Tunnel Süd der November 2016: Der Durchschlag erfolgte im Juli 2017.

Der Eilzug
Nach der Inbetriebnahme des Ruckhalde-Tunnels und der Durchbindung im AB-Bahnhof St.Gallen soll der integrale Halbstundentakt Trogen–St.Gallen–Teufen–Bühler–Gais–Appenzell an 365 Tagen im Jahr angeboten werden. Dieser wird ab März 2019 in den Hauptverkehrszeiten am Morgen, Mittag und Abend zwischen Trogen und Teufen zum Viertelstundentakt verdichtet. Die heutigen Busfahrten am Abend werden durch den Zug ersetzt. Ein Eilzug soll Appenzell mit St.Gallen Schülerhaus verbinden und zwischen Teufen und St.Gallen ohne Halt verkehren.