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Klima-Demo in St.Gallen: Schüler streiken auch am freien Tag

Die St.Galler Schülerinnen und Schüler setzen sich nicht nur während der Schulzeit fürs Klima ein. Gestern demonstrierten sie erstmals in der Freizeit. Auch Erwachsene schlossen sich der Jugendbewegung an.
Michael Genova
Rund 800 Personen demonstrierten am Samstag auf dem St.Galler Gallusplatz für eine bessere Klimapolitik. (Bild: Mareycke Frehner)

Rund 800 Personen demonstrierten am Samstag auf dem St.Galler Gallusplatz für eine bessere Klimapolitik. (Bild: Mareycke Frehner)

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Es ist kurz vor 15 Uhr, noch immer strömen Menschen auf den Gallusplatz in St.Gallen. Doch schon jetzt ist klar: An diesem Samstag verlassen die Schülerinnen und Schüler ihre Komfortzone. «Ab heute kann niemand mehr behaupten, dass wir nur streiken, um die Schule zu schwänzen», ruft Anna Miotto der Menge zu. Die Kantischülerin aus Wil bittet in ihrer Rede die Politiker, «jetzt» etwas gegen den Klimawandel zu unternehmen.

«Und mit jetzt meine ich nicht in zwei Jahren!»

Die Jugendlichen demonstrieren bereits zum vierten Mal gegen die aktuelle Klimapolitik – und gemeinsam mit ihnen sind Tausende Junge in weiteren 13 Schweizer Städten auf die Strasse gegangen. Neu ist nur, dass der Klimastreik an einem freien Samstag stattfindet, und nicht während der Schulzeit. Bereits Mitte Januar hatte das St.Galler Bildungsdepartement klargemacht, dass es keine Absenzen wegen des Klimastreiks dulden werde.

Farbige Spruchbänder, moderne Hippie-Slogans

Die Menge auf dem Gallusplatz ist bunt. Die Schülerinnen und Schüler halten ihre farbigen Spruchbänder in die Höhe. Mal sind sie dramatisch, mal verspielt. Ein Erdball brennt in einem weinenden Auge. Darunter die Forderung, endlich aufzuwachen. Auf einem anderen Banner steht geschrieben: «Mach Liebe, nicht CO2!» – eine Art moderner Hippie-Slogan. Auch Franziska Alber ist nach St.Gallen gereist. Der Umweltschutz sei ihr schon vor Beginn der Klimastreiks ein wichtiges Anliegen gewesen, sagt die Wiler Kantischülerin. Sie trägt ein Transparent mit dem Porträt von Greta Thunberg, der schwedischen Schülerin, die alles ins Rollen gebracht hat. Dazu der Text: «I’m with her» – ich steh’ an ihrer Seite.

Unter die Jungen haben sich aber auch Erwachsene gemischt. Mütter mit Kinderwagen, ergraute Umweltaktivisten, junge Paare. Und natürlich Politikerinnen und Politiker. Letztere halten sich diskret im Hintergrund. Zum Beispiel der grüne Ständeratskandidat Patrick Ziltener, der aus Solidarität gekommen ist. Er betont, dass die Jugendbewegung völlig unabhängig bleiben müsse. Auch deshalb seien keine Parteifahnen zu sehen. Die Klimafrage sieht Ziltener als grossen Test. Es gehe darum herauszufinden, ob die Menschen eine intelligente Gattung sind. Und er hat eine böse Vorahnung: «Ich befürchte, wir sind es nicht.»

Auch Peter Olibet, Stadtparteipräsident der SP, will mit seiner Anwesenheit die Jungen im Kampf gegen die Klimaerwärmung unterstützen. Er trägt ein Banner mit der Aufschrift «Klimaschutz statt Teilspange». Der geplante Autobahnanschluss im St.Galler Güterbahnhofareal vermag offenbar wenig zu begeistern. Man müsse die Klimafrage immer auch auf lokale Themen herunterbrechen, sagt Olibet.

(Bild: Mareycke Frehner)
(Bild: Mareycke Frehner)
(Bild: Mareycke Frehner)
(Bild: Mareycke Frehner)
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(Bild: Mareycke Frehner)
(Bild: Mareycke Frehner)
(Bild: Mareycke Frehner)
(Bild: Mareycke Frehner)
(Bild: Mareycke Frehner)
(Bild: Mareycke Frehner)
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12 Bilder

Vom Gallus- bis zum Bahnhofsplatz: Jung und Alt gehen für den Klimaschutz auf die Strasse

Mit Megafon und Disziplin

Dann setzt sich die Menge in Bewegung. Die Jungen führen den Demonstrationszug an, die Alten folgen im Schlepptau. An der St. Laurenzenkirche vorbei geht es zum Marktplatz. Diszipliniert und wohlgeordnet präsentiert sich die neue Jugendbewegung der St.Galler Bevölkerung. Dazwischen ertönen immer wieder kämpferische Rufe. Ein Schüler in grünem Mantel schreit in sein Megafon: «Wäm sini Zuekunft?» Und die Menge antwortet: «Üsi Zuekunft». Mit Sprechchören wenden sich die Jugendlichen direkt an die Erwachsenen, die an den Strassenrändern stehen. Sie fordern:

«Leute lasst das Glotzen sein, reiht Euch in die Demo ein.»

Nach einer knappen Stunde ist der Demonstrationszug zurück am Ausgangspunkt. Während sich der Gallusplatz allmählich wieder füllt, skandieren die Schüler Parolen. Dann ruft ein Mitglied des Klimastreik-Kollektivs: «Es ist megageil, dass so viele Leute hier sind.» Auf rund 800 Personen wird die Stadtpolizei die Menge später schätzen.

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