Vom Experiment zur politischen Mitsprache

Der Internationale Städtebund Bodensee feiert das fünfjährige Bestehen. Entstanden aus einer politischen Misslage war die Wahrnehmung von aussen anfangs nicht positiv. Heute findet er international Anerkennung.

Tanja von Arx
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Zeppelinflug von Friedrichshafen nach St.Gallen und zurueck. Sicht ueber St.Gallen in Richtung Osten. (Bild: Urs Jaudas (Urs Jaudas))

Zeppelinflug von Friedrichshafen nach St.Gallen und zurueck. Sicht ueber St.Gallen in Richtung Osten. (Bild: Urs Jaudas (Urs Jaudas))

Gemeinden und Städten am See ein grösseres politisches Mitspracherecht geben – das war das Ziel des Internationalen Städtebunds Bodensee (ISB), der vor fünf Jahren entstand. Inzwischen ist die Vernetzung zwischen der Schweiz, Österreich und Deutschland gewachsen. Aber der Weg dahin war steinig.

Skepsis zu Beginn

«2006 verfasste die Internationale Bodenseekonferenz (IBK) ein neues Bodensee-Leitbild», erinnert sich Josef Büchelmeier, Geschäftsführer des ISB. Die IBK, ein kooperativer Zusammenschluss der Länder und Kantone um den Bodensee, hatte die Städte in die Verordnung mit einbezogen – jedoch ohne ihnen Mitsprache einzuräumen.

Büchelmeier startete daraufhin das Experiment, Gemeinden und Städte der Schweiz, Österreichs und Deutschlands rund um den See zu vernetzen. Auf der Basis der Internationalen Gartenausstellung (IGA), deren Vertreter lose in der Region zusammengearbeitet hatten, schaffte er die politische Diskussionsplattform ISB.

Die IBK begegnete der Gründung skeptisch. Der Verbund hatte keine Organisation und kein Budget. «Man nahm den ISB lange nicht wahr», sagt Markus Dörig, Vorstand des Ständigen Ausschusses der IBK und Ratschreiber des Kantons Appenzell Innerrhoden. Es hiess: «Fangt mal an, wir werden sehen.» Nach und nach verschaffte sich der ISB mit Projekten Gehör. Bildung, Tourismus, Wirtschaft, Ökologie, Stadtwerke, Energie und Verkehr stehen auf der Tagesordnung. Ein Meilenstein bildete 2010 die Verkehrsresolution, die sich an Bundes- und Landespolitiker sowie an die SBB, ÖBB und DB wandte; sie behandelte die Elektrifizierung länderübergreifender Bahnverbindungen, einheitliche Tarife und eine Bodensee-S-Bahn.

Der ISB organisiert sich über eine Lenkungsgruppe. Jährlich wird für jedes der drei Länder ein Vorsitzender gewählt. Zugehörig sind 26 Gemeinden und Städte – alle sind gross und liegen in der Nähe des Bodensees. – Wodurch unterscheidet sich der ISB von der IBK? «Der ISB handelt operativ, die IBK eher strategisch», sagt David H. Bon, Mitglied der Lenkungsgruppe und Gemeindeammann von Romanshorn. Die ISB versuche, Vorschläge in den Gemeinden und Städten gezielter umzusetzen.

Die IBK sieht den ISB als Ergänzung, nicht als Konkurrenz. Man versuche sich seit zwei Jahren zu koordinieren, sagt Dörig. Der ISB habe mittlerweile Einsitz in die Tagungen.

Bessere Organisationsstruktur

Am 9. Mai findet zusammen mit der Internationalen Bodensee-Hochschule (IBH) eine Veranstaltung zum Thema Bildung statt. Die Pädagogische Hochschule St. Gallen sowie Weingarten und Dornbirn erarbeiten gemeinsam Programme zu Kindererziehung und Berufsbildung. «Wir haben das Spiki eingebracht, eine Erziehungsform für Kleinkinder», sagt Thomas Scheitlin, Vorsitzender des ISB und Stadtpräsident von St. Gallen. Geplant sind weitere Sitzungen zu Social Media und Energie.

Wie steht es um die Zukunft des ISB? «Wir wollen fachspezifisch mit der IBK zusammenarbeiten und wachsen, bis wir eine stabile Struktur erlangen», sagt der ehrenamtlich tätige Büchelmeier. So könne er sein Amt ruhigen Gewissens weitergeben.

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