VOLKSSPORT: Gossauer Jass-König ärgert sich über "1. Schweizer-Meisterschaft"

Dieses Wochenende wird der "erste Schweizer Schieber-Meister" gesucht. "Blödsinn", sagt Eugen Krapf. Der Gossauer muss es wissen – schliesslich war er selbst schon Schweizer Meister im Schieber.

Johannes Wey
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Jassen ist in der Schweiz ein Volkssport. Hier beim Preisjassen in Kradolf. (Bild: Donato Caspari)

Jassen ist in der Schweiz ein Volkssport. Hier beim Preisjassen in Kradolf. (Bild: Donato Caspari)

Am Samstag soll offenbar grosses geschehen. "Die Schweiz braucht einen König – oder eine Königin", titelte der "Blick". Nun soll natürlich nicht die Monarchie eingeführt werden. "Blick" und Swisslos suchen den besten Jasser in der populärsten Disziplin, dem Schieber. Und am Wochenende findet nun in Zug der Final der "1. Schweizer Schieber-Meisterschaft" statt, welche die beiden Unternehmen ins Leben gerufen haben.

Eugen Krapf. (Bild: Michel Canonica)

Eugen Krapf. (Bild: Michel Canonica)

Die "1. Schweizer Schieber-Meisterschaft" - was sagt wohl Eugen Krapf dazu? Der heute 88-jährige Gossauer war Schweizer Meister im Partnerschieber. Und dies schon 1977. Dazu war er Schieber-Europameister und Schweizer Meister im Coiffeur. Heute gibt er noch immer Jasskurse und organisiert Turniere, zuletzt im Rahmen des Zürcher Oktoberfests.
 

Göpf Egg war der Erste

Dass am Finalturnier der "erste" Schieber-Meister gekürt werden soll, ist für Krapf "Blödsinn". Er hat sich deswegen auch mit E-Mails an die Jasskarten-Herstellerin AGM und Event-Organisatoren aus der Szene gewandt. "Die erste Schieber-Meisterschaft wurde 1970 von Göpf Egg organisiert", sagt Krapf. Der 2010 verstorbene Egg gilt als Erfinder des Preisjassens, war Schiedsrichter in den Jass-Sendungen des Schweizer Fernsehens und Autor von "Puur, Näll, Ass", dem offiziellen Schweizer Jassreglement. Die Schieber-Meisterschaft ist also keine Erfindung von Swisslos und "Blick".

Krapf stört sich auch am Modus, mit dem sich die Spieler für das Finalturnier qualifizieren mussten. Die Qualifikationsturniere fanden mit der Jass-Software von Swisslos statt, gespielt wurde mit einem Computer-Partner gegen zwei Computer-Gegner. "Damit haben sich nicht die 100 Besten qualifiziert, da der Computer regelmässig haarsträubende Fehler macht", sagt Krapf, dem es in der Qualifikation nicht gereicht hat. Er spricht damit das Zusammenspiel und die Launen des Computers an, auch mit schwachen Karten ein Spiel anzusagen. Sicher sei es nicht einfach, eine Software fürs Jassen mit all seinen Variablen zu programmieren. Trotzdem: Der Modus sei "lachhaft". "Wenn der Computer nicht will, kann man kein Spiel gewinnen." Darauf sei er auch von anderen Jassern angesprochen worden.

Immerhin: Beim Finalturnier werden sich die 100 Glücklichen, die sich unter Zehntausenden Teilnehmern qualifiziert haben, mit Menschen messen. Als prominente Gäste mit dabei sind auch Schwinger Nöldi Forrer, Ex-Skirennfahrer Bruno Kernen und SVP-Präsident Albert Rösti.
 

Die erste Meisterschaft am Computer

Willy Mesmer von Swisslos verteidigt die Bezeichnung "1. Schweizer Schieber-Meisterschaft": "Es ist vielleicht etwas spitzfindig. Aber es ist die erste Meisterschaft, bei der sich die Spieler über das Internet qualifizieren." Auch Krapfs Einwand, dass sich bei den Spielen mit Computerbeteiligung nicht die Besten qualifizierten, will Mesmer nicht gelten lassen. "Ist denn derjenige der Beste, der bei den Olympischen Spielen die Goldmedaille im Eiskunstlauf gewinnt? Die Bedingungen sind jedenfalls für alle gleich, und wir sind sicher, dass von allen Teilnehmern die 100 Besten dabei sind."