Volkskirche als Kirche fürs Volk

Das Auffallendste am Hirtenbrief des St. Galler Bischofs ist, dass er auf den ersten Blick nichts Auffallendes enthält, zumindest nicht für Ostschweizer, für die die vertraute Nähe mit der Kirchenleitung seit je eine Selbstverständlichkeit ist. Ganz im Unterschied zu andern Bistümern.

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Das Auffallendste am Hirtenbrief des St. Galler Bischofs ist, dass er auf den ersten Blick nichts Auffallendes enthält, zumindest nicht für Ostschweizer, für die die vertraute Nähe mit der Kirchenleitung seit je eine Selbstverständlichkeit ist. Ganz im Unterschied zu andern Bistümern. Dort gilt solch freundschaftliche Vertrautheit fast schon als ein kleines Kirchenwunder.

Das gute Zusammenspiel von staatskirchenrechtlichen Organen und kirchlichem Personal ist allerdings nicht einfach Selbstzweck. Vielmehr bildet es eine wichtige Voraussetzung, dass die katholische Kirche im Bistum St. Gallen weiterhin Volkskirche bleiben kann. Volkskirche bedeutet, dass alle angesprochen sind, dass der Zutritt zur Gemeinschaft niederschwellig gehalten wird. Man darf dazugehören, auch wenn man kein fulminantes Bekehrungserlebnis oder keinen übereifrigen Kirchenbesuch ausweisen kann.

Solch lose volkskirchliche Verbundenheit kommt neustens ins Schussfeld der Kritik. Auch im katholischen Umfeld gibt es Exponenten, die zum Verzicht auf den landeskirchlichen Status und damit die staatlichen Stützen (wie Kirchensteuer) raten. Vom Rückzug auf die kleine, begeistert folgende Herde erwarten sie eine grössere Glaubwürdigkeit der Kirche.

Solche Gedankenspiele macht der bischöfliche Hirtenbrief nicht mit. Vielmehr betont er die Bedeutung des öffentlich-rechtlichen Status für das Bistum. Denn dieser verpflichtet die Kirche volkskirchlich, das heisst Kirche fürs Volk zu sein.

Josef Osterwalder

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