Volk hat die Qual der Wahl

Der Innerrhoder Grosse Rat bringt nach langem Hin und Her zwei Hallenbad-Varianten ins Spiel. Einen Neubau für 16 Millionen und einen für knapp 20 Millionen Franken. Von einer Sanierung will er nichts wissen.

Roger Fuchs
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Das seit Dezember 2014 geschlossene Hallenbad in Appenzell. Noch ist offen, was für ein Bad hier dereinst stehen wird. (Bild: Ralph Ribi)

Das seit Dezember 2014 geschlossene Hallenbad in Appenzell. Noch ist offen, was für ein Bad hier dereinst stehen wird. (Bild: Ralph Ribi)

Roger Fuchs

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@appenzellerzeitung.ch

An der Innerrhoder Landsgemeinde 2017 wollen die Standeskommission und der Grosse Rat dem Kanton in einem weiteren Anlauf zu einem neuen Hallenbad verhelfen. 2015 wurde ein Kredit zurückgewiesen und mit dem Auftrag verbunden, ein redimensioniertes Projekt auszuarbeiten. Dies hat die Standeskommission inzwischen an die Hand genommen. Ein Bericht listet mehrere Hallenbad-Varianten auf.

An der gestrigen Grossratssession zeigte sich: Die Standeskommission favorisiert eine Variante, welche sich primär auf die Nutzergruppen wie Schulen, Schwimmclub und Individualschwimmer konzentriert; Kostenpunkt: 16,3 Millionen Franken zuzüglich einer Bauherrenreserve von 1 Million Franken. Grossrat Ueli Manser, Schwende, war das zu wenig. «Ein Hallenbad ohne Wellnessanlage ist schwierig zu vermarkten», sagte er. Und er beantragte, zwei Landsgemeindebeschlüsse vorzubereiten. Nebst der favorisierten Variante der Regierung solle auch eine inklusive Saunaanlage zur Abstimmung gebracht werden. Kostenpunkt: 20 Millionen Franken plus 1 Million Bauherrenreserve.

Mit diesem Vorgehen konnte sich auch Ruedi Ulmann, Gonten, als Präsident der Kommission für öffentliche Bauten einverstanden erklären. Seine Kommission hätte sonst, wenn auch auf anderem Weg, ebenfalls versucht, noch zu einem Hallenbad mit Saunalandschaft zu kommen. Nach knapp zweieinhalbstündiger Debatte zeigte sich dann, dass sich das fünfzigköpfige Parlament nicht für die eine oder andere Variante entscheiden kann. Und so wurde mit 33 Ja-Stimmen entschieden, dem Landsgemeindevolk im kommenden Jahr beide Varianten vorzulegen. An der Standeskommission liegt es nun, auf die zweite Lesung hin ein sinnvolles Abstimmungsproze­dere vorzubereiten.

«Luxusvariante» fiel zum Schluss durch

Zu den Verlierern der gestrigen Hallenbad-Debatte gehörten die Grossräte Ruedi Eberle und Josef Manser, beide aus Gonten. Eberle hatte sich für ein Hallenbad mit Wellnessanlage und Spassbereich stark gemacht. Die anderen Varianten würden für Familien und Kinder nichts bieten, so sein Argument. Bauherr Stefan Sutter verwies in diesem Kontext auf den zurückgewiesenen Kredit im Jahr 2015 und den Auftrag, das Bad auf das Notwendige zu reduzieren. Die «Luxusvariante» fiel bei der Abstimmung schliesslich durch.

Josef Manser hatte sich, wie bereits im Vorfeld bekannt war, namens der Gruppe für Innerrhoden (GFI) für eine nochmalige Prüfung einer Sanierung und Auflistung der entsprechenden Kosten stark gemacht. Eine Sanierung sei innert kürzerer Zeit realisierbar, und man könne das Bad dadurch ebenfalls auf den neuesten Stand bringen. Kritik übte er an jener Firma, welche für die Variantenstudien beigezogen worden war, sie habe keine Erfahrung in der Erneuerung von Hallenbädern.

Diesen Vorwurf wies Bauherr Stefan Sutter klar zurück. Er listete sieben Bäder auf, bei denen die Firma bei der Kostenplanung involviert gewesen war. Auch dementierte er, dass eine Sanierung bereits bis Sommer 2018 möglich wäre. «Das geht niemals», sagte Sutter.

Alles in allem, so der Bauherr, sei eine Sanierung nicht der richtige Weg. Die Flächen und Angebote des künftigen Hallenbades sollten so sein, wie man es heute erwarten dürfe. Landammann Daniel Fässler warnte überdies vor zu vielen Zahlen. «Wir können das Geschäft auch kaputtmachen.» Manser und eine weitere GFI-Grossrätin waren am Schluss die einzigen Befürworter einer erneuten Sanierungsprüfung.