«Vive Saint-Gall! Vive le canton! Vive la vie!»: Launige Abschiedsworte zum Abschied der Aufräumsession des St.Galler Kantonsrats

Zum Sessionsschluss gab es Lobeshymnen für Regierungspräsidentin Heidi Hanselmann, für die scheidenden Regierungsräte Benedikt Würth und Martin Klöti – und Staatssekretär Canisius Braun.

Christoph Zweili
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Die Regierungsbank in der Olma-Halle 2.1.

Die Regierungsbank in der Olma-Halle 2.1.

Regina Kühne
Canisius Braun, Leiter Staatskanzlei seit 2008.

Canisius Braun, Leiter Staatskanzlei seit 2008.

Regina Kühne

Ein bunter Hund, ein Mann, der fast alles stemmt und die Gipfelstürmerin, die einen 7000er ohne Sherpas und Sauerstoff bezwungen hat: Der St.Galler Kantonsratspräsident Daniel Baumgartner würdigte am Schluss der Aufräumsession gleich drei abtretende Regierungsräte. Und noch einen vierten, einen wandlungsfähigen Geigen- und Klavierspieler, der in zwölf Jahren Staatsdienst bewiesen hat, dass er ein guter Brückenbauer ist: Staatssekretär Canisius Braun.

Martin Klöti, Regierungsrat seit 2012.

Martin Klöti, Regierungsrat seit 2012.

Regina Kühne

«Der bunte Hund der Regierung» war Martin Klöti, «ein Mann, der Farbe ins Gremium gebracht hat» und der sich im Rat wegen seiner Homosexualität einige unangemessene Angriffe gefallen lassen musste. Nicht nur in diesen Situationen bewies der Mann mit dem geschliffenem Bühnendeutsch grosse Souveränität. Acht Jahre lang, seit März 2012, stand Klöti als Kultur- und Gesellschaftsminister dem Departement des Innern vor. Fast wäre ihm sein prominentestes Projekt, das Klanghaus Toggenburg, zum Verhängnis geworden. In einer eloquenten staatsmännischen Rede machte Klöti klar, für wen sein Herz schlägt: «Regierungsrat in Zürich? Nein, danke! Vive Saint-Gall! Vive le canton! Vive la vie!»

Benedikt Würth, Regierungsrat seit 2010.

Benedikt Würth, Regierungsrat seit 2010.

Regina Kühne

Auch für den «bestdokumentierten Regierungsrat» und bald nur noch Ständerat Benedikt Würth – «ein animal politique» – gab es zum Schluss viel Lob. Der Mann, der auch komplexe Sachverhalte auf den Punkt bringt und eine umsichtig gefüllte Staatskasse hinterlässt, hat nicht nur die Doppelbelastung von Regierungs- und Ständeratsmandat souverän gestemmt. Er hat 2019 auch den völlig zerstrittenen Fraktionen auf der Rückseite einer Menükarte aufgezeigt, wie ein austarierter St.Galler Steuerkompromiss bei der Umsetzung der nationalen Unternehmenssteuerreform aussehen könnte.

Heidi Hanselmann, Regierungsrätin seit 2004.

Heidi Hanselmann, Regierungsrätin seit 2004.

Regina Kühne

Selbst politische Gegner bewundern die Zähigkeit von Regierungspräsidentin und Gipfelstürmerin Heidi Hanselmann, die in der Öffentlichkeit auch schon als «unbelehrbar» bezeichnet worden ist. «Entweder, man liebt ihre Willensstärke und ihren Ehrgeiz, oder eben gerade nicht», sagte Baumgartner. Viele hätten sich gefragt, wann die aktuelle Regierungspräsidentin, befeuert vom Credo einer guten Spitalversorgung für alle, überhaupt schlafe.