«Viele überschätzen sich»: In Hitzesommern rückt die Alpine Rettung Ostschweiz besonders oft aus

Unfälle in den Bergen waren auch in diesem Sommer keine Seltenheit. Die Alpine Bergrettung Ostschweiz musste bis Ende August bereits über 70 Mal ausrücken.

Valentina Thurnherr
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Auch 2019 gerieten zahlreiche Wanderinnen und Wanderer im Alpstein in eine Notsituation. (Bild: Urs Jaudas)

Auch 2019 gerieten zahlreiche Wanderinnen und Wanderer im Alpstein in eine Notsituation. (Bild: Urs Jaudas)

«Zurzeit bewegen sich die Zahlen mit rund 70 Bergrettungen in einem normalen Rahmen», sagt Armin Grob, Präsident des Regionalvereins Alpine Rettung Ostschweiz (ARO). Eine Hauptrolle spielen die Wetterverhältnisse. «Bei schönem Wetter und vor allem während der Sommerferien sind sehr viele Leute in den Bergen unterwegs.» Der August sei einer der Hauptmonate für Alpinsportler, entsprechend würden die Zahlen auch höher ausfallen.

«Je schöner das Wetter, desto höher die Unfallzahlen – das verläuft relativ parallel.»

Das bestätigen auch die Zahlen der Bergrettungen in der Ostschweiz in den Hitzesommerjahren 2017 (99) und 2018 (98): Diese fielen deutlich höher aus als im eher kurzen Sommer 2016 in dem die ARO 72 Mal ausgerückt war. Deutlicher wird Grobs Aussage im Vergleich zum Sommer von 2014, der überwiegend kühl und sonnenarm ausfiel und in dem sich lediglich 65 Unfälle ereignet hatten. Dieses Jahr musste die ARO bis Ende August bereits 71 Mal ausrücken und hat somit die Zahl von 2016 bereits erreicht.

Eine Rettung verläuft je nach Situation unterschiedlich. «Oft kommt es vor, dass die Meldungen erst über andere Kanäle eingehen, ehe sie bei uns ankommen», sagt Armin Grob. Viele Einsätze würden zudem in Zusammenarbeit mit der Flugrettung bewältigt. Dort sei es wichtig, dass schnellst möglich evaluiert werde, wer am nächsten am Geschehen dran sei. 

«Unsere Fachspezialisten sind immer in Bereitschaft und haben ihre Ausrüstung stets dabei.»

Bei den Rettungseinsätzen sei heutzutage grundsätzlich eine medizinische Fachperson anwesend. «Das ist meist ein Arzt oder ein Rettungssanitäter», sagt Grob. «Aber auch unsere Leute haben eine medizinische Grundausbildung.»

Schlechte Vorbereitung wird vielen zum Verhängnis

Vorfälle mit verletzten Personen ereignen sich in der Ostschweiz eher weniger. «Sehr oft kommt es vor, dass sich Leute verirren, irgendwo nicht weiterkommen oder schlicht erschöpft sind», sagt Bergführer Hampi Schoop der in seiner Freizeit in der Alpinen Rettung mithilft. Das hänge wohl damit zusammen, dass sich viele sehr schlecht auf eine Wanderung vorbereiten und so die Tour unter- oder sich selber überschätzen.

Bei seinen Einsätzen begegnet er deswegen manchmal auch amüsanten Vorfällen, so etwa diesen Juni. «Ein Wanderer, der von der Schwägalp Richtung Säntis unterwegs war, wollte eine kleine Abkürzung nehmen», sagt Schoop. «Wer die Strecke kennt, weiss, dass es dort ein Loch hat, ähnlich einer kleinen Geltscherspalte.» Der Mann sei durch die Schneedecke eingebrochen, zum Glück aber auf einem grossen Haufen Schnee weich gelandet und deshalb unverletzt geblieben. «Da es ein heisser Tag war, war er entsprechend leicht bekleidet.» Als die Bergretter den Wanderer aus dem Loch zogen habe dieser sogar noch selbst gesagt: 

«Heute ist der wärmste Tag in diesem Jahr und ich friere.»

Dass Schoop nebenbei als Bergretter arbeitet, ist für ihn eine Selbstverständlichkeit. «Als Bergführer bietet es sich nahezu an. Ausserdem ist unser Team etwas ganz Besonderes», sagt er. «Wir haben zwar nicht so viele Einsätze, üben aber häufig und Kameradschaft wird gross geschrieben.»

Ein paar einfache Tipps für sicheres Wandern

Wer in den Bergen wandern will, kann sich an einige einfache Tipps halten. «Wichtig ist vor allem, dass man sich mit der Route, die man begehen will, auseinandersetzt», sagt Armin Grob. Besonders den Wetterbericht solle man im Auge behalten. «Im Herbst fällt auf den Bergen teilweise der erste Schnee, darauf sollte man vorbereitet sein.» Auch eine gute Ausrüstung sei wichtig. «Wer sich richtig einschätzt und weiss wie viel er schafft, der hat schon vieles richtiggemacht», sagt Grob. «In erster Linie soll es ja Spass machen und nicht in einer schwierigen Situation enden.»

Spezielle GPS-Geräte empfiehlt Grob in der Gegend um den Alpstein nicht. 

«Das Handy-Netz hier oben funktioniert ausreichend und man hat so gut wie überall Empfang.»

Relevant sei lediglich, dass der Akku geladen sei. «Das haben wir schon häufiger erlebt bei Rettungen, dass die Leute entweder gar kein Handy hatten, oder der Akku leer war», sagt Grob. Er empfiehlt daher, einen Reserve-Akku oder eine Powerbank mit sich tragen.