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«Viele Menschen in unserer reichen Schweiz leben an der Armutsgrenze» – Der Beirat steht für OhO mit Herz und Verstand im Einsatz

Die Beiräte schenken der Weihnachtsaktion jährlich über 200 Stunden ihrer Zeit. Und das mit Freude. Was ist ihnen wichtig, wer sind sie? Wir stellen sie vor – Folge 2.

Desirée Müller
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Die Oho Beiräte. (Bild: Lisa Jenny)

Die Oho Beiräte. (Bild: Lisa Jenny)

Sechzehn Beiräte prüfen seit der Gründung von «Ostschweizer helfen Ostschweizern» die Gesuche von Menschen in der Region, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen.

Marianne Kleiner, Herisau

Marianne Kleiner, Herisau

«Es ist so eine schöne Arbeit, bedürftigen Menschen einen Lichtblick in ihre oft angespannte oder dunkle Welt zu bringen. Dies dank der grosszügigen Spenden der Tagblatt-Leserinnen und -Leser», sagt Beiratspräsidentin Marianne Kleiner. Sie habe durch OhO erfahren, wie viele Menschen auch in der Ostschweiz mit sehr knappen Mitteln leben müssen und wie belastend das sein kann. Vor allem in den beiden Weihnachtsmonaten ­denke die Herisauerin oft über die Situationen nach, die ihr geschildert werden.

Der Wunsch, allen Bedürftigen zu helfen, ist auch bei Marianne Kleiner gross. «Wir müssen uns aber bewusst sein, dass OhO eine Weihnachtsaktion ist und dass es nicht möglich ist, alle Probleme der hilfesuchenden Menschen nachhaltig zu lösen. Immerhin dürfen wir einen Lichtstrahl in ihr Leben zaubern», findet die dreifache Grossmutter wichtig.

Erfahrung hilft

Therese Wenger, Wolfhalden.

Therese Wenger, Wolfhalden.

Für Therese Wenger ist es das erste Jahr als OhO-Beirätin. Sie arbeitet für die Organisation Pro Infirmis als Geschäftsleiterin und hat Erfahrung im Bearbeiten von Gesuchen. «Ich versuche, die Wünsche der OhO-Antragssteller mit denen von Menschen zu vergleichen, die, sagen wir mal, ein normales Budget haben zum Leben.» So fällt es ihr leichter, abzuschätzen, ob ein Antrag gerechtfertigt ist oder nicht. «Ich finde an der ehrenamtlichen Arbeit bei der Weihnachtsaktion besonders schön, dass wir auch die Bedürfnisse von Menschen berücksichtigen können, welche die Richtlinien mancher Fonds nicht erfüllen würden», so die Wolfhäldlerin.

Mit viel Herzblut dabei

Margrit Stalder-Egli, Banzenheid.

Margrit Stalder-Egli, Banzenheid.

Als OhO 2005 ins Leben gerufen wurde, war Margrit Stalder-Egli gerade die «höchste St.Gallerin». «Ich wurde angefragt, ob ich als Beirätin zur Verfügung stehen würde. Ich habe gerne zugesagt und bin bis heute mit ganz viel Herzblut dabei.» Es sei eine edle Aufgabe, Menschen, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen, mit einem Weihnachtsgeschenk eine Freude zu machen, erzählt die Bazenheiderin. Die vielen Begegnungen mit solchen Menschen aber auch die bereichernde Zusammenarbeit mit Fachleuten von Sozialdiensten und Beratungsstellen schätze sie sehr. «Es hat mir die Augen geöffnet, wie viele Menschen in unserer reichen Schweiz in Armut oder an der Armutsgrenze leben, vor allem gehören viele Kinder dazu.»

Anders Stockholm, Frauenfeld.

Anders Stockholm, Frauenfeld.

Achtsamkeit am wichtigsten

Beirat Anders Stokholm engagiert sich seit 2013 in der «OhO-Familie». Er weiss aus diversen früheren und aktuellen beruflichen und freiwilligen Tätigkeiten, dass es Situationen im Leben gibt, in denen man auf unbürokratische, schnelle finanzielle Hilfe angewiesen ist. «Unsere Sozialwerke decken sehr viele solcher Situationen ab, doch es gibt auch Lücken. Hier einzuspringen und weiterzuhelfen, finde ich sehr wichtig», sagt der einstige Pfarrer.

Anders Stokholm erzählt, dass die Gesuche sehr unterschiedlicher Natur sind. Viele der Anträge seien rührend in ihrer bescheidenen Bitte. «Manche ärgern mich durch ihre Unverfrorenheit. Sie schärfen aber alle mein Bewusstsein dafür, dass an den Rändern unserer Gesellschaft Menschen selbst für kleine Dinge, die vielen selbstverständlich sind, kämpfen müssen.» Er ergänzt: «Wenn jemand, der nur das Nötigste zum Leben hat, uns um 100 Franken für ein Paar wärmende Winterschuhe ersucht, zeigt mir, welch grossen Wert dieser kleine Betrag in den Augen dieses Menschen hat. Es ist berührend, aber auch beschämend, denn es führt mir auch vor Augen, wie achtlos ich selber oft bin.»

Zusammenfassend gesagt sei für ihn an seinem Einsatz für OhO vor allem die Achtsamkeit wichtig. «Ich nehme aus den vielen Situationen Mosaiksteine mit für mein Bild der gesamten Gesellschaft.»

Unsere OhO-Beiräte

Sie sind die «Wunscherfüller» der Weihnachtsaktion «Ostschweizer helfen Ostschweizern». Wir stellen die sechzehn Beiräte vor, die dafür sorgen, dass mit den Spendengeldern Menschen in der Region ein dringlicher Wunsch erfüllt werden kann. Eine verantwortungsvolle Aufgabe, welche die Beiräte fordert und gleichermassen mit viel Freude erfüllt. Sie erzählen, was sie berührt und warum sie der Spendenaktion gerne ihre Zeit schenken.