Viel Raum noch ungenutzt

GOSSAU. Das «Perron 3» am Gossauer Bahnhof gilt als Erfolgsgeschichte, der Standort als ideal. Dennoch steht seit der Eröffnung Gewerbefläche in der Grösse von etwa vier Tennisplätzen leer.

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Gewerbefläche im «Perron 3» ist nur teilweise gefragt. Im Innern des Gebäudes fehlt es an Mietern. (Archivbild: Stefan Beusch)

Gewerbefläche im «Perron 3» ist nur teilweise gefragt. Im Innern des Gebäudes fehlt es an Mietern. (Archivbild: Stefan Beusch)

Die Stadt Gossau will urbaner werden. Für ein wachsendes und zunehmend städtisches Gossau steht die Überbauung Perron 3 beim Bahnhof. 2009 wurde das Gebäude eröffnet. Das Projekt ist ein Erfolg: Die Nachfrage nach Wohnraum war gross, die 88 Mietwohnungen waren rasch vermietet und erfreuen sich grosser Beliebtheit. Die Vorteile liegen auf der Hand: Einkaufsmöglichkeiten gibt es um die Ecke, für Pendler ist es ein Katzensprung bis zum Bahnhof.

Umso eher überrascht, dass es bei der Gewerbefläche im Parterre anders aussieht. Seit der Eröffnung harzt es bei der Nachfrage. Jene Flächen, die von aussen her einsehbar sind, konnten zwar rasch vermietet werden. Im Innern des Gebäudes ist eine Fläche von rund 1000 Quadratmetern aber seit der Eröffnung ungenutzt. Und das mitten im Zentrum Gossaus, an bester Lage.

Längerfristig gedacht

Fragen wirft diese ungenutzte Fläche insbesondere auf, weil das Gebiet Bahnhof Nord und das Happy-Areal in der Nähe als vielversprechende Entwicklungsgebiete in Gossau gelten. Ist es sinnvoll in diese Gebiete zu investieren, wenn an bester Lage ganz in der Nähe eine grössere Gewerbefläche für längere Zeit leer steht? Martin Schmid, Leiter Stadtentwicklung Gossau, antwortet zurückhaltend auf diese Frage. Es bestehe kein direkter Zusammenhang, sagt er. Das Entwicklungspotenzial im Gebiet Bahnhof Nord sei längerfristig gedacht. «Grundsätzlich könnten Investitionen in diesem Gebiet die Nachfrage beim Bahnhof aber ankurbeln», sagt er.

Fitnesszentrum oder Outlet

Vermieterin der Überbauung «Perron 3» ist seit Juni dieses Jahres die Zürcher Livit AG. Marcel Frick, Leiter Vermarktung, nennt als Grund für die ungenutzte Fläche aber nicht die mangelnde Nachfrage oder den Standort: «Das <Perron 3> ist insgesamt eine Erfolgsgeschichte», sagt Frick. Die Gewerbeflächen im Aussenbereich seien nach wie vor gefragt, ebenso die Wohnungen. Einzig im Innenbereich sei eine Vermietung schwieriger. Laut Frick vor allem aus zwei Gründen: Weil die Räume von aussen nicht einsehbar seien, sei die Zielgruppe eingeschränkt. «Ideal wäre die Fläche beispielsweise für ein Fitnesszentrum, einen Outlet oder für Ärzte sowie Physiotherapeuten.» Also für Geschäftsmodelle, die weniger auf Laufkundschaft angewiesen seien. Die Vermietung sei zudem eine Herausforderung, da viele Geschäfte, die als Mieter in Frage kommen könnten, bereits in der Region vertreten seien.

«Nicht aussergewöhnlich»

Wenig überrascht, dass es im «Perron 3» seit der Eröffnung unvermietete Gewerbeflächen gibt, ist Paul Alder. Er ist Präsident des Hauseigentümerverbandes Region Gossau und als Rechtsagent in der Treuhandbranche tätig. Aufgrund des grossen Angebots sei es bei neuen Überbauungen nicht aussergewöhnlich, dass Gewerbeflächen nicht sofort restlos vermietet werden könnten, sagt er. Auch bei einer Toplage wie beim Bahnhof Gossau sei dies möglich. «Grundsätzlich spielt der Preis eine grosse Rolle.» Ein Vermieter könne aber nicht einfach den Preis so lange senken, bis die Flächen irgendwann zwangsläufig gemietet würden. «Das wäre unprofessionell.» Räume an solcher Lage müssten auch ihren Preis haben.