Schwäne in Badis
Schwanendichte am Bodensee nimmt zu – warum man die Wasservögel trotzdem nicht füttern sollte

Die Schwanenpopulation am Bodensee nimmt stark zu. Dies führt zu vermehrten Begegnungen mit den Wildtieren, die auch mal durch Wohnquartiere oder Badis streifen. Trotz der hohen Schwanendichte ist eine Regulierung durch den Kanton ausgeschlossen.

Christoph Thurnherr/FM1 Today
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Die Schwanenpopulation am Bodensee nimmt stark zu.

Die Schwanenpopulation am Bodensee nimmt stark zu.

Bild: Raphael Rohner

Das Rorschacher Schwanenpaar ist bekannt für seinen ungeeigneten Nistplatz, an den es jedes Jahr zurückkehrt. Aufgrund der exponierten Lage neben der Badhütte leidet die Bevölkerung jedes Jahr mit und hofft, dass die jungen Schwäne schlüpfen können. Heuer zerschlug sich diese Hoffnung aufgrund des hohen Wasserstandes schnell.

Letztes Jahr schlüpften neben der Badhütte jedoch mehrere kleine Schwäne, genauso wie in vielen anderen Nestern am Bodensee. Die Population wird immer grösser, wie das SRF Regionaljournal berichtet. Dies zeigen die offiziellen Zahlen: Von 2019 auf 2020 nahm die Anzahl der Wasservögel um ganze 1100 Tiere zu, auf rund 4500.

Schwäne an Land

Naturgemäss kommt es bei einer höheren Anzahl auch zu näherem Kontakt mit den Tieren, die nicht nur für ihr freundliches Gemüt bekannt sind. Vor kurzem verbrachte einer den ganzen Tag auf der Wiese der Badi in Horn und gesellte sich direkt neben die Badegäste. Dieses Tier verhielt sich jedoch friedlich.

«Das ist soweit eine normale Annäherung der Schwäne», sagt Markus Kistler, Amtsleiter der Thurgauer Jagd- und Fischereiverwaltung, gegenüber FM1Today.

«Die Tiere merken, dass ihnen durch die Menschen keine Gefahr droht und sie sogar noch gefüttert werden.»

Noch viel weiter vom Ufer weg begab sich ein anderes Tier auf Futtersuche. Kürzlich watschelte ein Schwan durch ein Wohnquartier in derselben Gemeinde. «Die Schwanendichte am Bodensee ist extrem hoch. Da kann es schon einmal vorkommen, dass sich ein Tier etwas weiter weg vom Ufer begibt.»

Teilweise hausgemachtes Problem

Dass die Schwäne sich in der Bodenseeregion derart ausbreiten, hat verschiedene Gründe. Die Tiere fühlen sich wohl, denn das Nahrungsangebot ist üppig, natürliche Feinde haben sie nicht. Auch nicht den Menschen, die Schwäne sind geschützt.

Vielmehr sind die grossen, weissen Vögel bei der Bevölkerung sogar beliebt. Trotzdem rät Kistler dringend davon ab, sie zu füttern: «Das ist eine Unsitte. Es ergibt keinen Sinn, zusätzliche Nahrung in ein System zu geben, wo bereits ein Überangebot besteht. Zudem lockt das weitere Tiere an und führt zu Konzentrationen. Auch wird oft Brot gefüttert, was für die Tiere nicht optimal ist.»

Darüber hinaus werden die Schwäne, von der Brutzeit (März bis Juni) abgesehen, immer zutraulicher. Dies zeigt das Beispiel aus Horn, wo sich der Schwan bis auf einen Meter neben den Badegästen niederliess. Trotz friedlichem Gebaren mahnt Kistler zur Vorsicht:

«Mit dem Schnabel können sie ordentlich zwicken und ein Flügelschlag kann offene Wunden verursachen.»

Video: FM1Today

Natur reguliert sich selbst

Eine Regulierung der Population durch den Menschen ist ausgeschlossen, dafür gibt es keine rechtliche Grundlage. Und nötig ist sie auch nicht. «Taktgeber ist die Natur. Die Nahrung scheint zwar unbeschränkt verfügbar zu sein, doch die Nistplätze sind es nicht. Und Schwäne neigen durchaus zu Territorialkämpfen», sagt Markus Kistler.

In Zukunft wird es deswegen auch in der Brutzeit Schwäne geben, die solo unterwegs sein werden, da sie nicht nisten können. Spätestens dann stagniert der Bestand. Wann das sein wird, sei schwierig abzuschätzen. Denn gerade dieses Jahr könnten aufgrund des eher hohen Wasserstands weitere Nistplätze erschlossen worden sein, was eine erneute Zunahme ermöglichen könnte.

Das sei jedoch auch nicht weiter schlimm. Denn die vielen Schwäne schaden dem Ökosystem nicht. Im Gegensatz zum Kormoran, der den Fischbeständen im See arg zusetzt.

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