Viel Impfskepsis in Innerrhoden

Das Bundesamt für Gesundheit will die Infektionskrankheit Masern eliminieren. Dafür wäre eine Durchimpfungsrate von 95 Prozent der Bevölkerung nötig. Gewisse Kantone in der Ostschweiz liegen weit hinter den Erwartungen zurück.

Rahel Haag
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Eine Impfung gegen Masern verursacht selten Komplikationen. Wird die Krankheit durchlebt, kann es dagegen zu Hirnhautentzündungen kommen. (Bild: ky/Martin Rütschi)

Eine Impfung gegen Masern verursacht selten Komplikationen. Wird die Krankheit durchlebt, kann es dagegen zu Hirnhautentzündungen kommen. (Bild: ky/Martin Rütschi)

ST. GALLEN. Im vergangenen Jahr hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) die Kampagne «Stopp Masern» lanciert. Die Kampagne strebt bis Ende 2015 eine Durchimpfungsrate von 95 Prozent der Bevölkerung an – und damit eine Elimination der Infektionskrankheit. «Masern sind nicht so harmlos, wie man meint», sagt Markus Betschart, Kantonsarzt des Kantons St. Gallen. Werde die Krankheit durchlebt, könne es zu schweren Komplikationen kommen. «Es kommt relativ häufig zu Lungenentzündungen.» Weitere mögliche Komplikationen sind Mittelohr- oder Hirnhautentzündungen. «Auf 10 000 Erkrankte kommen ein bis drei Todesfälle», sagt Betschart. Die Impfung sei dagegen viel harmloser. Zudem komme es nur selten zu schweren Komplikationen.

«Ein äusserst ehrgeiziges Ziel»

Dennoch liegt die Durchimpfungsrate in der Ostschweiz hinter den Erwartungen zurück. Im Kanton St. Gallen sind etwa 84 Prozent der Kinder im Alter von zwei Jahren geimpft. Im Kanton Appenzell Innerrhoden sind es nur knapp 60 Prozent (siehe Grafik). «Im Kanton Appenzell Innerrhoden herrscht generell eine gewisse Impfskepsis», sagt Martin Würmli, Amtsleiter des Innerrhoder Gesundheitsdepartements. Dies führe zur vergleichsweise tiefen Durchimpfungsrate. Das Ziel einer Masernelimination bis Ende 2015 hält Würmli für äusserst ehrgeizig. Dennoch: «Als Kantone haben wir das Ziel des Bundes nach unseren Möglichkeiten zu unterstützen.»

Wenn es um Masern geht, geniesst die Schweiz in Europa keinen guten Ruf. «Während der Fussball-Europameisterschaft 2008 in der Schweiz und Österreich gab es gleichzeitig eine Masernepidemie», sagt Daniel Koch, Leiter der Abteilung für übertragbare Krankheiten beim BAG. Damals wurden 4400 Masernfälle gemeldet. Das waren mehr Masernkranke als in jedem anderen Land Europas. «Derzeit liegt die Schweiz, was die Zahlen betrifft, im Mittelfeld.» Das soll sich mit der Kampagne ändern. «Derzeit ist es aber noch zu früh, um über die Resultate zu sprechen.» Dazu kommt, dass das BAG die Umsetzung der Kampagne in den Kantonen nicht überprüfen kann.

Gegen Masern wird man als Kleinkind geimpft. Die erste Impfung sollte laut Empfehlung im Alter von etwa 12 Monaten, die zweite im Alter von 15 bis 24 Monaten erfolgen. «Deshalb verschicken wir unter anderem jeden Monat einen Brief an alle Eltern im Kanton, deren Kind ein Jahr alt geworden ist, um sie an die Masernimpfung zu erinnern», sagt Gaudenz Bachmann, Leiter des Amts für Gesundheitsvorsorge des Kantons St. Gallen.

Nur wenige Impfgegner

«Zwei Drittel der Eltern, die ihre Kinder nicht impfen lassen, tun dies nicht bewusst, sondern denken einfach nicht daran», vermutet Betschart. Er schätzt, dass nur rund drei bis fünf Prozent von ihnen eine Impfung tatsächlich ablehnen. «Deshalb sollte es möglich sein, eine Durchimpfungsrate von 95 Prozent zu erreichen.»