Verzögerungen im Thurgau

St. Gallen führt seine Geothermiebohrung zwar fort. Die Thurgauer sind bei ihrem Projekt vorsichtiger geworden.

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Blick von oben auf den St. Galler Bohrturm im Sittertobel. (Bild: Ralph Ribi)

Blick von oben auf den St. Galler Bohrturm im Sittertobel. (Bild: Ralph Ribi)

Die Euphorie bleibt gedämpft: Zwar geht es nach dem Beben vom Juli jetzt weiter mit dem Geothermieprojekt im Sittertobel. Trotz des St. Galler Entscheids vom Dienstag wird sich das im Thurgau geplante vergleichbare Projekt verzögern. Die Vorbereitungen würden vorangetrieben, versichert Markus Schüpbach, CEO des federführenden Elektrizitätswerks des Kantons Thurgau (EKT). Nach ursprünglicher Planung wollte das EKT aber schon im Herbst den Untergrund im Raum Arbon bis Sulgen mit einer 3D-Seismik-Kampagne untersuchen. Die Erkenntnisse sollten helfen, den idealen Standort für ein Geothermiekraftwerk nach St. Galler Vorbild zu finden. «Aus meiner Einschätzung wäre es möglich, dass die Seismik-Kampagne verschoben wird», sagt CEO Markus Schüpbach. «Unser Unternehmen kann nicht ohne detaillierte Untersuchungen und Analysen des Erdbebenvorfalles in St. Gallen einfach sieben Millionen Franken investieren.»

Viele Fragen offen

Vorsichtig geworden ist das EKT nicht nur wegen des Erdbebens, das durch die Bohrung im Sittertobel ausgelöst wurde. Für das EKT bleiben nach dem St. Galler Entscheid vom Dienstag noch viele Fragen offen. In St. Gallen ist nämlich erst entschieden, das bestehende Bohrloch zu stabilisieren und zu prüfen, ob dort überhaupt heisses Wasser in genügender Menge fliesst. «Es ist aber noch kein Entschluss gefallen, das für ein Kraftwerk nötige zweite Bohrloch in Angriff zu nehmen», sagt Schüpbach. Bevor das EKT den nächsten Schritt für sein Projekt in Angriff nimmt, wartet es die weiteren Ergebnisse aus St. Gallen ab.

Dabei interessieren Schüpbach vor allem die Ergebnisse der Produktionstests: Reicht das im Sittertobel geförderte heisse Wasser, um ein Kraftwerk damit zu betreiben? Diese Analyse soll im Sommer 2014 vorliegen. «Wir hoffen nach wie vor auf einen Erfolg in St. Gallen», sagt Schüpbach. Ohne Geothermie werde es schwierig, den Atomausstieg zu meistern. Schüpbach ist denn auch froh über den Entscheid der Stadt St. Gallen, das Projekt im Grundsatz fortzusetzen. «Sonst wäre die Geothermie in der Schweiz auf Jahre vom Tisch gewesen.»

Zusatzschlaufe auch in Etzwilen

Zu einer Verzögerung kommt es auch beim zweiten grossen Geothermieprojekt im Thurgau. In Etzwilen will die Basler Geo Energie Suisse AG ebenfalls ein Erdwärmekraftwerk bauen. Dieses würde aber mit einer anderen Technik arbeiten: Es wäre nicht auf wasserführende Schichten angewiesen, sondern würde Wasser in den trockenen Untergrund pumpen. Ein Gasaustritt, der im Sittertobel zum Beben führte, sei in Etzwilen nicht zu erwarten, sagt Peter Meier, CEO des Unternehmens. Gasvorkommen seien in Sedimentschichten zu erwarten. Das Verfahren von Geo Energie Suisse ziele aber auf das kristalline Gestein. Ausserdem gebe es im Untergrund des nordwestlichen Thurgau keine Störungszone wie unter St. Gallen.

Dennoch legt auch die Geo Energie Suisse AG eine Zusatzschlaufe ein: Anhand der Daten aus St. Gallen will CEO Peter Meier nachweisen, dass das eigene Konzept wirklich aufgeht – etwa, dass der Grad der Erschütterungen tatsächlich davon abhängt, wie viel Wasser mit welchem Druck in welche Fläche im Untergrund gepresst wird. Die Ergebnisse sollen in die Risikostudie für das Etzwiler Projekt einfliessen. Meier rechnet mit einer Verzögerung um ein Quartal.

Christof Widmer