Verzicht auf «4plus5» und neun weitere Punkte: Spitalkonferenz der St.Galler Gemeinden stellt Forderungen in der Spitaldiskussion

Die Gemeinden Altstätten, Flawil, Rorschach, Walenstadt und Wattwil wehren sich gemeinsam gegen die Pläne der Regierung in der Spitalfrage.

Ruben Schönenberger
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Fünf der neun Spitäler stehen auf der Schliessungsliste der St.Galler Regierung. Seit Bekanntwerden dieser Absichten regt sich Widerstand, vor allem in den betroffenen Regionen. Die betroffenen Gemeinden haben sich deshalb zur Spitalkonferenz der St.Galler Gemeinden zusammengeschlossen und wiederholt ihre Kritik an den Plänen der Reigerung geäussert.

Das kritisieren die Gemeindevertreter

Die Vertreter der Spitalkonferenz der St.Galler Gemeinden wiederholten an der Medienkonferenz ihre Kritik an den Plänen der Regierung. Die Strategie sei untauglich, weil sie «bestehende Strukturen, regionalspezifische Versorgungssituationen, schwierige Verkehrswege, volkswirtschaftliche Aspekte und Volksentscheide» ausser Acht lasse, wie der Wattwiler Gemeindepräsident Alois Gunzenreiner zusammenfasste. Die Regierung übernehme das Grobkonzept des Verwaltungsrat der St.Galler Spitalverbünde, ohne über die notwendigen Betriebsdaten zu verfügen.

Die Gesundheits- und Notfallzentren (GNZ) seien bloss Beruhigungspillen, um die von einer Schliessung betroffene Bevölkerung zu beruhigen. In diesen könne keine qualitativ hochstende Medizin angeboten werden, sie seien schon gar nicht überlebensfähig.

Der verfassungsmässige Auftrag einer dezentralen Gesundheitsversorgung könne damit nicht nachgekommen werden. Zudem ignoriere die Regierung auch Volksentscheide von 2014 und schaffe fortlaufend Fakten. Das schade dem Vertrauen in den Staat.

An einer Medienkonferenz am Dienstagnachmittag stellten die Vertreter der Spitalkonferenz nun zehn konkrete Forderungen:

  1. Auf die momentane Strategie «4plus5» sei zu verzichten.
  2. Auf die geplanten Gesundheits- und Notfallzentren (GNZ) sei ebenfalls zu verzichten, diese seien wirtschaftlich nicht überlebensfähig.
  3. Es müsse eine Strategie erarbeitet werden, die über die Kantonsgrenzen blickt.
  4. Alle bisherigen Standorte müssten einbezogen werden.
  5. Auch private Klinikgruppen und deren Angebote seien einzubeziehen.
  6. Es sei eine bedarfsgerechte Gesundheitsversorgung zu schaffen, mit einem starken Zentrumsspital für spezialisierte und hochspezialisierte Leistungen, aber auch mit grundversorgungsorientierten MedPlus-Spitälern.
  7. Mit freipraktizierenden Ärzten seien Kooperationen und Synergien zu suchen.
  8. Regionale Versorgungs- und Notfallkonzepte seien auszuarbeiten.
  9. Es seien MedPlus-Spitäler zu schaffen, die über ein medizinisches Basisangebot verfügen, zusätzlich aber auf den Standort zugeschnittene Angebote aufweisen.
  10. Die Spitäler seien nicht auf Kosten der Patientinnen und Patienten oder der Mitarbeitenden auszubluten.

Basisangebot an allen Standorten aufrechterhalten

Kern dieses Zehn-Punkte-Programms sind die sogenannten MedPlus-Spitäler. Darunter verstehen die Gemeindevertreter ein «einfaches Spital», das der Flawiler Gemeindepräsident Elmar Metzger an der Medienkonferenz näher erläuterte. Dieses umfasse überall ein ambulantes und stationäres Basisangebot, um die wohnortnahe Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen. Ein solches Spital würde auch über einen Operationssaal für ambulante Eingriffe verfügen und spezialärztliche Sprechstunden anbieten. Zudem soll rund um die Uhr eine Notfallversorgung angeboten werden.

Dieses Angebot sei geeignet für Patientinnen und Patienten, «bei denen auf einfache medizinische Probleme, Pflege, psychosoziale Betreuung oder Rehabilitation fokussiert werden kann», wie Metzger erläuterte.

Ergänzt werden soll das Basisangebot durch standortspezifische Zusatzangebote. Beispiele wären die Palliativmedizin in Walenstadt, die Suchttherapie in Wattwil oder Dermatologie in Flawil, wie Roland Sidler, Gemeinderat von Walenstadt, erläuterte.

Ergänzung zu vier Mehrspartenspitälern

Die MedPlus-Spitäler sollen als Ergänzung zu den Mehrspartenspitälern dienen, die von der Regierung auch in der Strategie «4plus5» vorgesehen sind. Es sei aber denkbar, dieses Konzept auch auf weitere Standorte auszudehnen. Zu der Diskussion, ob statt Wattwil Wil geschlossen werden solle, sagte der Wattwiler Gemeindepräsident Gunzenreiner: «Es war nicht die Absicht, die Spitalstandorte auseinanderzudividieren.» Dass es so gekommen sei, sei nicht der Spitalkonferenz oder den betroffenen Gemeinden zur Last zu legen. Es sei vielmehr fast eine logische Konsequenz der von der Regierung gewählten Strategie und des Vorgehens.

Die St.Galler Spitalkonferenz versteht ihr Zehn-Punkte-Programm und insbesondere den Vorschlag eines MedPlus-Spitals als Diskussionsgrundlage und nicht als fertige Strategie. Die Vertreter sind sich aber sicher, dass dieses Vorgehen zu einer Kostenreduktion im Gesundheitswesen führen würde.

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