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VERWALTUNGSGERICHT: Zusammenarbeit war rechtens

Die Baukaderschule hat zwei Diplomarbeiten wegen Austauschs nicht zugelassen – ein unakzeptabler Entscheid.
Olivia Tjon-A-Meeuw

Die zwei Männer rechneten bereits vor drei Jahren damit, ihr Weiterbildungszeugnis als diplomierte Techniker demnächst im Sack zu haben. Immerhin hatten sie den Kurs an der Baukaderschule St. Gallen absolviert und sogar ihre Diplomarbeit eingereicht. Doch dann der Schock: Die Schule lehnte die Arbeiten ab, weil sie nicht eigenständig verfasst worden seien. Das wollten sich die beiden Männer nicht gefallen lassen und legten Beschwerde ein. Sowohl die Schule wie auch das St. Galler Bildungsdepartement entschieden gegen sie, sodass die beiden den Fall bis ans Verwaltungsgericht weiterzogen. Dieses hat nun entschieden, dass die Diplomarbeiten akzeptiert werden müssen.

Die Baukaderschule war der Meinung gewesen, es gebe zwischen den Arbeiten zu viele Gemeinsamkeiten, die beiden hätten offensichtlich zusammengearbeitet. Tatsächlich gaben die beiden Prüfungskandidaten die Zusammenarbeit offen zu. Die Diplomarbeit, deren Aufgabenstellung für alle identisch ist, ist nämlich im Betrieb zu schreiben, und die Männer arbeiten im gleichen Architekturbüro. Sie benutzten Vorlagen, die ihnen dort zur Verfügung standen, und besprachen sich untereinander. In der Tat übernahm einer der Beschwerdeführer sogar Passagen aus der Arbeit seines Kollegen, inklusive Rechtschreibfehler. Der Kollege wiederum liess sich vom Mitschüler Tipps geben und überarbeitete in der Folge einige Teile seiner Arbeit erneut.

Trotz Zusammenarbeit eigenständige Arbeiten

Dass eine Zusammenarbeit bestand, war also unbestritten. Die Frage war nur, wie diese zu bewerten sei. Während die Schule meinte, dass die Vorgaben zum selbstständigen Arbeiten nicht erfüllt seien, argumentierten die Beschwerdeführer, die Arbeiten seien trotz Zusammenarbeit als eigenständig einzustufen. Zudem sei ein Austausch zu erwarten, wenn die Arbeit im Büro geschrieben wird. Auf diesen Standpunkt stellt sich auch das Verwaltungsgericht: «Der Prüfungsmodus ist nicht geeignet, einen solchen Austausch zu verhindern.» Daher sei kein grober Verstoss gegen die Prüfungsdisziplin erkennbar. Die übernommenen Passagen seien nicht signifikant genug, als dass sich ein Ausschluss rechtfertigen liesse.

Möchte die Schule ähnliche Fälle in Zukunft verhindern, so müsse die Prüfungsmodalität geändert werden, schreibt das Verwaltungsgericht. Vorstellbar seien zum Beispiel individuelle ­Aufgabenstellungen oder ein explizites Verbot von Kontaktaufnahmen. GBS-Rektor Lukas Reichle bestätigt, dass die Schule solche Anpassungen ins Auge fassen wird. Konkretes kann er allerdings noch nicht sagen. Damit kommen die beiden Männer mit drei Jahren Verspätung doch noch zu ihrem Diplom: Das Bildungsdepartement wird das Urteil nicht weiterziehen.

Olivia Tjon-A-Meeuw

ostschweiz@tagbatt.ch

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