Verwahrung bleibt – zwangsläufig

Eine 30jährige, geistig behinderte Frau muss weitere fünf Jahre in einer geschlossenen Institution bleiben. Eine geeignete Einrichtung wurde bislang nicht gefunden. Die Frau hatte eine Mitbewohnerin des Ekkharthofs erstochen.

Nicole D'orazio
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KREUZLINGEN. Die Rückfallgefahr ist zu gross. Deshalb hat das Bezirksgericht Kreuzlingen gestern die stationäre therapeutische Massnahme – die sogenannte kleine Verwahrung – für eine 30jährige, geistig behinderte Frau um fünf Jahre verlängert. Das heisst, dass sie in einer geschlossenen Institution bleiben und ihre Therapie fortsetzen muss.

Im Februar 2005 hatte die damals 20-Jährige eine Mitbewohnerin des Ekkharthofs in Lengwil in den Wald gelockt und mit 18 Messerstichen niedergestreckt. Sie hätte Stimmen gehört, die ihr befahlen, sich oder jemand anderen zu töten, sagte sie damals.

Die Frau wurde der vorsätzlichen Tötung schuldig gesprochen und zu sieben Jahren Zuchthaus verurteilt. Sie habe die Tat unter Einfluss einer Psychose begangen, lautete die Begründung des Gerichts. Dazu verfügte es eine ambulante Psychotherapie mit medikamentöser Behandlung während und nach dem Strafvollzug. 2010 wurde diese allerdings nach mehreren Vorfällen in der Strafanstalt Hindelbank in eine stationäre therapeutische Massnahme umgewandelt.

Die Frau und ihr Verteidiger waren mit der Verlängerung einverstanden. Es gehe ihr den Umständen entsprechend gut, sagte sie. Sie habe gelernt, mit ihren Stimmungsschwankungen umzugehen, habe Strategien entwickelt und wisse, wann sie Hilfe benötige. «Ich fühle mich gesünder als vor fünf Jahren.»

Hoffnung auf ein Wohnheim

Derzeit wartet sie im Kantonalgefängnis in Frauenfeld auf einen Platz in einer psychiatrischen Klinik und hofft, später in ein Wohnheim wechseln zu können. «Am besten wäre für mich eine Gruppe mit anderen Menschen mit einer psychischen Störung, die aber nicht zu stark behindert sind», sagte sie. Denn ein Versuch in einer Wohngruppe der Stiftung Mansio in Münsterlingen war gescheitert. Sie habe nicht in die Gruppe gepasst, sagte sie. In der Wohngruppe war es zu einer Eskalation zwischen der Frau und einem Mitbewohner gekommen, berichtete ein Zeuge dem Gericht. «Sie sagte: <Ich hole ein Messer und schlachte dich ab.> Das war für uns bei ihrer Vorgeschichte ein zu grosses Risiko.»

Hindelbank keine Lösung

Die richtige Unterbringung der Frau bleibt ein Dilemma. Keiner der vier Zeugen konnte eine passende Institution nennen. Nach Hindelbank kann sie nicht zurück. Dort war sie in der kleinsten Gruppe im Hochsicherheitstrakt untergebracht, wo es ihr lange gut ging. Doch die Zusammensetzung hatte sich verändert. Es kamen kognitiv stärkere Frauen hinzu, und die Frau fühlte sich ausgeschlossen, was zu Aggressionen, Eskalationen und Selbstmorddrohungen führte. «Sie hatte viele stabile Phasen», sagte ihre frühere betreuende Psychologin der Anstalt Hindelbank. «Bei Überforderung kommt es aber immer wieder zu Krisen und alles zerfällt.» Die Frau benötige eine stärker stützende Therapie, viel Aufmerksamkeit und enge Rahmenbedingungen, meinte die Zeugin.

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