VERUNFALLT: Mehr Tote in den Bergen

Im Jahr 2016 starben zwölf Berggänger in der Region St.Gallen. Die Zahl an Todesfällen hat in den letzten Jahren zugenommen.

Lisa Wickart
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Das Alpinkader der Kantonspolizei St. Gallen musste im Winter acht Mal ausrücken. (Bild: Kapo SG)

Das Alpinkader der Kantonspolizei St. Gallen musste im Winter acht Mal ausrücken. (Bild: Kapo SG)

Lisa Wickart

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@tagblatt.ch

«Die Zahl der Todesfälle in den st.-gallischen Bergen nimmt zu», sagt Gian Andrea Rezzoli, Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen. Die Zahlen aus dem Jahr 2016 kommen dem Rekordjahr 2015 sehr nahe. Letztes Jahr wurden 14 Todesfälle im Kanton St.Gallen verzeichnet. «Bis jetzt sind im Jahr 2016 zwölf Leute in den Bergen gestorben», sagt Rezzoli. 2011 waren es noch fünf. Über die Hälfte der Toten seien Wanderer gewesen.

Smartphones machen Wanderer flexibler

«Über die Gründe kann ich nur mutmassen. Es ist ein Trend hin zum Alpinismus bemerkbar. Dies kann damit zusammenhängen, dass Tourenvorschläge und Informationen einfach über das Internet beschafft werden können.» Früher hätten sich Ausflügler mit Fachliteratur und Karten auf die Wanderung vorbereitet und Angehörigen mitgeteilt, welche Route gegangen wird. Heutzutage sei man durch das Smartphone flexibler. Immer und überall können Informationen abgerufen werden. Da könne sich dann die Route unterwegs noch ändern. Daher sei es schwieriger, Vermisste zu finden. Alle verunglückten Personen waren alleine unterwegs. Dies erschwerte die Suche zusätzlich. Auch das Wetter spielt eine grosse Rolle. «Schönwetterperioden sind in unseren Zahlen deutlich erkennbar», sagt Armin Grob, Präsident der Alpinen Rettung Ostschweiz. Die meisten Einsätze würden im Juli und August stattfinden.

Im Jahr 2016 starben sieben Wanderer, eine Person kam durch einen Skiunfall um, jemand wurde von einer Lawine verschüttet, ein Mann stürzte beim Klettern ab und zwei Leute begingen Suizid. Sieben Berggänger starben im Sommer, fünf im Frühling und je einer im Herbst und im Winter. Der erste Todesfall des Jahres ereignete sich am 4. Februar. Ein 47-jähriger Skifahrer rutschte in Unterwasser auf der Piste weg und fiel das steile Gelände hinab. Er blieb schwer verletzt liegen und verstarb noch an der Unfallstelle. Am 23. Mai wurde ein 67-jähriger Wanderer tot in einem Bach in Quarten gefunden. Die Retter entdeckten ihn anlässlich einer gross angelegten Suchaktion. Der Mann war zuvor von seiner Frau als vermisst gemeldet worden. Er war während des Wanderns abgestürzt. Der letzte Todesfall ereignete sich im September. Ein 47-jähriger Österreicher stürzte während einer Wanderung in einen Bach in Amden.

Insgesamt 25-Mal ausgerückt

An allen tödlichen Unfällen arbeitete das Alpinkader der Kantonspolizei St.Gallen mit der Schweizerischen Rettungsflugwacht (Rega) oder anderen Rettungsdiensten zusammen. «Das Alpinkader hat dieselbe polizeiliche Arbeit wie alle anderen Polizisten, nur an einem anderen Ort», so Rezzoli. Die alpinen Spezialisten helfen teilweise bei der Bergung und rapportieren den Unfall. Das Alpinkader musste insgesamt 25 Mal ausrücken. 17 Mal war das Kader im Sommer im Einsatz. Im Winter rückten die Spezialisten achtmal aus.