Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

VERTRAUENSVERLUST: Schummel bei Postauto: Könnte auch in die Ostschweiz Geld zurück fliessen?

Insgesamt bis zu 25 Millionen bezahlten die Ostschweizer Kantone in den letzten Jahren an die Postauto AG. Nachdem bekannt wurde, dass diese jahrelang geschummelt hat, beginnt das grosse Rechnen: Wer erhält wie viel zurück?
Kaspar Enz
Die Postauto AG verlangte für ihre Fahrten jahrelang zu viel Subventionen. (Bild: Benjamin Manser)

Die Postauto AG verlangte für ihre Fahrten jahrelang zu viel Subventionen. (Bild: Benjamin Manser)

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier: <strong style="margin: 0px; padding: 0px; vertical-align: baseline; border: none; outline: 0px; background: transparent;"><em style="margin: 0px; padding: 0px; vertical-align: baseline; border: none; outline: 0px; background: transparent;">www.tagblatt.ch/epaper</em></strong>

78 Millionen, vielleicht mehr, so viel hat sich die Postauto AG über Jahre erschummelt. Mit Buchhaltungstricks erreichte die Post-Tochter, dass ihr Bund und Kantone zu viele Subventionen bezahlten. Bei welchen Linien die Postauto AG so zu viel verrechnete, ist noch nicht klar. Aber Bund und Kantone sollen das erschummelte Geld zurückbekommen. Auch in die Ostschweiz könnte Geld zurück fliessen.

Komplexes Subventionssystem

148 Buslinien gibt es insgesamt im Kanton St. Gallen, rechnet man die Stadtbusse von St. Gallen, Wil und Rapperswil mit. Über einen Drittel davon fährt die Postauto AG. Regelmässig werden die Linien ausgeschrieben. Dazu reichen die Busbe­triebe Offerten ein, wie viel der Betrieb der Strecke mit der gewünschten Fahrplandichte kosten dürfte, und wie viel davon mit Billetteinnahmen gedeckt wird. Dieser Kostendeckungsgrad liegt im Durchschnitt bei rund 50 Prozent. Damit sie eine Linie längerfristig betreiben, verlangen die meisten Kantone einen gewissen Minimalwert. Für den Rest kommen Bund und Kantone auf. Hier hat die Postauto AG offenbar geschummelt: Sie wies zu hohe Kosten aus – das Defizit war nicht so hoch wie das, das die Steuerzahler deckten. Wie die Transportunternehmen ihre Offerten ausrechnen, darüber habe der Kanton aber kaum Kontrolle. «Die Finanzierung des Öffentlichen Verkehrs ist kompliziert», sagt Patrick Ruggli, Leiter des Amtes für Öffentlichen Verkehr im Kanton St. Gallen. Offensichtlich kompliziert genug, dass der Betrug seitens der Postauto AG lange nicht bemerkt wurde.

Bei welchen Kostenrechnungen die Postauto AG genau trickste, und um wie viel Bund und Kantone damit geprellt wurden, muss nun geklärt werden. 2007, als die Tricksereien begannen, zahlte der Kanton St. Gallen jedenfalls rund 10 Millionen Franken an Postauto, 2015, dem letzten Jahr, in dem Abweichungen festgestellt wurden, knapp 15 Millionen. Hat die Postauto AG auch im Kanton St. Gallen um rund drei Prozent zu viel einge­zogen, sind das 300000 bis 450000 Franken pro Jahr. Eine schöne Stange Geld. Keine riesigen Beträge, sagt Ruggli. «Aber genug für einen riesigen Vertrauensverlust.»

Das System ist kompliziert, und das Vertrauen beschädigt. Aber ohne Subventionen funktioniere der öffentliche Verkehr nicht, sagt Stefan Thalmann, Leiter Öffentlicher Verkehr beim Thurgauer Volkswirtschaftsdepartement. Keine Buslinie sei selbsttragend, auch wenn es nicht immer so aussieht: Die Buslinien zwischen St. Gallen und Arbon transportieren jährlich rund 1,2 Millionen Passagiere, aber auch sie braucht Subventionen. «Was der Kunde sieht ist der volle Bus zur Stosszeit. Doch die Busse fahren während des ganzen Tages.»

Gut drei Prozent ihrer Strecken fährt die Postauto AG im Thurgau. «Wenig für sie, viel für uns», sagt Stefan Thalmann. Wie hoch die Abgeltungen ans Postauto betragen, gibt das Amt nicht bekannt. Zwischen 2007 und 2015 zahlte der Kanton aber jeweils zwischen acht und zehn Millionen an Busunternehmen. Und «Postautos erbringen 70 Prozent der Busleistungen.» Der Kanton dürfte also jährlich fünf bis sieben Millionen an Postauto gezahlt haben.

Im Appenzellerland wichtig

Zwischen fünf und sechs Millionen kostete über die fraglichen Jahre die Abgeltung von Bus­linien in Ausserrhoden. Und die Postauto AG ist nach den Appenzeller Bahnen das wichtigste öffentliche Transportunternehmen im Kanton, sagt Lukas Gunzenreiner, Sekretär des Ausserrhoder Departements für Bau und Volkswirtschaft. Abzüglich des Bundesanteils bezahlte Ausserrhoden rund zwei Millionen Franken jährlich an die Postauto. Für die acht Linien in Innerrhoden fliessen jährlich rund 1,8 Millionen Franken. Hier trägt der Bund aber einen höheren Anteil. Innerrhoden zahlte jährlich rund 500000 Franken.

Zwischen 18 und 25 Millionen Franken flossen also jährlich an die Postauto AG. Hat das Unternehmen auch hier drei Prozent zu viel verrechnet, hiesse das: Pro Jahr schulden die gelben Busse der Ostschweiz mindestens eine halbe Million.

"Post-Chefin Susanne Ruoff müsse wegen der Buchhaltungstricks bei Postauto den Sessel räumen", sagt Compliance-Expertin Monika Roth. Lesen Sie

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.