Versprayt, demoliert, angezündet

Vandalen, die ihre Zerstörungswut an Radarkästen auslassen, kosten die Ostschweizer Kantone teures Geld. Allein im Kanton St.Gallen rechnen die Verantwortlichen für dieses Jahr mit Schäden von über 200'000 Franken.

Daniel Walt
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Drei im Kanton St.Gallen beschädigte Radaranlagen. (Bild: Kapo SG)

Drei im Kanton St.Gallen beschädigte Radaranlagen. (Bild: Kapo SG)

Gleich zwei Fälle von Vandalismus an Radargeräten machten in der Ostschweiz in den letzten Tagen Schlagzeilen. Am vergangenen Wochenende versprayten Unbekannte einen Blitzerkasten in Berneck. Eine Woche zuvor war bereits die Glasscheibe eines Blitzers in Amriswil demoliert worden. Waren Nachtbuben am Werk? Wollten Radargegner ein Zeichen gegen Tempomessungen setzen? Oder liessen gar Raser, die zuvor geblitzt worden waren, ihre Wut an den Geräten aus? Die Antwort ist offen: In beiden Fällen fehlt jede Spur von den Tätern.

Riesenschaden in Uznach
"Dieses Jahr werden die Schäden an unseren Radaranlagen die Summe von 200'000 Franken übersteigen", sagt Hanspeter Krüsi, Kommunikationschef der St.Galler Kantonspolizei. Über 150'000 Franken davon betreffen einen einzigen Fall: Unbekannte hatten Ende September in Uznach einen Blitzerkasten angezündet. Ebenfalls zum gängigen Repertoire gehört laut Krüsi das Versprayen beziehungsweise Verschmieren von Radaranlagen. "Zudem kommt es auch vor, dass die Glasscheiben der Geräte eingeschlagen werden", hält er fest.

Wenn Gewalt nichts nützt
Der Vandalismus am Blitzerkasten in Uznach Ende September erinnert in seinem Ausmass an einen Vorfall, der vor fünf Jahren Schlagzeilen machte. In Teufen demolierte ein Mann eine Radargerät mit Werkzeugen und legte mit einem Brandbeschleuniger Feuer. Dies, nachdem er zuvor mit Tempo 117 statt 80 geblitzt worden war. Er konnte schliesslich identifiziert werden, weil die aufgezeichneten Daten ausgewertet werden konnten. Hanspeter Krüsi bestätigt, dass Raser grundsätzlich schlechte Chancen haben, einen Tempoexzess ungeschehen zu machen, indem sie den Radarkasten zerstören: "Bei vielen Geräten werden die Daten online übermittelt und von uns verwaltet, sind also schon andernorts gespeichert, wenn der Kasten zerstört wird." Hingegen ist es laut Krüsi Fakt, dass die Aufklärungsquote von Vandalenakten bei Radaranlagen generell eher tief ist.

Alarm bei der Polizei
Matthias Graf, Sprecher der Kantonspolizei Thurgau, berichtet seinerseits von einem guten Dutzend beschädigter Radaranlagen seit 2010 – die meisten wurden besprayt, oder eine Scheibe wurde eingeschlagen. Den Schaden, der dadurch entstanden ist, beziffert er auf mehrere tausend Franken. Dies, während Hanspeter Saxer von der Ausserrhoder Kantonspolizei von durchschnittlich einem Fall pro Jahr spricht. Wie andere Korps hat auch die Kantonspolizei Appenzell Ausserrhoden bei Patrouillenfahrten ein Auge auf die Radarkästen. Steht ein Blitzer in Flammen, kann es gemäss Hanspeter Krüsi vorkommen, dass Automobilisten die Polizei benachrichtigen. Zudem gibt es Radaranlagen, die bei Vandalismus einen Alarm bei der Polizei auslösen.

"Lassen uns nicht erpressen"
Für Hanspeter Krüsi von der St.Galler Kantonspolizei ist klar: Die Beschädigungen von Radaranlagen dürften in den nächsten Jahren tendenziell zunehmen – "wir betreiben im Kanton St.Gallen mittlerweile ja auch zusätzliche Messgeräte". Eins macht er aber deutlich: Radargegner, die glauben, mit Vandalenakten Einfluss auf die Standortwahl der Polizei nehmen zu können, irren. "Wir lassen uns nicht erpressen", sagt er. In diesem Zusammenhang erwähnt er auch, dass die St.Galler Kantonspolizei die Diskussion um eine allfällige Videoüberwachung von Radaranlagen aufmerksam verfolgt, die andernorts läuft. Matthias Graf von der Kantonspolizei Thurgau seinerseits sagt, diese Frage werde im Korps derzeit diskutiert – "entschieden ist aber noch nichts". Gar keine Gedanken über eine Videoüberwachung von Radarkästen braucht sich hingegen der Kanton Appenzell Innerrhoden zu machen: Dort sind Vandalenakte nämlich kein Thema. "Und zwar weil wir keine festen Radarstandorte haben - bei den mobilen Kontrollen sind immer Polizisten in der Nähe", sagt Sprecher Paul Broger.