«Vernünftig», «Daneben», «Schwachsinn»: Was Passanten am St.Galler Hauptbahnhof zur Maskenpflicht in Bahn, Bus und Postauto sagen

Ab Montag müssen Passagiere im öffentlichen Verkehr eine Maske tragen. Die Meinungen über Sinn und Unsinn dieses Bundesrats-Entscheids gehen weit auseinander, wie eine Umfrage zeigt. Die einen haben viel Verständnis, andere sehen die Massnahme kritisch oder finden sie absurd.

Daniel Walt
Drucken
Teilen
Im ÖV nicht mehr ohne: Ab Montag gilt Maskenpflicht.

Im ÖV nicht mehr ohne: Ab Montag gilt Maskenpflicht.

Keystone

«Ich habe keine Angst vor dem Tod.» Das sagt Kurt Heusser aus Bühler. Der 85-Jährige hat seit Ausbruch der Coronakrise ein einziges Mal eine Maske getragen: Bei einem Coiffeurbesuch, weil es dort so erwünscht war. Was sagt er zum Entscheid des Bundesrates, dass im öffentlichen Verkehr ab kommendem Montag ein Masken-Obligatorium herrscht? Er sei weder Arzt noch Virologe und wisse nicht, was hinter diesem Beschluss stecke, antwortet er. «Vielleicht die Industrie, die ihre Masken verkaufen will? Ich durchschaue es nicht.» Eines wisse er jedenfalls, so Heusser:

«Mein Hausarzt trägt nie eine Maske. Er sagt, das bringe überhaupt nichts.»
Kurt Heusser (85), Bühler.

Kurt Heusser (85), Bühler.

Bild: dwa

Er frage sich vor allem, wie das Durchsetzen der Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr funktionieren solle und wer Leute rauswerfe, die sich nicht daran hielten, so Kurt Heusser weiter.

Der Senior selbst ist Besitzer eines Generalabonnements. Ob er sich ab Montag bei seinen Fahrten tatsächlich eine Maske anziehen wird, weiss er noch nicht: «Ich schaue mal, was die anderen machen, und richte mich dann danach.»

«Wichtig, andere nicht anzustecken»

Die 17-jährige Alison Werne aus Abtwil befürwortet die Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr. Dies im Gegensatz zu vielen ihrer Kolleginnen und Kollegen: «Sie finden Masken doof, weil man damit nicht so gut aussieht. Dabei ist doch einzig wichtig, dass man gesund bleibt und andere Menschen nicht ansteckt», sagt Werne. Sie arbeitet in der Pflege, weshalb sie um die Gefährlichkeit des Coronavirus wisse, erklärt sie. Alison Werne hat denn auch immer eine Maske dabei. Sie setzt sie jeweils dann auf, wenn viele Leute im Zug oder im Bus sind.

Alison Werne (17), Abtwil.

Alison Werne (17), Abtwil.

Bild: dwa

Forderungen, die Maskenpflicht auch auf Läden auszuweiten, erteilt Alison Werne eine Absage: «Man sollte eher die Anzahl Menschen etwas reduzieren, die sich gleichzeitig in einem Geschäft befinden dürfen.»

Der gesunde Menschenverstand

«Grundsätzlich ist mir die Vorstellung unangenehm, ab Montag im öffentlichen Verkehr immer eine Maske tragen zu müssen», sagt Thomas Lüchinger. Der 66-Jährige aus Lustmühle sagt, er empfinde die Masken als unbequem. Zudem bedauert er es, wenn man seine Mitmenschen nur noch mit Masken sieht.

«Aber ich verstehe, dass der Bundesrat seine Verantwortung wahrnehmen muss im Sinne des Wohlergehens der Gesamtbevölkerung.»

Das führe jetzt halt dazu, dass man aus Solidaritätsgründen wohl oder übel eine Zeitlang auf gewisse individuelle Freiheiten verzichten müsse.

Thomas Lüchinger (66), Lustmühle.

Thomas Lüchinger (66), Lustmühle.

Bild: dwa

Zu Forderungen, die Maskenpflicht auch auf Geschäfte auszuweiten, sagt Thomas Lüchinger: «Ich finde es ganz wichtig, dass man einerseits solidarisch ist, andererseits aber das Mass und den gesunden Menschenverstand nicht verliert.» Es gehe darum, immer wieder neu auszutarieren, was sinnvoll und was eine Überreaktion sei.

«In Clubs sind Abstände geringer als in Bahn und Bus»

Eine 68-jährige Frau aus dem Rheintal beginnt mitzudiskutieren. Sie findet die Maskenpflicht «daneben» und ärgert sich:

«Wir Passagiere müssen jetzt Masken tragen. In den Clubs hingegen passiert nichts, obwohl die Abstände dort geringer sind als in Bahn und Bus.»

Das Mindeste, was die Seniorin erwartet, wäre die Gratis-Abgabe von Masken an die Passagiere. «Die Nationalräte bekommen vermutlich schachtelweise Masken für sich und ihre Familie!» Die Besitzerin eines Generalabonnements will ab kommendem Montag vermehrt mit dem Auto unterwegs sein, um sich keine Maske aufsetzen zu müssen.

Auch ein jüngerer Mann will seinen Namen nicht im Artikel lesen. Er hat mehr Verständnis für die Maskenpflicht: Man sehe, was in anderen Ländern passiert sei, hält er fest. Wenn Züge oder Busse überfüllt seien, könne es dort genauso zu Ansteckungen kommen wie zuletzt in Clubs.

«... dann soll man Clubs wieder schliessen»

Willi Künzler (77), Abtwil.

Willi Künzler (77), Abtwil.

Bild: dwa

Willi Künzler aus Abtwil hält den Bundesratsentscheid ebenfalls für vernünftig. «An die bisherige Empfehlung hat sich ja praktisch niemand gehalten!» Er selbst zieht sich immer eine Maske an, wenn es irgendwo zu viele Leute hat. Der 77-Jährige findet allerdings, dass nicht nur im öffentlichen Verkehr, sondern auch bei den Clubs durchgegriffen werden muss:

«Wenn sie sich nicht an die Regeln halten, soll man sie wieder schliessen.»

«Letztlich ist es egal, wo man ist»

«Mein erster Gedanke war: ‹Das hätte man früher machen sollen!›» Dragana Baric aus St.Gallen hat grundsätzlich nichts gegen die vom Bundesrat beschlossene Maskenpflicht. Sie bezweifelt allerdings stark, dass die Massnahme etwas bringt. «Nur im öffentlichen Verkehr auf Masken zu setzen, wenn gleichzeitig Bars und Clubs wieder offen sind und dort keine Masken getragen werden müssen: Das ist Schwachsinn», hält sie fest. Es sei letztlich egal, wo man sei – man stecke sich ja so oder so mit dem Coronavirus an.

Dragana Baric (25), St.Gallen.

Dragana Baric (25), St.Gallen.

Bild: dwa

Die 25-Jährige trug zu Beginn der Coronakrise teilweise eine Maske. Mittlerweile verzichtet sie darauf. «Ich bin überzeugt: Gott entscheidet, ob ich mich mit dem Coronavirus anstecken werde oder nicht.»

Mehr zum Thema