Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

VERKEHRSREGELN: Kampfzone Trottoir

Jüngere Kinder sollen künftig auf dem Trottoir Velo fahren dürfen. Doch Ostschweizer Verbände wehren sich gegen solche Ausnahmen. Sie wollen die Gemeinden in die Pflicht nehmen.
Michael Genova
Bislang dürfen nur Kinder bis sechs Jahre auf dem Trottoir fahren – der Bund will diese Regel nun lockern. (Bild: imago)

Bislang dürfen nur Kinder bis sechs Jahre auf dem Trottoir fahren – der Bund will diese Regel nun lockern. (Bild: imago)

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier: www.tagblatt.ch/epaper

Velofahren auf dem Trottoir wäre eigentlich verboten. Dennoch erlauben viele Eltern ihren Kindern, gegen diese Regel zu verstossen – und nehmen bewusst eine Busse in Kauf. Das Bundesamt für Strassen (Astra) will nun erlauben, was längst Realität ist. Kinder bis zehn sollen künftig auf dem Trottoir Velo fahren dürfen, wenn weder Radweg noch Velostreifen vorhanden sind.

Das Astra rechnet allerdings auch mit Widerstand gegen diese Idee, wie ein Sprecher diese Woche Radio SRF sagte. Ostschweizer Interessenverbände äussern sich bereits kritisch. «Wir sollten kein Tor für weitere Ausnahmen aufmachen», sagt Daniel Rüttimann vom Verband Fussverkehr St. Gallen, der sich für eine fussgängerfreundliche Verkehrsgestaltung einsetzt. Es existiere schon länger eine Tendenz, dass immer mehr Fahrzeuge auf dem Trottoir fahren. Als Beispiele nennt er elektrisch betriebene Trottinette oder erste Tests mit Lieferrobotern in der Stadt Zürich.

Druck auf Gemeinden könnte sinken

Ziel müsse es sein, Fussgängern und Velofahrern ihre jeweils eigenen Räume zu geben, sagt Rüttimann. Dass jüngere Kinder mit dem Velo aufs Trottoir ausweichen, zeige vor allem, dass der Strassenraum für Velos insgesamt noch zu unsicher sei. Eltern empfiehlt Rüttimann deshalb, sich in ihren Gemeinden für sichere Schul- und Velowege stark zu machen.

Auch die VCS-Sektion St. Gallen/Appenzell ist nicht wirklich glücklich über die Pläne des Astra. «Wir setzen uns dafür ein, dass Velostreifen flächendeckend eingezeichnet werden», sagt Co-Präsidentin Doris Königer. Sie befürchtet, dass im Falle einer Lockerung des Fahrverbots auf Trottoirs der Druck auf die Gemeinden abnehmen würde, finanzielle Mittel in sichere Schulwege zu investieren. Um die Sicherheit der Kinder zu erhöhen, brauche es nämlich Tempo-30-Zonen in Wohnquartieren, übersichtliche Kreuzungen und Velostreifen auf Hauptstrassen. Aber auch die Schülerinnen und Schüler trügen eine Verantwortung und müssten sich im Strassenverkehr gut sichtbar machen: mit einem funktionierenden Velolicht, heller Kleidung und reflektierenden Streifen.

VCS-Präsidentin Doris Königer stellt darüber hinaus grundsätzlich die Frage, ob Kinder unter zehn Jahren schon in der Lage sind, alleine mit dem Velo zur Schule zu fahren. Dies hänge stark von der Art und der Länge des Schulwegs ab, ist sie überzeugt. «Ich habe meine Tochter jeweils begleitet, wenn sie mit dem Velo in der Stadt St. Gallen unterwegs war.»

Als «grundsätzlich gut» bezeichnet Eddie Kessler, Sicherheitsbeauftragter von Pro Velo Thurgau, die neue Verkehrsregel des Astra. Damit werde ein weit verbreitetes Verhalten entkriminalisiert. Sein Verband organisiert regelmässig Velokurse für Eltern und Kinder. Deshalb wisse er, dass viele Eltern Angst hätten, ihre Kinder alleine auf die Strasse zu lassen. Dazu kommt: «Viele Kinder sind von der Entwicklung her noch nicht so weit, dass sie Gefahren richtig einschätzen können.» Doch selbst auf dem Trottoir lauern laut Kessler Gefahren. Zum Beispiel durch ein- oder abbiegende Autos.

Ab sechs müssen Kinder auf die Strasse

Zurzeit dürfen Kinder im vorschulpflichtigen Alter laut Gesetz mit Kindervelos und anderen fahrzeugähnlichen Geräten wie Trottinetten das Trottoir benutzen. Kinder ab sechs Jahren hingegen müssen mit ihrem Velo auf den öffentlichen Strassen fahren. «Das ist viel zu früh», findet Kessler. Auch Pro Velo setzt sich deshalb für die Verbreitung von Velostreifen und Velowegen ein. Nicht immer seien diese allerdings so gebaut, dass auch Sechs- bis Zehnjährige problemlos darauf fahren können. «Velowege müssen für Kinder intuitiv verständlich sein», fordert Kessler. Andere Länder wie Holland seien da schon viel weiter.

Die neuen Regelungen für Velofahrer (siehe Kasten) sind Teil eines Massnahmenpakets, das im kommenden Jahr in die Vernehmlassung gehen soll. Erst danach wird der Bundesrat entscheiden, ob die Regeln definitiv eingeführt werden.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.