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VERKEHR: Einfachere Billette statt viele Apps gefordert

App-Entwickler buhlen um Bahnkunden. Neuster Trend: Statt vorab ein Ticket zu lösen, meldet man sich vor dem Einsteigen per Handy an und beim Aussteigen wieder ab – nun sogar automatisiert, wie bei der Südostbahn. Kundenvertreter sind skeptisch.
Conradin Knabenhans
Per Funktechnik wird automatisch erkannt, wo die Reise beginnt und wo sie endet. (Bild: Manuela Matt)

Per Funktechnik wird automatisch erkannt, wo die Reise beginnt und wo sie endet. (Bild: Manuela Matt)

Nie mehr vergessen, ein Bahnbillett zu lösen, nie mehr im Voraus entscheiden, wohin man fährt. Die Südostbahn (SOB) will mit ihrer Handyapp Abilio das bekannte Ticketlösen auf den Kopf stellen. Der Clou: Das Handy merkt automatisch, wenn der Bahnkunde in einen Zug einsteigt. Bei vergleichbaren Angeboten musste der Kunde bisher seine Fahrt aktiv per Knopfdruck starten und beenden.

Das gestern präsentierte neue Angebot der SOB hat aber gleich mehrere Haken. Es funktioniert nur in Zügen der Südostbahn selbst und gültige Verbund-abos können derzeit noch nicht hinterlegt werden. Sprich: Die App ist höchstens für Gelegenheitsnutzer attraktiv.

Pro Bahn kritisiert Wildwuchs

Die Verbundsgrenzen sind ein Problem, das auch andere App-Hersteller noch nicht gelöst haben. Neben Abilio buhlen rund ein halbes Dutzend Apps um die Gunst der Kunden bei der neuen Art des Ticketlösens. Die Kundenorganisation Pro Bahn steht nicht zuletzt deshalb dem App-Wildwuchs kritisch gegenüber. «Die ÖV-Branche muss mit Hochdruck das Tarifsystem so vereinfachen, dass alle Bahnkunden profitieren können – nicht nur die App-Nutzer», sagt Präsidentin Karin Blättler. Die Südostbahn, aber auch die Entwickler von Konkurrenz-Apps wie Fairtiq oder Lezzgo halten dagegen, die Apps würden das Reisen vereinfachen, weil der Kunde immer vom günstigsten Preis profitiere – etwa dann, wenn alle Fahrten zu einer günstigeren Tageskarte kumuliert werden. Aber auch hier ist die Präsidentin von Pro Bahn skeptisch. Bei den vielen neuen Apps werden die ÖV-Fahrten erst im Nachhinein abgerechnet. Das sei für den Kunden ein Blindflug: «Man muss doch wissen, was die Fahrt kostet.» Sie propagiert ein System ähnlich einem Taxameter, das während der Fahrt die Kosten laufend aktualisiere.

Innovation braucht Tests

In der Schweiz stellt der ÖV-Verein CH-direct sicher, dass mit einem einzigen Fahrausweis die meisten öffentlichen Verkehrsmittel im Land benutzt werden können. Geschäftsleitungsmitglied Susanne Grün kontert die Kritik des App-Wildwuchses. «Wir müssen zulassen, dass die Verkehrsbetriebe und Tarifverbünde eigene Apps testen.» Sie verspricht sich damit Innovation für Branche und Kunden. «Im Zeitraum bis 2025 wird sich sicher einiges tun.»

Die Südostbahn sagt, der Billettkauf dürfe nicht isoliert betrachtet werden. Wichtiger sei die Gesamtmobilität. Hier wolle man mit Abilio ansetzen.

Conradin Knabenhans

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