Vergewaltigung bestritten

Ein 29jähriger Türke hat an Schranken bestritten, eine Bekannte vergewaltigt zu haben. Das Kreisgericht verurteilte ihn zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 36 Monaten.

Claudia Schmid
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Die junge Frau und ihr Bekannter trafen sich im September 2011 zufällig im Ausgang und vereinbarten, beim Beschuldigten einen Joint zu rauchen. Dort sei er plötzlich sehr aggressiv geworden, habe sie an den Haaren gezogen, geschlagen, gewürgt und vergewaltigt, erzählte das Opfer unter Tränen in der Befragung am Kreisgericht St. Gallen. Sie habe mehrmals gesagt, er solle aufhören.

Aus Rache gehandelt

Die Staatsanwaltschaft klagte den 29jährigen Türken wegen Vergewaltigung, mehrfacher sexueller Nötigung, einfacher Körperverletzung, Vergehens gegen das Betäubungsmittelgesetz und anderer Delikte an. Sie forderte eine Freiheitsstrafe von 46 Monaten und eine Busse. Die Rechtsvertreterin der Privatklägerin beantragte für ihre Mandantin eine angemessene Genugtuungssumme nach richterlichem Ermessen, mindestens aber 20 000 Franken.

Der Beschuldigte bestritt den Vorwurf der Vergewaltigung vehement. Seine Bekannte habe ihn angezeigt, weil er sie abgewiesen habe. Er habe ihr gesagt, dass er nie wieder mit ihr Verkehr haben wolle, da er seine Freundin nicht mit einer Geschlechtskrankheit anstecken wolle.

Die Verletzungen habe sie sich selber zugefügt, so der Beschuldigte. Sie habe um sich geschlagen und sich auf den Boden geworfen. Während des Streits habe er ihr lediglich eine Ohrfeige gegeben. Die Genugtuungsforderung akzeptiere er auf keinen Fall. An der Forderung erkenne man, dass es der Frau nur darum gehe, finanziellen Profit aus den Vorwürfen zu ziehen.

Freisprüche gefordert

Der Verteidiger verlangte in allen Anklagepunkten einen Freispruch. Der 29-Jährige sei wegen einfacher Tätlichkeit schuldig zu sprechen, jedoch sei auf eine Bestrafung zu verzichten. Das Kreisgericht St. Gallen sprach den türkischen Staatsangehörigen schliesslich vom Vorwurf der Vergewaltigung frei. Auch betreffend der Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz kam es wegen Verjährung zu einem Freispruch.

Hingegen erklärte das Richtergremium ihn der mehrfachen sexuellen Nötigung und der einfachen Körperverletzung schuldig. Es verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von 36 Monaten und zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 60 Franken. Von der Freiheitsstrafe sind zwölf Monate vollziehbar.

Bei 24 Monaten wird der Vollzug unter Ansetzung einer Probezeit von vier Jahren aufgeschoben. Eine früher bedingt ausgesprochene Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu 50 Franken muss der Beschuldigte wegen des erneuten Strafverfahrens bezahlen.

Genugtuung zugesprochen

Dem Opfer hat er eine Genugtuung von 14 000 Franken zu bezahlen. Die Kosten des Verfahrens belaufen sich auf rund 42 000 Franken. Der Beschuldigte muss vier Fünftel des Betrages bezahlen, der Rest trägt der Staat. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.