Vergewaltiger will nicht in stationäre Therapie

Claudia Schmid
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Rheintal/St. Gallen Ein wegen Vergewaltigung verurteilter Mann will am Kantonsgericht St. Gallen eine mildere Strafe erwirken. Das Kreisgericht Rheintal hatte ihn im Juni 2016 wegen Vergewaltigung, Nötigung, Beschimpfung, Hausfriedensbruch, eines geringfügigen Vermögensdelikts und Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes verurteilt. Die Freiheitsstrafe von 4? Jahren wurde zu Gunsten einer fünfjährigen Massnahme in einer geschlos­senen Institution aufgeschoben. Am Kantonsgericht St. Gallen beantragte der Beschuldigte Freisprüche von einigen eher geringfügigen Vorwürfen, eine mildere Strafe und vor allem den Verzicht auf die stationäre Massnahme.

Zum Vorwurf der Vergewaltigung stehe er, betonte der 31-jährige Beschuldigte an der Verhandlung. Passiert sei es, weil er vorher eine amphetaminhaltige Substanz eingenommen habe. Die Sucht habe zu allem geführt, was in den letzten Jahren passiert sei.

Vorbestraft wegen Raubes und Tätlichkeit

Der Mann hat mehrere Vorstrafen. 2011 wurde er wegen Raubes, Drohung und ­Tätlichkeit zu zwei Jahren Haft verurteilt. Nach der bedingten Entlassung wurde er 2014 in Chur erneut verurteilt. Die Delikte des aktuellen Falles gehen auf September 2015 zurück. Das Opfer und der Beschuldigte kannten sich, sie hätten als Zimmernachbarn oft miteinander Bier getrunken, so der Mann. Auch am Tattag habe er sich mit ihr getroffen. Weil er vorher Drogen genommen habe, sei er plötzlich überzeugt gewesen, die Frau habe ihm Kokain gestohlen. Laut Anklageschrift bedrohte der Mann das Opfer mit einer Nagelfeile und forderte das Kokain zurück. Schliesslich vergewaltigte er die Frau. Ihm sei bewusst, dass er ­einen fatalen Fehler gemacht habe. Heute könne er nicht mehr verstehen, warum er zum Vergewaltiger geworden sei. Ihm sei bewusst, dass er einen neuen Weg gehen müsse, mit Drogen wolle er nichts mehr zu tun haben.

Verteidigung verlangt kürzere Haftstrafe

In erster Instanz wurde der Mann auch verurteilt, weil er sich gewaltsam Zugang zur Wohnung eines anderen Nachbarn verschaffte, bei dem sich das Vergewaltigungsopfer versteckt hatte. Der Verteidiger verlangte in diesem Fall Freisprüche, da es keine rechtsgültige Anzeige gebe. Es sei die Freiheitsstrafe auf 3? Jahre zu reduzieren und auf eine stationäre Massnahme zu verzichten. Sein Mandant sei kein gemeingefährlicher Ver­brecher, der abgesondert werden müsse. Er brauche lediglich eine Arbeit und eine vernünftige Unterkunft, dann reiche eine ambulante Therapie. Er habe eingesehen, dass er sein Leben ändern müsse, es habe ein tiefgreifender Wandel stattgefunden. Er trinke keinen Alkohol mehr und nehme keine Drogen. Die Staatsanwältin verlangte die Abweisung der Berufung. Nur mit einer ­stationären Massnahme könnten weitere Straftaten verhindert werden. Dies bestätige auch ein psychiatrisches Gutachten. Das Urteil steht noch aus.

Claudia Schmid

ostschweiz@tagblatt.ch