Vergewaltiger verurteilt

Das Kreisgericht St. Gallen hat einen 22-Jährigen wegen Vergewaltigung verurteilt. Nach einer Therapie wird sein Risiko für die Gesellschaft beurteilt.

Claudia Schmid
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st. gallen. Der junge Mann stand gestern vor Gericht, weil er vor eineinhalb Jahren eine 40jährige Frau vergewaltigt hatte. Sein Opfer war spät am Abend im Wohnquartier unterwegs, um mit ihren Hunden einen kurzen Spaziergang zu machen. Die Frau versuchte sich gegen ihren Angreifer zu wehren, hatte aber aufgrund der physischen Überlegenheit des Täters keine Chance.

Kind missbraucht

Die Anklage forderte für den Mann mit portugiesischer Staatsbürgerschaft eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten. Sie beantragte zudem eine stationäre Therapie. Der Untersuchungsrichter wies darauf hin, dass der Angeschuldigte bereits im Jahre 2003 von der Jugendanwaltschaft Wil wegen sexueller Handlungen mit einem Kind verurteilt worden war. Er hatte damals als 14-Jähriger einen 7jährigen Buben missbraucht.

Der Ankläger wies vor Gericht auf ein Gutachten hin. Darin wird dem Angeschuldigten eine schwere Persönlichkeitsstörung diagnostiziert. Das Risiko, dass er erneut eine Gewalttat begehe, sei gegeben.

Angesichts des jungen Alters könne man von einer sofortigen Verwahrung des Täters absehen und eine stationäre Therapie anordnen, erklärte der Untersuchungsrichter. Vor Ablauf müssten aber zwingend die Fortschritte überprüft werden. Man sei es der Gesellschaft schuldig, weitere Opfer zu vermeiden.

Vertrauen erschüttert

Die Vergewaltigung habe für das Opfer noch heute schwerwiegende Folgen, betonte eine Vertreterin der Beratungsstelle für gewaltbetroffene Frauen vor den Schranken. Das Vertrauen der Frau in die Mitmenschen und in sich selbst sei stark erschüttert. Lange Zeit habe die Frau nicht mehr alleine Bus oder Zug fahren können, und noch heute sei ihre Angst zu gross, nach dem Eindunkeln nach draussen zu gehen.

Nach der Gewalttat habe seine Mandantin jegliche sozialen Kontakte gemieden, ergänzte der Rechtsvertreter der Frau. Sie sei nicht mehr in der Lage, Nähe zuzulassen. Dies wirke sich auch auf die Ehe belastend aus.

Der Verteidiger forderte eine Freiheitsstrafe von nicht mehr als zwei Jahren. Er bemängelte, dass das Gutachten bereits einige Monate alt sei. Dadurch seien allfällige Fortschritte, die sein Mandant im vorzeitigen Strafvollzug gemacht habe, nicht berücksichtigt.

Der Angeschuldigte erklärte vor Gericht, er werde versuchen, sich in einer Therapie mit seinen Taten auseinanderzusetzen. Allerdings wolle er gleichzeitig eine Lehre beginnen, damit er sich für die Zukunft eine bessere Grundlage schaffen könne.

Stationäre Therapie verordnet

Das Kreisgericht St. Gallen verurteilte den Mann schliesslich zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten und ordnete eine stationäre Therapie an. Er muss dem Opfer eine Genugtuung von 18 000 Franken bezahlen.

Der Vorsitzende betonte, dass der Vollzug der Massnahme nicht Sache des Gerichtes sei. Der Angeschuldigte müsse aber damit rechnen, dass er erst aus der geschlossenen Abteilung der Vollzugsanstalt entlassen werde, wenn er nachweisbare Fortschritte erziele.

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