Vergewaltiger härter bestrafen

Die Staatsanwaltschaft St. Gallen hat ein Urteil gegen einen Mann, der seine Ehefrau vergewaltigt hat, angefochten. Das Kantonsgericht gab ihr Recht und verurteilte wegen Drohung.

Claudia Schmid
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ST. GALLEN. Der 26jähriger Tunesier wurde im Juni vom Kreisgericht St. Gallen wegen Vergewaltigung, sexueller Nötigung und Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes schuldig gesprochen. Vom Anklagepunkt der Drohung wurde der Mann freigesprochen. Er erhielt eine Freiheitsstrafe von drei Jahren. Die Hälfte sollte er im Gefängnis verbringen. Die andere Hälfte wurde bedingt mit einer Probezeit von vier Jahren ausgesprochen.

Die Staatsanwaltschaft akzeptierte dieses Urteil nicht und zog es ans Kantonsgericht weiter. Sie war der Ansicht, er müsse auch wegen Drohung verurteilt und mit einer unbedingten Freiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten sanktioniert werden.

Frau gewürgt und vergewaltigt

Der Beschuldigte hatte im August 2010 seine Ehefrau gewürgt und vergewaltigt. Laut Anklageschrift hatte sie ihn mehrmals gebeten aufzuhören. Bereits zwei Tage zuvor, hatte er ihr ein Messer an den Hals gehalten. Er soll damals täglich vier bis sechs Joints geraucht haben (vgl. Ausgabe vom 4. November). Es sei nicht das erste Mal gewesen, dass er seine Ehefrau bedroht habe, hatte der Staatsanwalt an der Gerichtsverhandlung erklärt. Er sperrte sich auch gegen die Anordnung einer therapeutischen Massnahme. Es sei anzunehmen, dass er nach der Haftentlassung aus der Schweiz ausgewiesen werde.

Ehefrau hat verziehen

Der Verteidiger beantragte die Abweisung der Berufung. Das Verhalten seines Mandanten sei zwar nicht zu entschuldigen, doch müsse man die besonderen Umstände berücksichtigen. Seit seiner Inhaftierung und Therapie habe er sein Unrecht eingesehen. Seine Ehefrau habe ihm verziehen. Beide seien gewillt, die Ehe weiterzuführen. Die 48jährige Ehefrau bestätigte die Worte des Verteidigers. Zur Tatzeit habe sie die Ehe beenden wollen, weil ihr Mann wegen Depressionen und Heimweh «neben den Schuhen» gestanden und keine professionelle Hilfe angenommen habe. Früher hätten sie aber trotz des Altersunterschiedes eine «Superehe» geführt. In der Zwischenzeit hätten sie an sich gearbeitet. Das Vorgefallene sei nicht richtig, sie glaube aber fest daran, dass dies nicht mehr vorkommen werde.

Das Kantonsgericht St. Gallen gab nun der Staatsanwaltschaft teilweise Recht. Es verurteilte den Mann wegen Drohung. Zudem sprach es eine unbedingte Freiheitsstrafe von drei Jahren aus und ordnete eine vollzugsbegleitende, ambulant-therapeutische Massnahme an.