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Klare Worte von Regierungsrätin Monika Knill zum Wigoltinger Schulstreit: «Beide Parteien haben ihre Pflichten verletzt»

Das Departement für Erziehung und Kultur (DEK) des Kantons Thurgau ist im Falle des Streits an der Volksschulgemeinde Wigoltingen zum Schluss gekommen, dass keine schwerwiegenden Missstände ersichtlich sind. Das DEK richtet jedoch mehrere Empfehlungen an die Schulführung, kritisiert aber auch die Lehrer für ihr Verhalten.
Sabrina Bächi
Das kantonale Departement für Erziehung und Kultur hat die Untersuchungen im Fall Wigoltingen abgeschlossen. (Bild: Sabrina Bächi)

Das kantonale Departement für Erziehung und Kultur hat die Untersuchungen im Fall Wigoltingen abgeschlossen. (Bild: Sabrina Bächi)

Das aufsichtsrechtliche Verfahren des Kantons in Sachen Schule Wigoltingen ist abgeschlossen. Am Freitag veröffentlichte das Departement für Erziehung und Kultur (DEK) den Abschlussbericht. Über 500 Seiten an Akten kamen zusammen. Oberstufenlehrer, Behörde, Schulleiter, das Amt für Volksschule sowie 30 Eltern haben via Fragebogen Stellung bezogen.

Das Ergebnis der Untersuchung: «Es sind keine schwerwiegenden Missstände ersichtliche, die Weisungen oder Ersatzanordnungen an die Schulbehörde nötig machen.» Jedoch gibt das DEK Empfehlungen an die Schulführung ab. Im 33 Seiten umfassenden Bericht findet Departementschefin Monika Knill klare Worte.

Zu rasch eingeführt: Das neue Schulmodell

Die Einführung des neuen Schulmodells mit niveaudurchmischten Klassen sei zwar zulässig. Der Prozess war aber zu ambitioniert, Raum für Diskussionen und Anpassungen kaum vorhanden. «Die jeweiligen Treffen der Schulleitung mit dem Lehrerkollegium waren als Informationsanlässe bezeichnet und eine Behandlung von Inputs der Lehrer war nicht vorgesehen.»

Die Arbeit der Schulführung sei zudem nicht strukturiert erfolgt. Auch gegenüber den Erziehungsberechtigten und den Stimmbürgern konnte die Schulleitung die Strategien für die Sekundarschule wenig fassbar aufzeigen, was für Verwirrung sorgte. Entscheidend bei derlei Veränderungsprozessen sei die Zusammenarbeit mit den Lehrpersonen:

«Von Anfang an wurden personelle Veränderung und Abgänge mitgedacht und darauf hingewiesen, dass, wer den Weg nicht mitgehen wolle, die Möglichkeit zur Kündigung habe.»

Dies zeige wenig Bereitschaft, den Weg mit dem eigenen Personal zu gehen. «Es ist nicht erstaunlich, dass eine solche Haltung Abwehr und Druck bei den Lehrern auslöst.»

Lehrer und Leitung: Pflichtverletzungen

An der Schule besteht das Arbeitsverhältnis zwischen Fürsorgepflicht der Behörde und Treuepflicht der Lehrer. Der Kanton hält fest, dass beide Parteien ihre Pflichten teilweise verletzt haben. So hält sie den Lehrern eine Unwilligkeit Führungspersonen zu akzeptieren vor, da bereits vor der jetzigen Schulleitung Probleme aufgetaucht seien. Bereits die Evalution der Schule 2016 habe solches zu Tage gefördert.

Weiter hätten die Lehrer im Zuge des Konflikts öfters ein konfrontatives und unkooperatives Vorgehen gezeigt, welches sich mit der Treuepflicht nicht vereinbaren lasse.

Aber auch die Schulführung verletzte ihre Pflichten. Hauptsächlich nennt der Bericht hier die Medienmitteilung von Schulpräsidentin Nathalie Wasserfallen vom 4. Mai. Vorwürfe an die Lehrer, sie würden ihre Interessen über die der Schüler und Steuerzahler zu stellen, seien problematisch, «da das Berufsethos der Lehrpersonen in Frage gestellt» würde. Der Brief erscheine kaum mit der Treuepflicht der Behörde gegenüber den Lehrern vereinbar.

Ungenügende Information und Kommunikation

Grundsätzlich, hält der Bericht fest, habe die Schulführung den Auftrag der Information an Lehrer und Eltern wahrgenommen. Im Bereich der Kündigungen der sieben Lehrpersonen stellt sich jedoch die Frage, wie die oben genannte Medienmitteilung einzuordnen ist. Die darin enthalten Aussagen lassen eine gewisse Wertschätzung gegenüber langjährigen Lehrpersonen vermissen.

«Im Rückblick gelang der Informationsablauf zu den Kündigung nicht. Dass die Schüler mit dieser Information überrascht wurden und ein Elternbrief erst zwei Tage später folgte, zeugt nicht von einem durchdachten Kommunikationskonzept.»

Auch ein grösserer Teil der Eltern kritisiert die Kommunikation der Behörde als ungenügend.

Ungeschicktes Management und Arbeitskonflikte

Auch zur Rolle der kantonalen Ämter nimmt Monika Knill im Bericht Stellung, wenn auch nur knapp. «Angesichts des eskalierenden Konflikts, der vielen Beteiligten und der zunehmenden öffentlichen Dimension, rechtfertigte sich vorliegend eine Klärung des Sachverhalts», heisst es.

Ungeschicktes Management der Schulführung und arbeitsrechtliche Konflikte würden im Thurgauer System der teilautonomen Schulgemeinde jedoch kein aufsichtsrechtliches Eingreifen rechtfertigen. Solche Probleme seien auf der kommunalen Ebene zu lösen.

Das Fazit

Als Fazit hält Regierungsrätin Monika Knill fest, dass das Departement auf verschiedene «niederschwelligere Mängel» gestossen sei. Beide Parteien würden zudem die Verantwortung für den Konflikt «jeweils gänzlich» der anderen Seite zuweisen. Auch hätten die arbeitsrechtlichen Pflichten beidseitig nicht durchgehend Beachtung gefunden.

Reaktionen auf den Bericht

«Es ist nicht das, was wir erwartet haben», sagt eine Wigoltinger Sekundarlehrperson zu den Untersuchungen des Kantons. Der Bericht zum Konflikt sei oberflächlich, was Aussagen wie «vielleicht», «man könnte» oder «es wäre gut gewesen» zeigten. Der Kanton rede um den heissen Brei herum und versuche, sich aus der Schusslinie zu nehmen. «Wir sind enttäuscht, sehen uns aber bestätigt, dass das Tempo und die Art und Weise, wie die Behörde mit uns umgegangen ist, nicht korrekt war», sagt die Lehrperson. Zudem sei sie irritiert, dass es keine Konsequenzen für die Behörden oder Schulleitung nach sich ziehe.

Auch Michael Schätzle von der IG Wigoltingen macht «keine Freudensprünge», wie er sagt. Die Empfehlungen an die Schulführung würden jedoch klar zeigen, dass die Geschäftsleitung keine Orientierung und Strategie habe, die Schule zu führen. «Sie sind überfordert und können ihr Amt eindeutig nicht richtig ausführen», sagt Schätzle. Er fordert den Rücktritt respektive die Kündigung der Geschäftsleitung.

Die Behörde kann aufgrund vieler Ferienabwesenheiten derzeit keine Stellung beziehen. «Die Schulbehörde wird sich an einer der nächsten Sitzungen nach den Ferien im Detail mit dem Bericht befassen und zu einem späteren Zeitpunkt Stellung nehmen», sagt Vizepräsident Hanspeter Brauchli auf Anfrage.

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