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Verfahren um Gewaltexzess neu aufgerollt

Verhandlung Zutiefst traumatisiert sei seine Klientin, sagt der Verteidiger am St. Galler Kantonsgericht. Dabei steht die 45-jährige Kosovarin als Beschuldigte vor Gericht. Vor acht Jahren hatte sie ihre Tochter geohrfeigt, ihren Kopf gegen einen Heizkörper geschlagen und sie nach Ansicht der Gerichte mit einem Elektrokabel und einem Gürtel traktiert und anschliessend mit dem Kabel fast erwürgt. Dafür sowie für weitere Körperverletzungen und Tätlichkeiten wurde sie 2011 vom Kreisgericht See-Gaster zu einer bedingten Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt.

2015 reichte die Frau beim Kantonsgericht ein Revisionsgesuch ein. Ein Gutachten bescheinigte ihr für den Tatzeitpunkt eine leichte bis mittelgradige Einschränkung der Schuldfähigkeit aufgrund einer psychischen Störung. Der Fall wurde an das Kreisgericht verwiesen zur Neubeurteilung. 2016 kamen die Richter zum Schluss, dass die Strafe auf zehn Monate zu reduzieren sei. Wegen der psychischen Probleme, der langen Verfahrensdauer und der hohen Strafempfindlichkeit der Beschuldigten. Diese war wenige Wochen vor dem erneuten Prozess nach Kosovo ausgeschafft worden, was sie, wie der Verteidiger betont, schwerst traumatisiert habe. Gegen den Beschluss des Kreisgerichts legten die Kosovarin und die Staatsanwaltschaft Berufung ein.

Ärmlich und bei strengen Eltern aufgewachsen

Die gestrige Verhandlung gab Einblicke, die zeigen, wie die Traumatisierung hätte zu Stande kommen können. So erzählt die Frau, dass sie mit 17 heiratete und zu ihrem Mann in die Schweiz zog. Sie war ärmlich aufgewachsen. Die Eltern waren streng, vor allem die Mutter. Geschlagen habe diese sie aber nie, betont die Beschuldigte. Doch sie habe weg gewollt. Der Gerichtspräsident versucht eine Parallele zu ziehen zwischen ihr und ihrer Tochter. Sie habe damals die Unterschrift ihrer Mutter gefälscht, um heiraten zu können. Und ihre eigene Tochter habe nicht das gemacht, was von ihr verlangt wurde.

Die Beschuldigte meint, ihre Tochter habe übertrieben. Sie scheint die Schuld vor allem bei der damals knapp 18-Jährigen zu suchen. Auf die Frage des Gerichtspräsidenten, ob sich eine Mutter so gegenüber ihrer Tochter verhalten sollte, stellt sie die Gegenfrage, ob das eine Tochter dürfe. Diese hätte den Streit angefangen, sie an den Haaren gezogen und zu Boden gestossen. Erst danach habe sie die Tochter geschlagen. Was passiert sei, sei passiert. Sie wolle abschliessen, habe keine Kraft mehr.

Die Plädoyers fallen kurz aus. Nur die Strafzumessung darf angefochten werden, nicht die Taten selber. Die Staatsanwältin fordert, dass die Richter erneut eine zweijährige Freiheitsstrafe verhängen. Der Verteidiger beharrt auf einer Geldstrafe. Er warnt, dass eine höhere Freiheitsstrafe eine erneute Ausschaffung ins Spiel bringen würde – mit traumatisierenden Folgen. Zurzeit lebt die Kosovarin bei ihrer Familie im Linthgebiet. Das Verwaltungsgericht hat die Aufhebung der Niederlassungsbewilligung rückgängig gemacht. Mit der Tochter habe sie sich versöhnt. Ein Urteil wurde gestern nicht gefällt. (paj)

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