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VERFAHREN: Der Verurteilte lebte als Outlaw

Daheim hat er Hanf gezüchtet und Hühner geschlachtet. Unterwegs war er ohne Führerausweis. Dann hat er 150 Hühner im Wald ausgesetzt. Der 24-Jährige muss sich in 22 Punkten vor Gericht verantworten.

Der amtsbekannte Kiffer und Hühner-Aussetzer machte am Dienstag vor dem Bezirksgericht Weinfelden zum Teil überraschende Aussagen in einem abgekürzten Verfahren. Dieses stützt sich auf einen «Deal» zwischen Staatsanwaltschaft und Verteidigung. Der Angeklagte muss aber vor Gericht alle gegen ihn vorgebrachten Tatbestände – es waren 22 Anklagepunkte – anerkennen. Bei zweien hakte es.

Einerseits wollte er nichts mehr davon wissen, seine Ex-Freundin die Treppen in der Amriswiler Bahnhofunterführung ­hinuntergeschleudert und sie anschliessend zumindest zweimal ins Gesicht geschlagen zu haben. Delikt: einfache Körperverletzung. Nach einem Gespräch mit seinem Anwalt anerkannte er den Sachverhalt, machte aber geltend, sich «nicht mehr an den Vorfall zu erinnern». Zweitens soll er zumindest 62 Hühner in seiner Wohnung nicht sachgerecht geschlachtet haben: Er hatte ihnen das Genick gebrochen, die Kehle aufgeschlitzt, um sie dann ausbluten zu lassen. Delikt: mehr­fache Tierquälerei. Vor Gericht behauptete er, die Tiere vor der Schlachtung mit einem Baseballschläger betäubt zu haben. Erst nachdem der Richter aufzeigt, dass das abgekürzte Verfahren hinfällig sei, und auf Bitte seines Anwalts um eine nochmalige Befragung, gibt der Angeklagte zu Protokoll: «Ich anerkenne den Sachverhalt so.» Kurios hört sich die Erinnerungsleistung des Angeklagten während des gesamten Nachmittags vor Gericht an. Warum er ein Stellmesser gekauft habe? «Weiss ich nicht.» Warum er sich einen Kampfhund ohne Berechtigung zugelegt habe? «Weiss ich nicht mehr.» Warum er sich halluzinogene Zauber­pilze gekauft habe? «Um sie einmal auszuprobieren.» Immerhin. Sein Leben muss ein regelrechter Rausch gewesen sein, der keinen klaren Gedanken hinterliess. Der Angeklagte gibt zu: «Damals konnte ich nicht richtig denken. Ich habe mir nichts überlegt.»

«Jetzt liegt überhaupt nichts mehr drin»

Weil die Staatsanwaltschaft und die Verteidigung um Nachverhandlung bitten, kassiert der Richter das Urteil von 14 Monaten, bedingt auf fünf Jahre, und spricht ein schärferes Urteil aus: 22 Monate, bedingt auf fünf Jahre. Die Geldstrafe wird von 180 Tagsätzen auf 120 zu je 50 Franken reduziert. Beide Parteien erklären sich damit einverstanden.

Der Richter spricht in seiner Urteilsbegründung zwar von einem «tragischen Lebenslauf», aber mit seinem Vorstrafenregister habe er sich als «absolut unbelehrbar» und «Outlaw» er­wiesen. Der Richter redete dem Verurteilten ins Gewissen: «Jetzt liegt überhaupt nichts mehr drin. Sonst landen Sie garantiert im Gefängnis.» Ein kleiner Funken Hoffnung, dass sich der Lebensweg in eine bessere Richtung bewegt, sei vorhanden. Im letzten Jahr ist der Verurteilte Vater geworden, er lebt in einer stabilen Beziehung mit einer Frau. Bis seine Tochter sieben Jahre alt ist, muss er sich nun bewähren: Ein scharf geschliffenes Damoklesschwert schwebe nun über ihm. (pex)

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