Neben dem Studium arbeiten oder Kinder betreuen: PHSG führt neuen Studiengang ein 

Die Pädagogische Hochschule St.Gallen führt einen berufs- und familienbegleitenden
Studiengang ein. Sie will der Lebenswelt der Studenten gerecht werden. Doch das Pensum wird hoch.

Katharina Brenner
Drucken
Teilen
Der neue Studiengang der Pädagogischen Hochschule St.Gallen will Eltern entgegenkommen. (Bild: Getty)

Der neue Studiengang der Pädagogischen Hochschule St.Gallen will Eltern entgegenkommen. (Bild: Getty)

Wer studiert, muss auch wohnen, essen, leben. «Im Gespräch mit Studierenden stelle ich fest, dass es Personen gibt, die sich ein reguläres Studium nicht leisten können», sagt Heidrun Neukamm, Prorektorin Kindergarten- und Primarstufe an der Pädagogischen Hochschule St.Gallen (PHSG). Etwa 700 Studierende werden dort zu Lehrerinnen und Lehrern auf Primarstufe ausgebildet. «Etwa ein Drittel hat eine berufliche Vorbildung. Es liegt nahe, dass ein Teil dieser Studierenden den Lebensunterhalt selber finanzieren muss», sagt Neukamm.

Deshalb bietet die PHSG ab Herbst 2019 den Studiengang auch berufs- und familienbegleitend an. Mit 28 Plätzen. Lehrveranstaltungen sind von Montag bis Mittwoch. Donnerstag und Freitag bleiben für ein Teilzeitpensum oder die Kinderbetreuung. Weil sie das Angebot aus logistischen Gründen nicht allen anbieten könnten, gebe es eine Einschränkung. Es ist nur möglich im Diplomtyp B: Lehrerinnen und Lehrer mit diesem Diplom können von der ersten bis zur sechsten Klasse unterrichten und zwischen Englisch und Französisch wählen. Sprachzertifikate in Englisch Niveau C1 oder Französisch Niveau B2 sind Voraussetzungen für eine Zulassung. Dieses Sprachniveau muss im regulären Studiengang im Lauf des Studiums erworben werden. «Wer diese Voraussetzung mitbringt, spart Zeit im Studium.» Denn das wird intensiv: wie der reguläre wird auch der berufs- und familienbegleitende Studiengang sechs Semester dauern. «Wir rechnen mit Personen, die wissen, was sie wollen, und die die Ärmel hochkrempeln.»

Thurgau setzt auf anderes Modell

Matthias Begemann, Prorektor Lehre an der Pädagogischen Hochschule Thurgau (PHTG) meint: «Ein berufliches Pensum von 40 Prozent zusätzlich zu einem Vollzeitstudium zu leisten, ist meines Erachtens ohne Qualitätseinbussen oder Reduktion der Ausbildungsziele in drei Jahren nicht möglich.» Die PHTG bietet seit diesem Herbst einen Studiengang Vorschulstufe/Kindergarten in Teilzeit an. Der Studienplan ist identisch zum dreijährigen Vollzeitstudiengang, die Studiendauer allerdings auf vier Jahre verlängert. In der Studienberatung sei das Angebot auf grosses Interesse gestossen. Doch da bei Menschen mit beruflichen oder familiären Verpflichtungen der Entscheid für ein solches Studium grössere Konsequenzen habe, hätten sich für den ersten Durchgang erst wenige angemeldet. Für den Studiengang Primarstufe sei ein Teilzeitmodell in der Konzeptphase, frühester Start 2020.

Ein Studium in Teilzeit ist auch bereits an der PHSG möglich. Das erste Jahr müssen alle in Vollzeit studieren. Ab dem zweiten Jahr können die Studentinnen und Studenten ins Teilzeitmodell wechseln. Die Studiendauer verlängert sich dann.

Ob Schreiner oder Erzieher spielt keine Rolle

Für den neuen familien- und berufsbegleitenden Studiengang gelten besondere Voraussetzungen: Neben dem Sprachzertifikat in Englisch Niveau C1 oder Französisch Niveau B2 müssen die Bewerber mindestens 25 Jahre alt sein, eine abgeschlossene Berufslehre und mindestens drei Jahre Berufserfahrung mitbringen. «Die allgemeinen Zugangsvoraussetzungen zur Pädagogischen Hochschule, zum Beispiel das Maturitätsniveau, müssen erfüllt sein. Ob die Personen in der Erstausbildung Schreiner oder Erzieher waren, spielt dabei keine Rolle», sagt Neukamm.

An der Fachhochschule St.Gallen (FHS) setzen einige berufsbegleitende Studiengänge eine Arbeitstätigkeit aus dem entsprechenden Fachgebiet voraus, beispielsweise beim Bachelor in Sozialer Arbeit. Im Bachelor studieren an der FHS derzeit 882 Personen in Vollzeit; in Teilzeit 334 und 333 berufsbegleitend. Die Studiendauer verlängert sich bei ihnen jeweils. «Es zeichnet sich ein leichter Aufwärtstrend zu Gunsten der Studienformen Teilzeit und berufsbegleitend ab», sagt der Kommunikationsbeauftragte Basil Höneisen. Die Erfahrungen seien sehr positiv. Die Hochschule würde mit diesen Angeboten den «unterschiedlichen Lebenswelten zeitgemäss begegnen».

An der HSG ist erstes Jahr am Stück zu absolvieren

An der Universität St. Gallen (HSG) ist das einleitende Assessmentjahr am Stück zu absolvieren. Ab dem zweiten Jahr im Bachelorstudium sowie im Masterstudium stellen die Studenten ihren Stundenplan dann weitgehend selbst zusammen. Dank dieser Rahmenbedingungen schaffe die HSG «ausreichend Raum für familien- und berufsbegleitendes Studieren», heisst es auf Anfrage.

Dass der familien- und berufsbegleitende Studiengang an der PHSG in derselben Zeit absolviert wird wie ein Vollzeit-Studium, ist eine Besonderheit. Dass sich bis 31. März ausreichend Personen anmelden für das neue Modell – daran zweifelt Prorektorin Neukamm nicht.

Infoabend zum neuen Studiengang

Am Montag, 26. November, um 18 Uhr, informiert die PHSG über den neuen berufs- und familienbegleitenden Studiengang im Hochschulgebäude Mariaberg in Rorschach, Raum M117. Eine Anmeldung ist nicht nötig.

Lesen Sie auch: 

Ostschweizer Mütter im Arbeitsmarkt: Die Krux mit der Teilzeit

Nur wenige Mütter im Kanton St.Gallen arbeiten Vollzeit und viele mit einem Pensum unter 50 Prozent. Mit dem Ausbau der Kinderbetreuung will der Kanton mehr Frauen für höhere Pensen gewinnen. Doch die Gründe für Teilzeit sind vielfältig.
Katharina Brenner