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«Verbrecherische Absicht»: Offa-Böllerwerfer kassieren Freiheitsstrafe

Das Bundesstrafgericht in Bellinzona hat zwei junge Männer aus dem Kanton St.Gallen zu 26 respektive 24 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Die beiden hatten im April 2017 während der Offa in St.Gallen zwei Böller auf die St.-Jakob-Strasse geworfen.
Gerhard Lob, Bellinzona
Die beiden Männer mussten sich in Bellinzona vor Bundesstrafgericht für ihre Taten verantworten. (Bild: Keystone)

Die beiden Männer mussten sich in Bellinzona vor Bundesstrafgericht für ihre Taten verantworten. (Bild: Keystone)

Das Bundesstrafgericht in Bellinzona hat zwei junge Männer aus dem Kanton St. Gallen zu 26 respektive 24 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Die beiden hatten im April 2017 während der Frühlings- und Trendmesse OFFA in St. Gallen zwei Böller auf die St. Jakobstrasse und die dortige Bushaltestelle «Olma Messen» geworfen. Es entstand Sachschaden, zwei Fenster von Bussen zerbarsten, mehrere Personen erlitten durch die Detonation der pyrotechnischen Gegenstände Hörschäden.

Die beiden Männer mussten sich am 4.September 2018 in Bellinzona vor Bundesstrafgericht für ihre Taten verantworten. Die Bundesanwaltschaft forderte unter anderem eine Verurteilung wegen Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecherischer Absicht, einfache Körperverletzung und Sachbeschädigung.

Verteidiger bestritten verbrecherische Absicht

Die Verteidiger bestritten während der Hauptverhandlung insbesondere eine verbrecherische Absicht, die ihre Mandanten begangen hätten. Beide Männer standen beim Verüben der Tat unter massivem Alkoholeinfluss. Ein Beschuldigter sprach von einer grossen Dummheit, die er getan hätte. Beide zeigten sich einsichtig und reuig. Sie hatten sich im Übrigen auch entschuldigt, insbesondere bei einem verletzten Polizisten der Stadtpolizei St.Gallen, der seither unter einem Tinnitus leidet. Am Prozesstag erhielt er 1000 Franken bar als Vorschuss im Sinne einer Wiedergutmachung.

Doch einer Verurteilung konnten die beiden Beschuldigten trotz aller Einsicht nicht entgehen. Das Bundesstrafgericht folgte im Gegenteil weitgehend den Strafanträgen der Bundesanwaltschaft, wie aus dem schriftlichen, dieser Tage publizierten Urteil hervorgeht. Demnach erhält der Hauptbeschuldigte, ein 24-jähriger Landschaftsgärtner aus St.Gallen, der mittlerweile als Logistiker arbeitet, eine Freiheitsstrafe von 2 Jahren und 2 Monaten, davon sechs Monate unbedingt. Er hatte die illegalen Böller der Marke Petard Shark 5 bestellt, zu Hause aufbewahrt und an die Offa mitgebracht.

Von einigen Anklagepunkten freigesprochen

Der zweite Beschuldigte, ein 26-jähriger Bodenleger aus Gossau, der einen Böller aus dem Pissoir auf die Strasse geworfen hatte, wurde zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 24 Monaten verurteilt. Die Probezeit beträgt für beide 3 Jahre. In einigen Anklagepunkten kam es zu Freisprüchen, etwa in Bezug auf die Störung des öffentlichen Verkehrs, weil hier kein direkter Vorsatz nachgewiesen werden konnte.

Für das Gericht galt es als erwiesen, dass die Täter wissentlich, willentlich und in verbrecherischer Absicht gehandelt haben. Mit dem gezielten Wurf eines gezündeten pyrotechnischen Gegenstandes, eines so genannten Blitzknallkörpers, auf die befahrene St. Jakobstrasse in St.Gallen hätten sie die Verletzung zahlreicher Personen sowie die Beschädigung fremden Eigentums in bedeutendem Ausmass verursachen wollen oder dies zumindest in Kauf genommen. Die Erklärung eines Beschuldigten, er haben niemanden verletzen wollen, wird vom Gericht zurückgewiesen:

«Er kannte die Gefahr und handelte trotzdem.»

Dies gilt auch für die Körperverletzung: «Durch das Sprengstoffdelikt gefährdeten sie beliebige, ihnen unbekannte Personen und damit die Allgemeinheit.»

Schadenersatz und Genugtuung

Neben den Freiheitsstrafen müssen die beiden Verurteilten dem Polizisten, welcher einen Hörschaden erlitt, solidarisch 1000 Franken Schadenersatz und 2000 Franken Genugtuung entrichten. Zudem müssen sie die Verfahrenskosten übernehmen sowie den Grossteil der Kosten für die amtliche Verteidigung, sobald es ihre wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben.

Am Prozesstag erfolgte kein mündliches Urteil. Das schriftliche Urteil wurde am 30. November 2018 an die Parteien versandt. Es kann vor Bundesgericht angefochten werden. Die beiden amtlichen Verteidiger der Verurteilten, Andreas Fäh und Eveyline Angehrn aus St.Gallen, gaben gestern auf Anfrage keine Erklärung ab, ob sie von diesem Recht Gebrauch machen.

Strafkammer Bundesstrafgericht Geschäftsnummer: SK 2018.13. Urteil vom 5.September 2018 (Versand 30.November 2018)

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