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VERBINDUNGEN: Studentenverbindungen: Wenn Trinkende übers Trinken singen

Ein antisemitischer "Cantus" einer Studentenverbindung hat in Österreich einen Skandal ausgelöst. Ein Blick ins Repertoire hiesiger Verbindungen zeigt: Man singt vor allem über Bier oder die Töchter von Gastwirten.
Kaspar Enz
Das Poly-Liederbuch der ETH-Studenten diente vielen Verbindungen als Cantenprügel. (Bild: Michel Canonica)

Das Poly-Liederbuch der ETH-Studenten diente vielen Verbindungen als Cantenprügel. (Bild: Michel Canonica)


Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier: <strong style="margin: 0px; padding: 0px; vertical-align: baseline; border: none; outline: 0px; background: transparent;"><em style="margin: 0px; padding: 0px; vertical-align: baseline; border: none; outline: 0px; background: transparent;">www.tagblatt.ch/epaper</em></strong>

«Rundgesang und Gerstensaft lieben wir doch alle.» Schade eigentlich, dass das nicht mehr für alle gilt: Stimmt einer in einer Beiz zum Bier ein Lied an, gehört er meist zu einer Studentenverbindung, und dem Lied sagt er Cantus, wie dem zitierten «Besencantus». Die Texte entnimmt er nicht dem Liederbuch, sondern dem «Cantenprügel». Ein solches Lied führte in Österreich zum Skandal: Ein Cantus der Wiener Burschenschaft Germania ruft zur Fortsetzung des Holocausts auf, gedruckt 1997.

Was in hiesigen Kellern gesungen wird? Ein Blick in Schweizer Cantenprügel verrät bald: Schon vor 200 Jahren interessierten sich Studenten für alkoholische Getränke. «’S gibt kein schöner Leben, als das Studenten­leben, wie es Bacchus und Gambrinus schuf. In die Kneipen laufen und sein Geld versaufen ist ein hoher, herrlicher Beruf», heisst es da. «Trinke nie ein Glas zu wenig», rät ein anderes Lied. Und immer graut es dem Studenten vor dem schlimmen – «Kein Tröpflein mehr im Becher, kein Geld im Säckel mehr» – oder dem schlimmsten, dem Ende des Studentenlebens: «Ach das Exmatrikulieren ist ein böses Ding!»

Breites Repertoire

Doch Burschen und Fuxe singen nicht nur übers Trinken. Bei Studentenverbindungen weit verbreitet war lange das Poly-Liederbuch der ETH-Studentenschaft. Es enthält Studenten- und Wander-, Liebes- oder Volkslieder. Nach jahrelanger Nutzung sind sie voll gekritzelt mit Sprüchen und Zeichnungen, wie ein der Verwandtschaft entlehntes Exemplar zeigt. Gedruckt 1967, enthält es auch eingeklebte Fotos der Beatles. Die bunten Worte «Make Love Not War» macht die Texte zwischen «die blauen Dragoner» und «eine Kompanie Soldaten» unleserlich. «Es fallen die Granaten in die Kompanie Soldaten», geht das Lied weiter. In Soldaten- und Heimatliedern wird das Vaterland verteidigt und werden Kameraden beerdigt. Lieder die schon damals etwas schal klangen, sagt der Besitzer des Büchleins. Er war nicht der einzige. «Das Pathos war nicht meins», sagt Ronald Roggen, Centralpräsident der Altherren der Zofingia. Aber es waren andere Zeiten. «Man lernte noch Soldatenlieder in der RS.»

Rassistisch, auch gegen Zürcher

Trotz Waffengeklirr lässt sich ein Faschismusverdacht aber kaum bestätigen. Die Indizien sind zu schwach: «Ein Heller und ein Batzen» weckt mancherorts ungute Erinnerungen, weil es bei der Wehrmacht beliebt war, nur kann das Lied wenig dafür, es ist viel älter. «Das Leben ist ein Würfelspiel» komponierte ein deutscher Offizier in den 1930er Jahren. Doch es fehlt im neueren Liederbuch der Zofingia ebenso wie im Cantenprügel der Frauenfelder Concordia – wie viele Soldatenlieder. Im Repertoire der Zofinger bleibt aber der «Missionscantus», der fragt: «Warum bin ich kein Neger.» Aber auch: «Warum bin ich kein Zircher und fress ein Mues vom Bircher, warum bin ich nit doof?»

Eine Auffrischung könnte das Frauenbild der Verbindungen gebrauchen. «Trautes Schätzchen, trag nicht Leid, blicke nicht so trübe, dass du nicht die einz’ge Maid, die ich herzlich liebe; schau, Studenten machen’s so.» Die Herzen und Mieder holder Mädchen fliegen den Studenten nur so zu, glaubt man den 200 Jahre alten Liedern. In manchen dringt aber ein tragischer Hintergrund durch. «O Wonnevolle Jugendzeit» besingt die «filia hospitalis», die Gastwirtstochter: Die Studenten des 19. Jahrhunderts stammten aus hohen Häusern, anders als die Gastwirte, bei denen sie sich einmieteten. Und sich dann oft an deren Töchter oder Angestellten vergriffen, für ein Zubrot natürlich.

Ganz ohne Vielweiberei kommt auch das Lieblingslied von Altzofinger-Präsident Roggen nicht aus: «Papst und Sultan» wägt spöttisch Zölibat gegen Harem, Alkoholverbot gegen Messwein ab. «Aber ich mag auch viele der romantischen Lieder, wie die Wanderlieder von Scheffel.»

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